Der schöne Schein

Seit gut einem Jahr ist der neue Porsche Panamera in Deutschland auf dem Markt. Nahezu alle Außenhautteile werden dabei auf einer Pressenlinie gefertigt, die 2008 mit einer neuen hydraulischen Kopfpresse von Schuler SMG und acht Crossbar-Robotern von Schuler Automation modernisiert wurde. Damit steht die Anlage für ähnliche Eigenschaften wie das darauf produzierte Fahrzeug: hochwertig, flexibel und schnell.

01. Oktober 2010

Ein Jahr nach dem Start hat Porsche bereits mehr Panamera-Luxuslimousinen an die Kundschaft ausgeliefert als erwartet. Weltweit waren es 22.518 Fahrzeuge, wie der Autohersteller im September 2010 verkündete. Geplant waren für das erste Verkaufsjahr rund 20.000 Wagen. Der wichtigste Absatzmarkt ist Nordamerika.

Einzig die Zahl der Pressen hat sich mit der Anlagenmodernisierung nicht verändert: Nach wie vor besteht die Pressenstraße 61 bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover aus sechs Pressen verschiedener Hersteller. Sonst hat sich vieles geändert: Während zuvor sechs mechanische Modelle für die Produktion von verschiedenen Bauteilen sorgten, profitiert der Kunde jetzt von der Leistung der neuen hydraulischen Kopfpresse von Schuler SMG in Waghäusel am Anfang der Linie.

Kurze Einarbeitungszeit

„Mit dieser Presse kann besonders flexibel auf verschiedene Produktionsanforderungen reagiert werden“, so Projektmanager Markus Geier von Schuler SMG in Waghäusel. Entscheidend dafür ist der hydraulische Antrieb. Mit ihm lässt sich der Presskraftverlauf exakt regeln. Gerade für den Produktionsstart von neuen Bauteilen hat dies weitreichende Vorteile, denn neue Pressenwerkzeuge lassen sich schneller als auf mechanischen Pressen einarbeiten. Eine hohe Bauteilqualität wird schon nach relativ kurzer Probezeit erreicht. „Zudem ist es möglich, sowohl einfach als auch doppelt wirkende Werkzeuge einzusetzen“, unterstreicht Markus Geier die Flexibilität der hydraulischen Presse. Der Pressentisch ist dabei für die Verarbeitung von Blechen mit einer maximalen Größe von fünf mal 2,50 Meter ausgelegt. Die Presskraft der Kopfpresse beträgt 2.500 Tonnen. Je nach Bauteil vollzieht sie sechs bis zehn Hübe pro Minute.

Außerdem sorgen acht Crossbar Roboter von Schuler für die Automation der gesamten Linie – vom Einlegen der Platinen in die Schuler-Ziehpresse bis hin zur Ablage der fertigen Bauteile, nachdem sie die letzte mechanische Presse am Ende der Linie verlassen haben. Mit den Crossbar Robotern lassen sich die großen Porsche-Bauteile sehr flexibel aus dem Pressenwerkzeug herausnehmen, bei Bedarf drehen und wenden sowie in der nächsten Presse weiterbearbeiten. „Denken Sie zum Beispiel an die bekannten, breiten Porsche-Kotflügel. Mit der zuvor in der Pressenstraße befindlichen Feeder-Automation wäre ein Transport nicht möglich gewesen. Für die von Schuler Automation um zwei Bewegungsachsen erweiterten Roboter ist dies aber kein Problem“, erklärt Projektmanager Markus Geier. Die Sechs-Achs-Roboter sind sehr beweglich. Sie verfügen über eine hängend montierte Fahrbahn und eine an der Roboterhand befestigte Schwenkachse – ähnlich wie bei einem menschlichen Handgelenk, das in verschiedene Dimensionen beweglich ist. Die Flexibilität steigt im Vergleich zu Linien ohne Crossbartechnik, die nur mit Roboter oder Feeder verkettet sind, erheblich. Perfektioniert wird die Pressenlinien-Automation bei Volkswagen Nutzfahrzeuge durch die verwendete Software Presstec. Mit ihrer Hilfe optimiert sich die Anlage selbstständig, während sie in Betrieb ist, und steigert somit kontinuierlich ihre Ausbringungsleistung.

Seit April 2009 entstehen mit Hilfe der Schuler-Lösungen praktisch alle Außenhautteile des neuen Porsche Panamera – von den Türen über die Haube bis hin zur Heckklappe. Rund zehn verschiedene Werkzeugsätze sind hierfür bei Volkswagen Nutzfahrzeuge im Einsatz. Anschließend gehen die fertigen Teile in den Karosseriebau, wo sie mittels neuster Technologie zu einer Karosse zusammengefügt werden. Von dort laufen die Rohkarossen in die Lackiererei von VW Nutzfahrzeuge und werden frisch lackiert, poliert und glänzend mit einem speziellen Logistiksystem von Hannover aus auf die Reise ins Leipziger Porsche-Werk gebracht, wo der Panamera montiert wird.