Der quälend lange Weg zur Handlungsfähigkeit oder Was wir von Cicero lernen könnten

Übrigens...
02. Februar 2018

Liebe Leser,

bevor ich mich dem Dauerbrenner des letzten halben Jahres zuwende, möchte ich Ihnen allen ein gutes Jahr 2018 wünschen und hoffe, dass Sie schneller Ihre Ziele erreichen, als wir eine neue Regierung bekommen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen bei dem ganzen Geplänkel, hinein und hinaus sowie unerfüllten Erwartungen geht? Ich schreibe diesen Artikel gerade zu dem Zeitpunkt, als die SPD sich (für mich sogar etwas überraschend) nach langen Diskussionen entschieden hat, doch Koalitionsverhandlungen zu führen. Ausgang absolut offen.

Zuerst würde ich jedem Politiker mal raten, einen Blick in die Geschichte zu werfen. Angeblich von Cicero stammt das Zitat: »Das Schlimmste, was einem Politiker passieren kann, ist sich nachprüfbar festzulegen.« Wahrscheinlich fallen Ihnen allen sofort viele präsente Medienmomente ein, bei denen einige unserer Vollzeitpolitiker genau das Gegenteil gemacht haben. Ohne fühlbare Notwendigkeit werden Aussagen (bewusst schreibe ich hier nicht von Fakten) getätigt, die entweder zu einer Pattsituation führen oder halt eben das wenig populäre Zurückrudern nach sich ziehen.

Ich möchte den Begriff der Staatsraison nicht überstrapazieren, aber irgendwie habe ich noch die altmodische Vorstellung, dass die Bewerbung für ein Amt auch die Übernahme von Verantwortung nach sich ziehen kann und wenigstens das Streben danach sollte. Natürlich bedeutet Handeln auch die Gefahr von Fehleinschätzungen und im Nachhinein erkennbare Fehler zu machen. Nur wer gar nichts macht, macht zwar nichts falsch, bringt uns aber auch nicht weiter. Vielleicht wäre es geschickter für die verfahrene Situation, mal einen Drehbuchautor zu suchen. Gesucht sind verlässliche Helden, die auch vor den schwierigsten Aufgaben nicht zurückschrecken (James Bond, Indiana Jones oder Lara Croft). Dann brauchen wir natürlich einen eleganten Gentleman oder eine gender-konforme »Gentlelady« im Sinne von Ocean 11, die einen überraschenden und kreativen Masterplan erstellen kann. Des weiteren darf die Bedrohung von außen nicht fehlen. Dr. Mabuse wäre doch eine gute Wahl, der dafür sorgen möchte, dass Deutschland in Chaos und Niedergang versinkt. Vielleicht noch ein bisschen Familienzwist wie bei Denver Clan in den 80er-Jahren. Schon fertig wäre die Soap-Opera ›D-Family‹.

Mal sehen, ob unsere Politiker uns vielleicht doch noch mal positiv überraschen und sich irgendwann mal bewusst werden, dass die Welt um uns herum nicht auf den Moment wartet, bis es mal konform ist, sich auf eine Regierungsbank zu setzten. Wichtig wären für mich zwei kleine Grundprinzipien: Sei kreativ und mutig, lass aber auch immer noch Platz für Deine Gegner zum Atmen und Überleben. Wenn wir jetzt noch eine Prise Humor und das Vermeiden von Polemik und Verunglimpfung hätten, würde nichts mehr gegen ein Happy End sprechen, hoffentlich nicht erst nach ›Lindenstraßen‹-verdächtiger Sendungsanzahl.

Was lernen wir aus diesen unerfreulichen Spielereien für unsere tägliche Arbeitswelt? Zuerst sollten wir meiner Meinung nach unsere Vertriebsmitarbeiter immer darauf hinweisen, dass sie unseren Kunden nur versprechen dürfen, was für die Einschätzung unserer Produkte hilfreich ist und wir auch technisch erfüllen können. Dann sollten wir mit den Marktbegleitern fair umgehen, auch wenn wir im Wettbewerb stehen. Unsere Kunden wie auch wir Wähler würden es danken. Nichts ist so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Deshalb wäre ein Szenariomanagement unter Aufrechterhaltung verschiedener Optionen empfehlenswert. Das Manövrieren in Situationen, bei denen nur noch All-in geht, ist am Ende nur etwas für Zocker.

Da ich schließlich kein Hellseher in dieser schnelllebigen Zeit bin, werde ich mich hüten, eine Prognose für die D-Family abzugeben, sondern wünsche Ihnen einfach einen erfolgreichen Jahresstart auch ohne in Aussicht stehenden Haushalt und positiven Rückenwind aus Berlin.

Ihr

Wolfram Volk

Erschienen in Ausgabe: 01/2018