Der Prozess

Technik/Schneiden

Rund 45 Millionen Tonnen Stahl werden jährlich in Deutschland produziert. Stahl in Form von Blechtafeln, Rohren, Profilen muss in der Regel zugeschnitten werden, bevor er weiterverarbeitet werden kann. Aber wie?

30. November 2015

Gerhard Hoffmann, Geschäftsführer der Schneidforum Consulting GmbH & Co. KG, Solingen: »Nach unseren Schätzungen übernehmen diese Aufgabe in Deutschland etwa 30000 CNC-Schneidanlagen. Ohne passenden und qualitativen Zuschnitt stünden die Räder in der modernen Industriegesellschaft schnell still. Doch nicht jeder Schneidprozess ist für jede Aufgabe in gleicher Weise geeignet.«

Ergänzend führt Gerhard Hoffmann ein Beispiel aus der Praxis an: »Ein Anlagenbauer nutzte für seine Produktion eine neun Jahre alte autogene CNC-Brennschneidmaschine. Nach dem Motto ›alt aber bezahlt‹ nahm er an, seine Brennteile keinesfalls preiswerter schneiden zu können. Sein Hauptblechdickenbereich war wie folgt verteilt: 

- Stahl von 3 bis 5 mm, etwa 25 Prozent 

- Stahl von 5 bis 15 mm, etwa 50 Prozent

- Stahl von 20 bis 40 mm, etwa 20 Prozent

- Stahl von 40 bis 80 mm, etwa 5 Prozent

Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab, dass er rund 25 Prozent zu teuer produzierte.«

»Plasma, Autogen, Wasserstrahl, Laser oder Kombinationen – was ist das Beste für unsere Fertigung? Dies ist eine elementare Fragen, wenn man die optimale Wirtschaftlichkeit verfolgt. Die Antwort findet man in der qualitativen und quantitativen Beurteilung des Istzustands. Zuallererst ist es sinnvoll, sich einen umfassenden Überblick über die Schneidtechniken zu verschaffen, deren Vor- und Nachteile und Einsatzfelder zu kennen. Gebündelte Informationen dazu findet man im Wissensportal des Schneidforums. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: die Analyse des Istzustands«, erläutert Hoffmann. Die folgenden zehn Fragen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) geben Aufschluss. »Dies ist eine Auswahl von Fragen, die sinnvollerweise vor der Investition geklärt sein sollten oder aber im Verlauf einer Kostensenkungsmaßnahme in der Fertigung zu beantworten sind. Eine pauschale Antwort für nur ein einziges Schneidsystem gibt es nicht, denn jeder Schneidprozess hat seine Berechtigung und seine einzigartigen Eigenschaften. Da jedes Unternehmen andere Strukturen, andere Produkte, andere Kunden et cetera besitzt, erfordert dies immer eine individuelle Betrachtungsweise«, so Gerhard Hoffmann. Die so gewonnenen Daten kann man nun in eine Entscheidungsmatrix einsetzen, wie Schneidforum sie auf seiner Website anbietet, und erhält einen ersten Hinweis, in welche Richtung es gehen könnte.

Als Hilfe bei der Planung sollte möglichst frühzeitig eine Kostenübersicht für das neue Produkt erarbeitet werden. Return-on-Investment-Berechnungen sind anders gar nicht denkbar.

Die Kosten für die Schneidtechnik werden zum Teil von der Investition bestimmt, doch sollte darüber hinaus auch das Umfeld mit einkalkuliert werden, Logistik, Krananlage, Personalerweiterung und Qualifikation, Erstbetrieb und Schrott in der Anlernphase, leistungsstärkere Energiequellen, Arbeitsvorbereitung, Fundamente, Flurwege, Umweltauflagen, Wartungs- und Betriebskosten et cetera. Bei der Konfiguration einer Schneidanlage hilft zwar der neue Maschinenkonfigurator im Schneidforum-Webportal, doch die weiteren Kosten rund um die Anlage muss jedes Unternehmen für sich selber ermitteln.

www.bbr.de/161427

Deutscher Schneidkongress: 24. bis 25.02.2016

Gute, breite Informationen aus diversen Quellen sind das Gebot der Stunde. ›Mehr Respekt für das Schneiden‹ lautet das Motto des kommenden Deutschen Schneidkongresses. Die am Schneidkongress zur Verfügung gestellten Informationen können auch bei der Auswahl des passenden Schneidprozesses von elementarer Bedeutung für Unternehmen sein.

Deutscher Schneidkongress: 24. und 25.02.2016 in Dortmunder Westfalenhallen

Agenda, Anmeldungen und Infos unter www.schneidkongress.de

Themen: Eine aktuelle Kostenanalyse zum Vergleich der Schneidverfahren wird von der Handwerkskammer Koblenz vorgestellt. Das Fraunhofer-Institut wird über den Faserlaser und neue Möglichkeiten im Dickblechbereich referieren. Problematische Schneidaufgaben, die nur mit dem Wasserstrahlverfahren gelöst werden können, werden von der Uni Hannover präsentiert. Industrie 4.0, 3D-Laser-generative Verfahren, Schweißnahtvorbereitung und vieles mehr dürfen nicht fehlen. 16 Referate stehen den Besuchern zur Auswahl, um durch neueste Informationen ihren Kenntnisstand für aktuelle und zukünftige, richtungsweisende Entscheidungen upzudaten.

Die Auswertung der

Antworten verhilft zu einer besseren Entscheidungsmatrix:

1 Was genau ist alles zu schneiden? Blechtafeln, Rohre, Profile oder Böden, 2D oder 3D, mit oder ohne Schweißfasen?

2 Welche Güten, Materialien sind zu schneiden? Hochfeste Stähle stellen andere Anforderungen als Normalstahl an das Schneidverfahren, Gleiches gilt für Edelstahl oder Aluminium.

3 Welche Materialdickenbereiche sind mit der Anlage abzudecken?

4 Welcher Durchsatz (Tonnage, Schnittmeter) muss abgearbeitet werden?

5 Wie wird die Auslastung der Anlage sein? Einschichtig, mehrschichtig?

6 Welche Genauigkeiten sind gefordert? Auch beim Thema: Fasen, Schweißnahtvorbereitung!

7 Sind auch weitere Bearbeitungsschritte für meine Fertigung abdeckbar und sinnvoll (kombinierte Multiwerkzeugsysteme mit Bohrkopf, Fasenkopf et cetera).

8 Welche Umweltschutzmaßnahmen sind einzuhalten? Gibt es Auflagen des Umweltamtes, der BG et cetera für mein Unternehmen? (Zum Beispiel Wasser, Entsorgung, Energien, Hallenbedingungen)

9 Neukauf oder Retrofitting einer Bestandsanlage (Modernisierung) – was lohnt sich eher?

10 Sonstige Anforderungen an die Zuschnitte: Fertigmasse, thermische Einflüsse, ISO 1090, Fertigteile nachbearbeitungsfrei, Markierungen, spätere Beschichtung …

Erschienen in Ausgabe: 07/2015