Der Neue Ausbildungsberuf ›Fachkraft Für Metalltechnik‹

Karriere

Das hat lange gedauert: Nach 17 Jahren Abstinenz ist das Schweißen wieder zurück in der industriellen Ausbildung.

17. März 2014

Seit August 2013 besteht nämlich die Möglichkeit, sich in zwei Jahren zur ›Fachkraft für Metalltechnik‹ ausbilden zu lassen. Das Ausbildungskonzept baut auf eine fundierte metalltechnische Grundausbildung in Kombination mit schwerpunktmäßigen Spezialkenntnissen. Deshalb haben angehende Fachkräfte für Metalltechnik die Möglichkeit, aus den vier verschiedenen Fachrichtungen Montagetechnik, Konstruktionstechnik, Zerspanungstechnik sowie Umform- und Drahttechnik zu wählen.

Unter diesen Vieren setzt die Konstruktionstechnik einen deutlichen schweißtechnischen Schwerpunkt. Denn angehende Fachkräfte für Metalltechnik, die diesen Ausbildungsschwerpunkt wählen, müssen zum Ende ihrer Ausbildungszeit zwei Handschweißprozesse beherrschen – soviel Fügetechnik hat es in einer Ausbildung seit der Abschaffung des ›Schmelzschweißers‹ Mitte der 90er-Jahre nicht mehr gegeben.

Dass sich diese Situation mit Beginn des Ausbildungsjahres 2013/14 zum Positiven geändert hat, resultiert zum einen daraus, dass im Frühjahr 2012 ein Neuordnungsverfahren von Altberufen stattfand. Elf dieser Altberufe wurden als unzeitgemäß eingestuft und zum 1. August 2013 abgeschafft. Betroffen waren die Ausbildungen Teilezurichter, Drahtzieher, Fräser, Metallschleifer, Kabeljungwerker, Federmacher, Gerätezusammensetzer, Drahtwarenmacher, Schleifer, Maschinenzusammensetzer und Revolverdreher.

Trotz der Abschaffung dieser Berufe sollten Teile ihrer Ausbildungsinhalte jedoch erhalten bleiben.

Zum anderen hatten der DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. – und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit Umfragen durch das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg herausgefunden, dass die Industrie Bedarf an einem Ausbildungsberuf mit schweißtechnischem Inhalt hat.

Mit dem neuen Ausbildungsberuf Fachkraft für Metalltechnik wurde eine Lösung gefunden, um die Neuordnung der Berufe mit dem Wunsch der Industrie nach einer schweißtechnischen Ausbildungsmöglichkeit zu vereinen. Eine Schweißerprüfung ist zwar nicht Bestandteil der Ausbildung. Die Chance, diese im Anschluss an die Ausbildung ohne größere Probleme zu bestehen, ist aber groß.

Unabhängig von der gewählten Spezialisierung sind die Ausbildungsinhalte im ersten Jahr für alle angehenden Fachkräfte für Metalltechnik gleich. Auf dem Stundenplan stehen in dieser Zeit metalltechnische Kernqualifikationen, wobei auf das Herstellen von Bauteilen, deren Montage und Demontage der mit Abstand größte zeitliche Anteil entfällt. Nach erfolgreich absolvierter Zwischenprüfung stehen im zweiten Ausbildungsjahr dann fachrichtungsspezifische Inhalte im Mittelpunkt.

Was den neuen Ausbildungsberuf jedoch in erster Linie auszeichnet, ist sein Konzept, bei dem das praktische Lernen im Mittelpunkt steht. So sind im ersten Ausbildungshalbjahr zwei Berufsschultage pro Woche eingeplant, im Anschluss jedoch nur noch einer. Das gibt Jugendlichen mit überwiegend handwerklichem Talent die Chance auf eine Berufsausbildung, die im Anschluss weitere Karriereoptionen eröffnet.

Unter anderem auch deshalb, weil sich die Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik auf andere, dreieinhalbjährige industrielle Ausbildungsberufe anrechnen lässt. In der Fachrichtung Konstruktionstechnik stehen außerdem vielfältige Karrieremöglichkeiten in der Fügetechnik offen. Ausgangspunkt dafür ist einer bestande Schweißerprüfung nach DIN EN SIO 9609-1.

Wer sich für eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik interessiert, sollte neben handwerklichem Geschick auch einige andere Fähigkeiten mitbringen, um die zwei Ausbildungsjahre erfolgreich abschließen zu können: Technisches Interesse und Verständnis, räumliches Denken, feinmotorische Fähigkeiten und Genauigkeit sind besonders hilfreich. Aber auch mit Lern- und Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit und einer guter Problemlösefähigkeit lässt sich punkten.

ÜBERALL ÜBERZEUGEND

Der DVS – Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e. V. – arbeitet mit einer neuen Kampagne, die die vielfachen Erscheinungsformen von Fügetechnik imAlltag darstellt. So lautet auch das Motto ›Fügetechnik. Überall. Überzeugend.‹, das dieFachwelt, aber auch gerade diejenigen ansprechen soll, die mit Fügetechnik wenig zutun haben. Daher zeigt die Kampagne Motive aus dem Alltag: Ob Motorrad, Einkaufswagenoder Sony-Center – das sind nur drei Beispiele, in denen das Fügen, Trennen und Beschichten eine Rolle spielt.

Auf der Weltleitmesse Schweiss en & Schneiden im September 2013 beeindrucktenzum ersten Mal die großflächigen Kampagnen-Poster. Die Motive zeigen, dass ohne Fügetechnikviele gewohnte Gegenstände oder Gebäude gar nicht denkbar wären. So regt ›Fügetechnik. Überall. Überzeugend.‹ auch den Betrachter zum Nachdenken an: An welcher Stelle wird an einem Motorrad gefügt? Was hat ein Einkaufswagen mit Fügen,Trennen, Beschichten zu tun? Auch wenn nicht jeder die entsprechenden Fügetechniken erkennt, die großen, eindrucksvollen Kampagnen-Motive sind auf jeden Fall ein Hingucker.

Die Poster zur Kampagne ›Fügetechnik. Überall. Überzeugend.‹ stehen Interessenten auf der Homepage des DVS in Druckqualität und zur Darstellung im Internet zum Download bereit.

Erschienen in Ausgabe: 02/2014