Der Laser macht die Musik

Fokus/Laser

Der Musikinstrumentenbau ist vielfach noch durch Handarbeit geprägt. Die weltbekannte Kolberg Percussion GmbH setzt nun beim Materialzuschnitt auf die ›Combi‹ der Stiefelmayer-Lasertechnik GmbH und kann so die Qualität der Zuschnitte steigern.

07. Dezember 2010

Musik begleitete den Menschen schon in grauer Vorzeit. Die ersten dokumentierten Musikinstrumente waren Flöten, die aus Knochen geschnitzt wurden. Ein solches Instrument aus Geierknochen ist im Jahre 2009 in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb aufgefunden worden. Das Alter dieses außergewöhnlichen Fundes konnte auf 35000 Jahre datiert werden.

Im Laufe der Jahrtausende ersann der Mensch immer mehr Instrumente, mit denen er Luft in Schwingungen versetzte, um musikalischen Klang zu erzeugen. Ob Knochen, Hirschhorn oder Baumstumpf, immer mehr Materialien wurden als Resonanzkörper entdeckt, um Musik zu machen. Anlässe dazu gab es viele, denn Töne dienten der Untermalung von rituellen Handlungen, der Nachrichtenübermittlung über große Strecken, oder im Kriegsfall der Einschüchterung des Gegners. Mit den Trompeten von Jericho sollen gar ganze Mauern zum Einsturz gebracht worden sein, was nach heutigem Kenntnisstand aber eine Legende ist, denn Jericho war zur fraglichen Zeit eine Ruinenstadt.

Die Erzeugung von Musik zur Unterhaltung ist der Hauptzweck von Musikinstrumenten. Das ständige Streben nach dem perfekten Klang hat eine leistungsfähige Musikinstrumentenindustrie hervorgebracht, deren Erzeugnisse Millionen Menschen auf Konzerten oder anderen Veranstaltungen erfreuen. Das Unternehmen Kolberg ist ganz vorne zu finden, wenn sich Spitzenspieler für Trommeln, Pauken, Becken, Schellen, Marimbas, Celestas, Orchesterstühle, Dirigentenpulte oder Notenständer interessieren. Selbstverständlich werden dazu passende ›Cases‹ produziert, um dem Musiker die Möglichkeit zu geben, seine teuren Instrumente optimal aufzubewahren und sorgenfrei die Welt zu bereisen.

Dem rührigen Unternehmen, das seinen Stammsitz im baden-württembergischen Uhingen im Filstal hat, ist es gelungen, handwerkliche Spitzenklasse mit modernster Produktionstechnik zu kombinieren. Moderne CNC-Metallbearbeitungsmaschinen sind in den Produktionshallen ebenso zu finden wie Stoffnähmaschinen oder Treibwerkzeuge. Kolberg beschäftigt ausschließlich Fachkräfte, die auf mehreren Handwerksgebieten zu Hause sind, selbst ein Musikinstrument spielen und in ihrer Freizeit diesem Hobby nachgehen. Dies rechtfertigt die extrem hohe Fertigungstiefe, die es Kolberg erlaubt, seine hochwertigen Erzeugnisse mit bester Qualität zu absolut wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Kein Wunder, dass sich die Kundenliste wie das ›Who is Who‹ der Musikwelt liest. Das Berliner Philharmonische Orchester ist dort ebenso zu finden wie die Wiener Symphoniker oder die New Yorker Metropolitan Opera. Alles, was in der Musikszene Rang und Namen hat, wurde und wird von Kolberg umfassend ausgestattet und betreut.

Das Kolberg-Modell ist ein klarer Beleg dafür, dass für Unternehmen mit hoher Fertigungstiefe und hochwertigem Produktspektrum ein umfassend ausgebildetes Personal ein Muss ist. Modulsysteme, Grundlage für den Bachelor und Master und auch in der Facharbeiterausbildung angedacht, würden wohl mittelfristig das Gegenteil für Unternehmen mit Anspruch bewirken.

Kolbergs Streben nach Perfektion im Musikinstrumenten- und Sitzmöbelbau führte dazu, dass das Unternehmen im Januar 2010 für einen Teil seines Produktportfolios den Zuschnitt für das benötige Rohr- und Flachmaterial von spanenden Verfahren auf modernen Laserzuschnitt umstellte. Für diesen Zweck fand man bei der Stiefelmayer-Lasertechnik GmbH das richtige Equipment. Denn Stiefelmayer hat eine Neuheit zu bieten: die ›Combi‹. Diese Innovation ist in der Lage, ohne Umbau sowohl Flach- als auch Rohrmaterial exakt und rasch zu bearbeiten.

Dazu Martin Spielvogel, Leiter des Technischen Büros der Kolberg Percussion GmbH: »Wir haben beispielsweise die Rundungen der Querstreben für unsere hochwertigen Konzertstühle früher gestanzt. Diese Lösung hatte jedoch zur Folge, dass das Rohr verformt wird und zudem ein Grat entsteht, der dann zeitaufwendig zu entfernen war. Heute haben wir diese Mängel nicht mehr, da die auf der Stiefelmayer Combi mit dem Laser geschnittenen Teile absolut exakt, unverformt und ohne Grat aus der Maschine kommen.«

Die Rohr-Zuführanlage der Lasermaschine erlaubt es, 6 m lange Rohre zu verarbeiten, sodass die Anlage längere Zeit unbeaufsichtigt ihr Werk verrichten kann. Über die von Stiefelmayer speziell angepasste Oberfläche der Siemens-840D-Steuerung kann festgelegt werden, dass die Maschine entweder nach einer bestimmten Stückzahl oder nach Verarbeitung der ganzen Rohrstange die Bearbeitung stoppt. Da Kolberg mehrere CNC-Maschinen im Einsatz hat, wird ein CAM-System genutzt, um den Maschinenpark rasch mit den notwendigen CNC-Programmen zu versorgen. Insbesondere komplizierte Konturen werden per Peps-Programmiersystem von Camtek erzeugt. Via Postprozessorlauf wird so aus den CAD-Daten ein NC-Programm für die Stiefelmayer Combi. Um Kollisionen sicher auszuschließen, wird per Peps eine Simulation durchgeführt und zudem die Fertigungszeit für die herzustellenden Teile ermittelt. Auf diese Weise kann eine fundierte Kalkulation der Teilekosten erfolgen.

»Natürlich können wir die Lasermaschine mit unserem Produktspektrum und unseren Stückzahlen nicht auslasten. Deshalb bieten wir unsere Leistungen auch externen Auftraggebern an, für die wir beispielsweise ausgefallene KFZ-Auspuffrohre herstellen. Der Hauptgrund für den Kauf war für uns die unvergleichlich höhere Qualität der damit herzustellenden Teile, die zudem in wesentlich kürzerer Zeit der Weiterverarbeitung zugeführt werden können«, kommentiert Martin Spielvogel den Grund für den Kauf der Stiefelmayer Combi.

Dieter Bulling, Geschäftsführer der Stiefelmayer-Lasertechnik, ergänzt: »Unsere Combi ist ein absolutes Novum in ihrem Segment. Es gibt keine derart kompakte Maschine mit einem Verfahrbereich von 3000 mm x 2000 mm auf dem Markt, die es erlaubt, nach Wahl Rohre und Profile in den Dimensionen bis 120 mm x 6000 mm und Bleche bis 1500 mm x 3000 mm zu bearbeiten. Vergleichbare Maschinen vom Wettbewerb benötigen eine wesentlich größere Stellfläche und erfordern beim Wechsel von der Blechbearbeitung zur Rohr-/Profilbearbeitung aufwendige Umbauarbeiten.«

Mit der Entscheidung, in erster Linie die Qualität seiner Produkte zu steigern, hat sich Bernhard Kolberg, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, als weitsichtiger Stratege geoutet, der vermeidbaren unternehmerischen Risiken kein Forum bietet. Werden doch in der Regel derartige Investitionen entweder per Leasing oder Bankkredit finanziert. Bernhard Kolberg konnte sich die Maschine einfach leisten.

Hier zeigt sich, dass es sich auszahlt, fundierte Kaufmannsregeln zu beachten. Durch Schuldenfreiheit entfällt der Zwang, einen bestimmten Umsatzanteil alleine deshalb erzielen zu müssen, um die monatlich fixe Abgabe an den Gläubiger zu erwirtschaften. So wandert die andernfalls für fremde Kassen erwirtschaftete ›Zwangsabgabe‹ in die Kolberg-Bilanz. Dies sorgt für ruhigen Schlaf des Unternehmers und solides Wachstum des Unternehmens.

Die technischen Daten und Bearbeitungsmöglichkeiten der ›Combi‹ erlauben es Kolberg, viele Teile für das eigene Produktportfolio per Laser zu fertigen. Ehemals reine Blech- und Biegeteile werden heute fix und fertig aus einem Rohrprofil herausgearbeitet. Dadurch werden die Stückkosten reduziert und die Teilequalität gesteigert.

Der CO2-Laser mit 3 kW Leistung, der von Rofin stammt, ermöglicht kräftige Schnitte in bis zu 16 mm dicke Baustahlbleche. Aluminium darf bis 6 mm und rostfreies Stahlbleche 10 mm dick sein. Der Schiebetisch der Flachbetteinheit ist zweigeteilt. Die Einzeltische mit den Maßen 1,5 x 1,5 m können bequem mit Resttafeln bestückt werden und die Teile entnommen werden, während auf dem anderen Tisch weitergearbeitet wird. Zur Bearbeitung einer Großformatplatine können die Tische auch gekoppelt werden. So wird die Maschinenstillstandszeit verhindert und Aufträge rasch abgearbeitet.

Natürlich hat Kolberg darauf geachtet, dass die Combi wirklich von nur einer Person bedient werden kann. Deshalb wurden für das Handling der Blechplatten ein mit Schubläden ausgestattetes Regalblechlager von Hegla sowie ein Handhabungssystem mit Vakuumsauger von Aerolift parallel zur Stiefelmayer Combi beschafft und installiert.

Überhaupt stecken in der Stiefelmayer Combi jede Menge Ideen, die dazu führen, dass neue Aufträge nur eine kurze Durchlaufzeit besitzen.

So ist die Maschine mit einem pneumatischen Zweibackenfutter von Stiefelmayer-Spanntechnik ausgestattet. Dieses Futter erlaubt es, den Spanndruck per CNC sehr feinfühlig zu justieren, um jede Beschädigung der teilweise empfindlichen Rohre auszuschließen. Ferner besitzt das Futter Gewindebohrungen, in die Spannklauen aus Grobblech befestigt werden können. Diese werden per Flachlaser für jede Rohrprofilform rasch selbst erstellt. Diese Spannidee setzt sich bei der Führungsplatte und an der Stangenvorschubeinheit fort.

Es sind noch lange nicht alle Bearbeitungsmöglichkeiten ausgereizt, die die Stiefelmayer Combi bietet. Ähnlich wie bei anderen Maschinen, die mehrere Technologien in sich vereinen, zeigen sich neue Bearbeitungsideen erst nach einiger Zeit. Für Kolberg ist es gut zu wissen, dass noch jede Menge verborgene Talente in der Combi schlummern, um den künftigen Marktbedarf für Musikinstrumente und Zubehör zu decken.

»Uns gehen die Ideen nicht aus, wenn es darum geht, den Bedarf der Musiker auf der ganzen Welt zu decken. Irgendwann werden Geräte wie der iPod den Platz des Notenbuches einnehmen. Wir haben bereits Ideen für Produkte, die wir dann nicht zuletzt dank unserer Stiefelmayer Combi in kürzester Zeit und Top-Qualität am Markt anbieten können«, analysiert Martin Spielvogel zufrieden die künftigen Marktchancen von Kolberg.

Wolfgang Fottner

Erschienen in Ausgabe: 06/2010