„Der Auftragseingang für Biegemaschinen nimmt zu“

Interview mit Giancarlo Losma, Präsident von Ucimu-Sistemi Per Produrre, über den Biegemaschinensektor.

16. Juni 2011

Dank ihrer technischen Weiterentwicklung sind die Biegemaschinen nunmehr in der Lage, bei gleichen Kosten signifikante Vorteile in Bezug auf die Endbearbeitung des Produkts und die Materialbeständigkeit zu bieten. Sie machen rund 30 % des gesamten weltweiten Werkzeugmaschinenmarktes aus.

Die jüngsten Daten aus 2010 bestätigen für den Biegemaschinenbereich den im Werkzeugmaschinenbau insgesamt registrierten Aufschwung. Die Weltproduktion stieg nämlich um 17,2 % auf 13,5 Milliarden Euro an und eroberte so ein Gutteil des 2009 verlorenen Terrains zurück. Mit einem Anteil am Gesamtwert von 29,5 % steht nun China an der Spitze der Weltrangordnung, gefolgt von Deutschland und Italien, die für 16,1 % und 13,5 % verantwortlich sind.

Angesichts des Umfelds scheint Italien also gut aufgestellt zu sein ?

Abgesehen von den Zahlen, der Markt schätzt die von den Mitbewerbern im Ausland schwer nachzuahmende Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der italienischen Maschinenbauer. Das ist ein entscheidender Vorteil. Die italienische Industrie muss nämlich, um sich auf dem internationalen Markt zu behaupten, ihr Angebot gegenüber den wichtigsten Mitbewerbern stark differenzieren.

Ich denke da an die Deutschen, die aus technologischer Sicht und unter dem Support-Aspekt zweifellos stark sind. Die Italiener brauchen sich aber nicht daneben zu verstecken. Das sagen ja die Zahlen und das Echo auf den internationalen Märkten. Der eigentliche Faktor, der „Made in Italy“ von deutschen Erzeugnissen abgrenzt, ist die Produktionsweise: Die Deutschen sind erstklassige Lieferanten von Standardmaschinen, sie stehen für tadellose Qualität und rasche Lieferung, weil das Produkt in großen Mengen hergestellt wird.

Die Italiener bieten, entsprechend dem Innovationsniveau, maßgeschneiderte Lösungen – einen individuellen Zuschnitt des Angebots, der bislang aber auch längere Lieferfristen mit sich bringt und weshalb wir, die Hersteller des „Made in Italy“, wirklich alles daran setzen müssen, die „Time to Delivery“ nach Möglichkeit zu verkürzen.

Wir haben von der Rolle der italienischen Hersteller im internationalen Panorama gesprochen, also von der Angebotsseite. Kommen wir nun zu der Rolle des Marktes Italien für den Biegetechnikbereich.

Italien spielt auch in der Weltrangliste des Verbrauchs von biegetechnischen Anlagen eine führende Rolle: Hinter China, das mit einem Konsum von über 3,5 Milliarden Euro 35,6 % des weltweiten Gesamtkonsums bestreitet, kommen gleich Deutschland und Italien, die sich Rang zwei auf der Rangliste mit einem Anteil von 9,8 % und 9,2 % streitig machen. Klar also, dass Italien einen ebenso interessanten und lebendigen Markt darstellt wie Deutschland, mit großem Vorsprung vor Verfolgern wie Südkorea, den USA, Brasilien oder Russland.

Und trotz der vorhandenen Fähigkeit der italienischen Hersteller, auf dem Inlandsmarkt den Ton anzugeben, bietet die Stärke der von den italienischen Anwendern herrührenden Nachfrage auch ausländischen Herstellern interessante Chancen, und die versäumen natürlich nicht die Teilnahme an der „Lamiera“, der Referenzmesse für die Akteure der Branche.

Wie stehen die Deutschen auf dem italienischen Biegetechnikmarkt da?

Wenn man sich die Rangliste der italienischen Importe von Werkzeugmaschinen ansieht, nehmen die deutschen Hersteller den ersten Platz ein, und zwar mit einem Anteil von 26,1% am Gesamtimport.

Insbesondere 2010 haben die Maschinen „Made in Germany“ einen Wert von 48,1 Millionen Euro erreicht, was einem Zuwachs um 21,1 % gegenüber 2009 entspricht. Das Interesse der Deutschen am Italienischen zeigt sich auf der anderen Seite auch an der Teilnahme an der Lamiera. Auf der Messe 2010 war Deutschland mit 43 Marken vertreten. Die absolut gesehen größte Ausstellungsfläche der ganzen Messeveranstaltung wurde von Trumpf gebucht.

Herr Präsident Losma, können Sie uns mit Blick auf die kommende Lamiera eine Voreinschätzung geben?

Italien hat in der Lamiera eine der qualifiziertesten internationalen Fachmessen – ganz entsprechend der Rolle, die das Land auf der Bühne des Weltmarktes spielt, den wir ja vorhin analysiert haben. Nun rückt also die sechzehnte Auflage der Messeveranstaltung heran, die von 9. bis 12. Mai 2012 im Messequartier der „Fiera Bologna“ auf dem Programm steht. Gefördert von Ucimu–Sistemi per Produrre, dem Verband der italienischen Hersteller von Werkzeugmaschinen, Robotern und Automation, wird sie vom Ceu-Centro Esposizioni Ucimu organisiert. Die Lamiera bietet im Zweijahresrhythmus eine umfassende Leistungsschau des weltweit hochwertigsten Branchenangebots der Biegetechnik und gibt Herstellern und Anwendern eine unbezahlbare Gelegenheit zu Begegnungen, Vergleichen und Feedback, auch dank eines erlesenen und reichhaltigen Konferenzprogramms.

Auch 2012 findet zeitgleich die „Lambda“ statt, die dazu gedacht ist, die Begegnung der Welt der Universitäten und der Forschung mit jener der Industrie zu fördern.

Die Lamiera positioniert sich daher als Referenzpunkt für die Akteure der gesamten Herstellerindustrie und lässt ihren Ausstellern die Aufmerksamkeit aller Anwenderbereiche zukommen: von den traditionellen mit langem Bestand (Mechanik, Transport, Haushaltsgeräte, Wartung) bis zu in Entwicklung begriffenen Bereichen (Energie, Umwelt, Elektronik, Biomedizin).

Was sind die tragenden Säulen der Lamiera, die sich als internationale Fachmesse präsentiert, um die nationalen Grenzen zu verlassen?

Die Vielfalt der Segmente und das qualifizierte Profil der Akteure sind die Merkmale, die das Besucherspektrum der Messe besonders auszeichnen. Nach einer am Ende der Veranstaltung 2010 durchgeführten Umfrage waren 82 % der Besucher tatsächlich direkt in die Kaufentscheidungen ihrer Unternehmen eingebunden und hatten Funktionen in den Bereichen Management (26 %), Produktion (25,3 %), Einkauf (16,4 %), Forschung und Entwicklung (12,7 %), Engineering (12,6 %) oder Wartung und Sicherheit (7 %).

Dazu kommt das Flair der Internationalität, das die Messe seit eh und je auszeichnet, wie es die die Zahlen von 2010 zeigen: 441 Unternehmen, davon 30 % aus dem Ausland, und über 18.000 Besucher aus 41 Ländern.

Deswegen konzentrieren sich die Bemühungen der Organisatoren auch auf eine verzweigte, engmaschige und effiziente Bewerbungstätigkeit mit dem Ziel, den Event – über die dafür geeignetsten Kommunikationswege und intensives Web-Marketing – mehr als 100.000 potenziellen Besuchern schmackhaft zu machen.