Défense de fumer!

Technik/Fügen

Wo geschweißt wird, entsteht Rauch: Mit einer zentralen Absauganlage von Engmar hat der französische Treppenbauer Ysofer die Raumluft in seiner Fertigung erheblich verbessert. Die integrierten Absaugbrenner saugen den Schweißrauch direkt an der Entstehungsquelle ab.

17. Oktober 2017
Ysofer nutzt zusätzlich zu einer zentralen Absauganlage die Absaugbrenner von Engmar mit Absaugung direkt am Schlauch. Im Vergleich ohne ... Bild: bbr
Bild 1: Défense de fumer! (Ysofer nutzt zusätzlich zu einer zentralen Absauganlage die Absaugbrenner von Engmar mit Absaugung direkt am Schlauch. Im Vergleich ohne ... Bild: bbr)

Der französische Hersteller Engmar hat ein breites Sortiment rund um Schweißrauchabsaugungen. Seine Besonderheit sind Absaugbrenner – Schweißpistolen mit einer integrierten Absaugung. Mit diesem Produkt ist Engmar groß geworden, nachdem es 1993 in einer Garage in Sourcieux-Les-Mines bei Lyon gegründet worden war.

Nach und nach sind weitere Produkte hinzugekommen, sodass Engmar 1997 von der Garage in eine Halle umziehen musste. Vergangenes Jahr ist Engmar erneut umgezogen, nach Saint-Romain-de-Popey, rund 30 Kilometer von Lyon entfernt. Im Unternehmen arbeiten derzeit 24 Mitarbeiter.

In den vergangenen zehn Jahren ist das Thema Gesundheitsschutz immer wichtiger geworden – und damit die Produkte von Engmar immer interessanter, so auch für den Treppenbauer Ysofer mit Sitz in Amplepuis in der Region Rhône-Alpes. Das mittelständische Unternehmen stellt maßgeschneiderte Treppen aus Metall und Holz her. »Jede Treppe wird bei uns individuell angefertigt. Selbst wenn zwei Häuser von außen gleich aussehen, gibt es innen Unterschiede«, erklärt Benjamin Gros, Einkaufsleiter von Ysofer.

Das Unternehmen hat seit der Gründung 1989 eine enorme Entwicklung gemacht, wie Benjamin Gros erzählt: »Aktuell sind hier 70 Mitarbeiter beschäftigt – vor 20 Jahren waren es noch zehn.« Seine Treppen liefert der Hersteller nur an französische Kunden. Gros: »Wir haben momentan einfach genug Aufträge innerhalb Frankreichs.« Pro Jahr verlassen zwischen 950 und 1.000 Treppen die zwei Werkstätten in Amplepuis und Saint-Victor. Hier wird so gut wie täglich geschweißt. Teilweise arbeiten acht Schweißer gleichzeitig, dabei entsteht jede Menge Schweißrauch.

Der Rauch enthält stark gesundheitsschädliche Staubpartikel, die über die Lungenbläschen ins Blut vordringen können. Daher muss er abgesaugt und gefiltert werden. Bei Ysofer benutzte man dafür ursprünglich Absaugarme. »Allerdings«, so Benjamin Gros, »war das für unsere Anwendung die falsche Lösung.« Das Problem bei Treppen sei, dass der Werker über große Längen und auch in der Höhe schweißen müsse. Den Absaugarm müsse er nachführen. »Das hat fast keiner unserer Schweißer gemacht. Da fehlt die dritte Hand«, betont Gros. Deshalb hat Ysofer nach einer neuen Lösung gesucht. In die engere Auswahl kamen Engmar und ein Wettbewerber. Nach der Testphase und einem Gespräch mit dem befreundeten Treppenbauer Schaffner im Elsass hat sich Ysofer für eine zentrale Hochvakuumanlage von Engmar entschieden. Schaffner hatte die zentrale Absauganlage bereits länger eingesetzt und war sehr zufrieden damit. »Das war für mich der ausschlaggebende Punkt«, sagt Gros.

Versuch überzeugt alle

Juliane Osmont, verantwortlich für Marketing & Export bei Engmar, erinnert sich an einen Versuch, der auch die Schweißer überzeugt hat: »Wir haben ein weißes Stück Stoff vor das Absaugrohr gehalten – bei einer fünf Zentimeter langen Schweißnaht ist der Fleck auf dem Tuch schwarz. Das hat alle schockiert.«

Die Hochvakuumanlage besteht aus einem zentralen Absaugsystem und mehreren Absaugbrennern. Der Vorteil: Die Anlage muss nur an einer Stelle gewartet werden. Eine solche Anlage wird immer kundenspezifisch angepasst, »denn jeder Kunde hat eine unterschiedlich große Halle mit unterschiedlich vielen Schweißarbeitsplätzen. Ab fünf Arbeitsplätzen kann sich die Lösung je nach Anwendung lohnen«, verrät Juliane Osmont.

In Amplepuis gibt es 16 Schweißarbeitsplätze. »Aber natürlich sind nie alle gleichzeitig belegt«, so Osmont. Entscheidend ist, wie viele Schweißplätze maximal gleichzeitig besetzt sind und wie lang das Leitungssystem sein muss. Als vor zwei Jahren der Standort in Amplepuis mit einer zentralen Absauganlage ausgestattet wurde, schauten sich die Techniker von Engmar die Produktion vor Ort an, um die Anlage an die speziellen Gegebenheiten anzupassen. Die Anlage in Amplepuis ist für acht gleichzeitig betriebene Arbeitsplätze ausgelegt. Der Minimalwert entspricht der Arbeit mit einem Brenner, der Maximalwert der Arbeit mit acht Brennern. Ein Sensor in der Anlage misst den Druck und sorgt dafür, dass im Rohrleitungssystem immer gleichbleibender Druck herrscht.

»Wenn ein weiterer Schweißer zu arbeiten beginnt, sinkt der Druck. Der Sensor nimmt das wahr, der Frequenzumrichter veranlasst die Turbine, sich schneller zu drehen und der Druck gleicht sich wieder an den Zielwert an«, erläutert Pierre Gauthier, Produktmanager bei Engmar. So wird an jedem Platz dieselbe Leistung garantiert.

Der Filter aus Polyurethan wird in der Anlage automatisch gereinigt. Die Mitarbeiter bei Ysofer müssen nur einen Behälter leeren und alle drei Jahre den Filter wechseln. Die jährliche Wartung übernimmt Engmar.

»Für die Schweißer war das damals eine Umstellung, aber mittlerweile arbeiten sie gern mit der Absaugung«, sagt Benjamin Gros. »Als wir gesehen haben, dass unsere Mitarbeiter gut mit dem System klarkommen, haben wir auch die zweite Werkstatt damit ausgestattet.« Die zweite Hochvakuumanlage mit 13 Anschlüssen wurde vor einem Jahr in Saint-Victor in Betrieb genommen.

Bis vor vier Jahren hatte Engmar nur Kunden in Frankreich. Mittlerweile vertreibt das Unternehmen seine Schweißrauchlösungen über Händler auch in Deutschland, Polen und der Schweiz. »Hier gibt es großes Potenzial, aber wir müssen unsere Produkte an die jeweiligen Märkte anpassen«, betont Julien Cheere, Geschäftsführer von Engmar. Der Grund: Die Gesetzgebung ist von Land zu Land unterschiedlich. Über allem steht die europäische Gesetzgebung, die muss mindestens eingehalten werden. Darunter kann jedes Land eigenständig auch strengere Gesetze erlassen.

In Frankreich muss der Schweißrauch abgesaugt, gefiltert und dann nach draußen abgeführt werden. In Deutschland wird der Schweißrauch abgesaugt, gefiltert und wieder in die Raumluft abgegeben – üblicherweise werden dazu Niedervakuumlösungen wie Absaugarme verwendet. Das Problem an diesen Lösungen: Sie sind von der Entstehungsquelle des Schweißrauchs weit entfernt – und der Kopf des Schweißers befindet sich zwischen Schweißpistole und Absaugung.

Niedervakuum bietet sich an festen Arbeitsplätzen mit kleinen Werkstücken an – denn dann muss man nicht ständig den Absaugarm umpositionieren. Niedervakuum kann auch dann gut sein, wenn zwischen MIG/MAG und WIG gewechselt wird. Hochvakuum dagegen ist für große Bauteile und bei beschränkter Zugänglichkeit besser geeignet sowie für Arbeitsplätze, wo der Schweißer immer an derselben Stelle bleibt. Per Hochvakuum wird der schädliche Schweißrauch immer nah an der Entstehungsquelle abgesaugt. So hat er kaum Zeit, sich auszubreiten. Freilich muss die Absaugung ins Arbeitsmittel integriert werden. »Und das ist nicht immer möglich«, bedauert Juliane Osmont.

In Deutschland sind heute fast nur Niedervakuumabsaugungen gängig; Schweißpistolen mit integrierter Absaugung gelten nach wie vor als zu groß, schwer und klobig. »Es gibt aber auch deutsche Anbieter von Schweißpistolen, die Absaugbrenner anbieten«, so Juliane Osmont. »Als der Gesundheitsschutz brisant wurde, wurde hier ein Standardbrenner um eine Absaugung erweitert.« Juliane Osmont: »Im Endeffekt geht man immer einen Kompromiss zwischen Produktivität und Sicherheit ein.«

Absaugung schon immer integriert

Engmar dagegen hat noch nie Schweißpistolen ohne Absaugung hergestellt. Die Absaugung wurde von Anfang an berücksichtigt. Die gesamte Schweißpistole ist so geplant, dass sie so wenig Platz wie möglich einnimmt: Die Absaugung sitzt direkt hinter der Gasdüse im Brenner und das Schlauchpaket ist flexibel. Dadurch ist die Bauteilezugänglichkeit sehr gut und der Schweißer kommt überall hin. Die Absaugbrenner kann Engmar an jede Anwendung anpassen. »Im Vergleich zu Absaugbrennern müssen Absaugarme das 20-Fache an Luft absaugen«, betont Juliane Osmont.

Der Staubgrenzwert der recycelten Luft in Deutschland liegt aktuell bei 3,0 Milligramm pro Kubikmeter. Bis Ende nächsten Jahres wird dieser Wert auf 1,25 Milligramm pro Kubikmeter gesenkt. Das sei knackig, meint Juliane Osmont: »Zu schaffen ist die Einhaltung der Grenzwerte nur, wenn sich Punktabsaugungen und Raumlüftungen ergänzen. Darauf wird es in Zukunft hinauslaufen.«

Hedwig Unterhitzenberger

NEUHEITEN 2017

Zur Schweissen & Schneiden 2017 stellte Engmar einen Komplettkatalog und eine neue ergonomische Griffschale vor. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat die neue Griffschale ein Rädchen integriert. Damit kann der Schweißer den Absaugdruck an sehr engen Stellen regulieren, damit das Schutzgas nicht abgesaugt wird.Zum Jahresende bringt Engmar auch ein neues Absauggerät auf den Markt. Das Gerät zur Luftrückführung in den Innenraum wird eine automatische Filterreinigung enthalten. So kommt der Schweißer bei der Reinigung nicht mit den abgesaugten, gesundheitsschädlichen Partikeln in Berührung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2017