Das schmierige Geschäft mit dem Öl

Hofmanns Erwägungen

»So lange SUVs boomen, aber ›3-l-Autos‹ floppen, kann der Spritpreis noch nicht so schlimm sein.«

16. April 2012

Es ist doch zum Haare raufen: Der Benzinpreis geht mal wieder auf Rekordjagd, mitten in der Ferienzeit. Die Begründungen seitens der Mineralölkonzerne sind der gestiegene Preis für Rohöl, der schwächelnde Euro und natürlich die exorbitante Besteuerung ihrer Produkte.

Das alles ist sicherlich richtig, aber woher kommen dann die Preissprünge zu den Hauptverkehrszeiten, am Wochenende und zu Ferienbeginn? Warum verliert der Verbraucher immer im Benzinpreislotto, weil die Preise stets dann am höchsten sind, wenn er unbedingt tanken muss? Fragt man einen Mineralöl-Funktionär, fällt die Antwort auf dieses Rätsel meist ebenso schwer verständlich wie scheinheilig aus. Andere seien schuld, die bösen Raffinerien, die dekadenten Ölscheichs, die raffgierigen Spekulanten an den Rohstoffbörsen und vor allem Vater Staat, der durch seine horrenden Steuern ihre Produkte so teuer mache.

Keine Frage, jeder in dieser Kette verdient gutes Geld durch unsere Sucht nach dem schwarzen Gold, aber am meisten profitieren die Mineralölkonzerne selbst von den Schwankungen der Spritpreise. Auch wenn sie eventuell nicht allein dafür verantwortlich sind, so ist es doch verblüffend, dass sich höhere Rohölpreise sofort in steigenden Preisen für Benzin und Diesel bemerkbar machen, sinkende Rohölpreise sich aber mit dem Hinweis auf langfristige Lieferverträge mit den Raffinerien erst stark verzögert niederschlagen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie bestätigt den Verdacht, dass sich die Ölkonzerne auf Kosten der Autofahrer die Taschen füllen. Seit Jahren kritisiert das Bundeskartellamt das Gebaren der Konzerne. Dass der Gesetzgeber das ›blinde Verständnis‹ der Ölkonzerne untereinander zwar lautstark kritisiert, aber bis heute noch nichts unternommen hat, mag daran liegen, dass der Staat an den hohen Spritpreisen fleißig mitverdient.

Und so ächzt der deutsche Autofahrer unter dem Durst seines liebsten Kindes und schreit um Hilfe. Kein Wunder, dass unsere angeschlagene Steuersenkungspartei versucht, mit Placebos wie einer Erhöhung der Pendlerpauschale auf Stimmenfang zu gehen. Doch dass eine Senkung des Steueranteils am Benzinpreis nicht die Lösung sein kann, sieht man bei einem Blick über den großen Teich. Dort kostet ein Liter Benzin knapp halb so viel wie in Deutschland, und trotzdem beschwert sich kaum jemand so laut über den steigenden Spritpreis wie die US-Amerikaner.

Ich weiß, dass ich dem Teil der Bevölkerung Unrecht tue, der wirklich unter den hohen Spritpreisen leidet, aber ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass ein Großteil der westlichen Bevölkerung angesichts der ungewohnten Zahlen an der Zapfsäule automatisch mit einem Jammer-Reflex reagiert. Denn solange Allrad-getriebene Geländewägen und übermotorisierte Luxuslimousinen in den Zulassungsstatistiken ganz oben stehen, während sparsame Drei-Liter-Autos beim Verbraucher floppen, kann es für die meisten noch nicht wirklich schlimm sein.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012