Das "Projekt Colorado"

High-tech-Komponenten als Gemeinschaftsaufgabe

Der Beginn des Projektes Colorado geht auf die Entscheidung der Volkswagen AG und Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG zurück, in dem wachsenden Markt der Sport Utility Vehicles (SUV) mit eigenen Modellen vertreten zu sein. Beide Unternehmen entschlossen sich, auf Basis einer gemeinsamen Plattform jeweils markenspezifische Fahrzeuge in diesem Segment anzubieten. Das Gemeinschaftsprojekt der beiden Automobilfirmen startete unter dem Projektnamen „Colorado“; die Fahrzeugnamen der beiden Modelle lauten Volkswagen Touareg und Porsche Cayenne.

06. Dezember 2003

Obwohl beide Fahrzeuge in den meisten Kriterien eigenständige Modelle sind, weisen vor allem die Karosserien einen hohen Anteil an Gleichteilen auf. Die Wahl für den Produktionsstandort des Karosseriebaus beider Modelle sowie der Lackierung fiel auf das Volkswagen-Werk Bratislava. Die Endmontage des Volkswagen Touareg erfolgt ebenfalls in Bratislava, der Porsche Cayenne hingegen wird in Leipzig montiert. Die Fahrzeuge stellen aufgrund ihrer geforderten technologischen Performance im Fahrbetrieb sehr hohe Anforderungen an die Konstruktion und Auswahl der Werkstoffe. Daher werden insbesondere im Bereich der Rohkarosserie Tailored Blanks in Verbindung mit hochfesten Stahlqualitäten der neuesten Generation eingesetzt. Das Umformen und Fügen von derartigen Materialien erfordern ein Höchstmaß an Know-how und Kompetenz. Für Volkswagen und Porsche kamen daher bei der Auswahl der Entwicklungspartner und Lieferanten der zentralen Schweißbaugruppen nur Unternehmen mit Erfahrung und Kompetenz auf diesem Gebiet in Frage.

Eigens ein Projektbüro eröffnet

Tower Automotive verfügt als „Full Service Supplier“ von der Entwicklung, der Preßteilefertigung bis hin zum Rohbau über alle geforderten Kompetenzen und war daher bei der Lieferantenauswahl erste Wahl. Aufgrund der Komplexität der Schweißbaugruppen und dem damit verbundenen hohen Logistikaufwand war ein weiteres wichtiges Kriterium die Nähe des Tower Automotive Standortes Malacky zum Volkswagen-Werk Bratislava. Für das Projektmanagement „Colorado“ wurde bei Tower Automotive ein eigens gebildetes Planungs- und Projektierungsbüro in Dresden eröffnet. Das Büro koordiniert sämtliche Colorado-Projektaktivitäten zwischen Volkswagen, Porsche und den europäischen Werken von Tower Automotive: Dazu gehören die gesamte Projektplanung und -steuerung, das Engineering, der Prototypenbau, die Fertigungsplanung, die Logistik, der Datentransfer sowie die Qualitätssicherung.

Neben dem Projektbüro Dresden und dem Werk Malacky als heutigem Produktionswerk der Schweißbaugruppen und Blechteile sind die Tower Automotive Standorte Bergisch Gladbach (D) durch die Herstellung und Lieferung der Betriebsmittel sowie Zwickau (D) und None (I) als Lieferant der großen Preßteile und einer Aluminiumbaugruppe ebenfalls eng in das Projekt mit eingebunden.

Umformspezialist für hochfeste Stähle

Als Zulieferer von zentralen Schweißbaugruppen für den Volkswagen Touareg und Porsche Cayenne übernimmt Tower Automotive einen bedeutenden Anteil des Rohbaus dieser Fahrzeuge. In Malacky werden für die Rohkarosse insgesamt 18 Baugruppen geschweißt, unter anderem die Längsträger vorn, Längsträger hinten, Verstärkung D-Säule und Abstützungen Kotflügelbank. Damit ist Tower Automotive einer der größten Lieferanten von Schweißbaugruppen für diese Modelle.

Innerhalb der Baugruppen werden Tailored Blanks aus höchstfesten Stählen aus DP600 und Dicken zwischen 1,5 und 2,75 mm eingesetzt. Aufgrund der hohen Festigkeit und speziellen Materialbeschaffenheit stellen diese Platinen außerordentlich hohe Anforderungen an die Werkzeuge und Pressen. Der Fertigungsprozeß der Einzelteile und Schweißbaugruppen wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, Porsche, ThyssenKrupp und Tower Automotive im Zuge von „Simultaneous Engineering“ geplant.

Durch die äußerst produktive Zusammenarbeit der Parteien ist es möglich, solch komplexe Baugruppen mit höchsten Verformungsgraden bei kleinsten Toleranzen prozeßsicher herzustellen. Tower Automotive liefert heute den größten Teil der insgesamt 124 Preßteile für die Schweißbaugruppen aus den Tower Automotive Werken Zwickau, Malacky und None. Im Bereich der Preßteilfertigung ist hierbei vor allem die 6-stufige Transferpresse von Müller Weingarten im Werk Zwickau hervorzuheben, die mit einer maximalen Pressenkraft von 37.000 kN über die geforderte Kraft für die Verformung dieser Tailored Blanks verfügt.

Sicher Schweißen

Die gesamten Schweißanlagen wurden gemeinsam von Tower Automotive, Expert, Motomann und ARO entwickelt, gebaut und installiert. Die Rohbaufertigung besteht aus zehn Schweißzellen mit insgesamt 33 Robotern. Geschweißt werden 18 verschiedene Baugruppen, unter anderem die Längsträger vorn und hinten, Verstärkung D-Säule und Abstützungen Kotflügelbank. Die geplante Produktionskapazität der Anlage liegt bei 150.000 Einheiten pro Jahr. Nach Vollendung werden die Teile direkt just-in-time an das Volkswagen-Werk Bratislava geliefert. Dazu sind rund 2.800 Spezialbehälter im Einsatz. Die Einzelteillogistik erfordert weitere 1.200 Spezialbehälter und circa 3.600 Gitterboxen. In Spitzenzeiten sind bis zu 35 Lastzüge täglich notwendig, um die Logistik zu bewältigen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003