Das Metallklett-Projekt

Der Kunststoffklettverschluss wurde Bereits in den 1950er-Jahren vom Schweizer Ingenieur und Erfinder George de Mestral erfunden. Jetzt soll eine metallische Variante deutscher Entwickler folgen.

03. Februar 2008

Eine metallische Klettverbindung, bestehend aus Haken und Ösen, hätte eine Fülle an Vorteilen. So etwa seine Temperaturbeständigkeit, Medienbeständigkeit, die einfache Montage und Demontage, die Lösbarkeit, die Wiederverwendbarkeit sowie zusätzliche Funktionen wie die Stoß- und Schalldämpfung. Dazu verfolgt der Forschungsverbund »Metaklett« (www.metaklett.de) einen innovativen Ansatz, um diese neuartige Fügetechnologie sowohl für den industriellen als auch für den handwerklichen Einsatz nutzbar zu machen.

Projektpartner

Die Projektpartner unter der Federführung der Reinz-Dichtungs-GmbH aus Neu-Ulm sind die Fa. Hölzel Stanz- und Feinwerktechnik GmbH & Co. KG aus Wildberg, die Fa. Koenig Verbindungstechnik GmbH aus Illerrieden sowie der Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen (utg) der Technischen Universität München. Metaklett wird vom Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe (PTKA), Bereich Produktion und Forschungstechnologie (PFT), betreut und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des Rahmenkonzeptes »Forschung für die Produktion von morgen« gefördert. Das Projekt Metaklett verfolgt den Ansatz, mindestens einen der beiden Fügepartner, Haken oder Öse, aus einem ebenen Blech herauszuformen.

Flamingos, Pilze und Entenköpfe

Die laufenden Untersuchungen beschäftigen sich zunächst mit drei möglichen Funktionsprinzipien: Flexibler Haken – starres Gegenstück (Entwicklungsname: Flamingo-Lochblech), starrer Haken – flexibles Gegenstück (Pilz-Gewebe) sowie flexibler Haken – flexibles Gegenstück (Entenkopf-Metallflausch). Variante 1, der Flamingo in Kombination mit einem Lochblech, ist zum einen so abgestimmt, dass durch die Flexibilität im Haken ein Fügen in das starre Lochblech ermöglicht wird. Zum anderen sind hierbei beide Fügepartner kostengünstig aus einem Blechstreifen herstellbar. Im Gegensatz zum Funktionskonzept des ursprünglichen Klettverschlusses erfordert der Flamingo jedoch ein relativ exaktes Positionieren vor dem Fügevorgang. Variante 2 besteht aus einem steifen, pilzförmigen Hakenelement und einem geometrisch definierten Metallgewebe, dessen Drähte untereinander nicht fest verbunden sind. Aus der Struktur des Gewebes ergibt sich die zum Fügen und Lösen nötige Flexibilität, die für die Kombination mit dem steifen Haken notwendig ist. In diesem Fall besteht ebenfalls die Möglichkeit, den Haken aus einem ebenen Blech herauszuformen. Das Metallgewebe als Gegenstück wird industriell in unterschiedlichen Abmaßen hergestellt und ist am Markt verfügbar. Wie bei der Geometrievariante Flamingo besteht auch hier der Bedarf einer Positionierung vor dem Fügen. Variante 3, Entenkopf/Flausch, beinhaltet zunächst sowohl im Haken als auch im Gegenstück einen flexiblen Anteil. Ebenso werden Versuche mit einem starren Haken durchgeführt. Das Gegenstück ist ein Gestrick bzw. zukünftig ein Vlies aus dünnen Stahldrähten. Dieses bildet die stochastische Struktur eines Kunststoffflausches im Vergleich zu den beiden anderen Varianten am besten ab. Die Struktur des Gestrickes ermöglicht es, in diesem Fall auf eine exakte Positionierung der Fügepartner zu verzichten und kommt in der Handhabung dem konventionellen Klettverschluss am nächsten. Die Hakenseite wird ebenso wie bei den beiden anderen Varianten aus einem Blechstreifen geformt. Dieser Fügepartner funktioniert bereits mit dem Kunststoffflausch als Gegenpart in hervorragender Weise. Die metallische Flauschvariante befindet sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und wird gerade in mehreren Varianten getestet. Für die Grundlagenuntersuchungen an allen Klett-Varianten ist der Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen utg der TU München, zuständig. Für die Fügepartner, die auf Basis der Blechumformung hergestellt werden, wurde von der Fa. Hölzel ein modular aufgebautes Versuchswerkzeug hergestellt, das den Beweis des seriennahen Einsatzes auf sogenannten Schnellläuferpressen bereits erbracht hat. Insofern ist es für potenzielle Anwender bereits möglich, »Meterware« für eigene Anwendungsversuche zu bekommen. Für die weitere Arbeit im Forschungsprojekt bis zum Abschluss im September 2008 ist schwerpunktmäßig die Optimierung des Konzeptes Entenkopf/Metallflausch vorgesehen. Zudem werden parallel zur weiteren Verbesserung der Geometrievarianten potenzielle Anwendungen für einen späteren Einsatz der Fügetechnologie untersucht.

Interessiert?

Interessenten gibt es bereits aus dem Klima- und Lüftungsbau, dem Gebäudeinnenausbau sowie aus der Automobilindustrie und dem allgemeinen Fahrzeugbau. Doch vielleicht haben Sie ja selbst schon eine ganz spezielle Anwendung im Visier? Dann setzen Sie sich einfach mit Herrn Höhe in Kontakt.

Erschienen in Ausgabe: 01/2008