Das Märchen vom Dornröschen

Irrtum!

Der Volksmund ist manchmal ganz schön locker – zumindest aus der Sicht der Fachwelt. »Keine Rose ohne Dornen« behauptet das Sprichwort. Aber stimmt das denn?

01. Juni 2010

Rosen, auch Heideröslein (gell, Johann Wolfgang, du alter Feger!), gelten unter anderem als Symbol für die Unschuld, und die gilt es zu verteidigen, weshalb die holde Weiblichkeit manchmal etwas kratzig ist und auch gerne mal stichelt. Müsste man deshalb das eine oder andere Exemplar nicht ›rosig‹ statt ›zickig‹ nennen? Nun, wir schweifen ab.

Aber nur ganz wenig: ›Keine Rose ohne Dornen‹ heißt es schließlich auch im übertragenen Sinne.

Richtig!

Wir wollen diese Behauptung jedoch wörtlich nehmen und fragen uns darüber hinaus: Wie viele Dornen hat so ein Rosenstrauch überhaupt? Blöde Frage? Ganz blöd? Nicht doch!

Die Antwort ist ganz einfach: Genau so viele, wie ein Stachelbeerstrauch Stacheln hat, nämlich 0 – in Worten: null. Häh? Nun: Rosen haben Stacheln und Stachelbeersträucher Dornen. Das ist das gleiche? Nie und nimmer: Dornen wachsen – wie Zweige – aus dem Holz, Stacheln – wie Blätter – auf der Rinde. Also müsste das Grimm"sche Märchen Stachelröschen heißen statt Dornröschen.

Aber was interessiert das alles, wenn man sich so richtig satt gestochen hat?

Erschienen in Ausgabe: 03/2010