(Das) Krisenfest

Titel

Auch an Trumpf gehe die Krise nicht vorbei, doch man spüre sie weniger als andere, hörte man auf den Innovationstagen. Entwicklung und Vertrieb, die eng zusammenarbeiten, machen ohnehin keine Pause.

27. Mai 2009

»Innovationen, die sich rechnen« standen im Mittelpunkt der Trumpf-Innovationstage in Ditzingen. Dabei ging es um die Frage, welche Innovationen den Anwendern in wirtschaftlich schwierigen Zeiten entscheidende Vorteile im Wettbewerb sichern können. In lebhaft und anschaulich geführten Themendialogen konnten Interessierte nachvollziehen, wie die neuesten Entwicklungen von Trumpf Teilekosten senken, Geschäftsfelder erweitern und die Produktqualität steigern können.

Finanzierung inklusive

Anhand Beispielrechnungen wurden Lösungen aufgezeigt für zentrale Anforderungen wie Betriebskosten sparen, Nebenzeiten reduzieren, Nacharbeit vermeiden oder Fertigungsplanung optimieren. Zudem bestand Gelegenheit, sich über die Service-, Leasing- und Finanzierungsangebote von Trumpf zu informieren. Schon heute werden 30 Prozent aller von Trumpf im Inland verkauften Maschinen über die eigene Leasing-Gesellschaft finanziert.

Trumpf hat bereits Ende letzten Jahres in allen Geschäftsfeldern eine Produktoffensive gestartet, die mit den Innovationstagen ihre Fortsetzung fand. Das Motto der Euroblech ›Powering Innovation‹ wurde so auf eine konkrete und praxisnahe Ebene gebracht. Das Ziel: Den Anwendern in der Blechbearbeitung Lösungen anbieten, die sie zu außergewöhnlichen Leistungen in ihrem Marktsegment befähigen.

Wirtschaftlichkeit im Brennpunkt

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die ›wirtschaftlichste Kombibearbeitung aller Zeiten‹ – ein Motto, das insofern nicht ganz wörtlich zu nehmen ist, als Trumpf sicher schon in naher Zukunft weitere erhebliche technische und ökonomische Fortschritte erzielen wird. Einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen Blechbearbeitung ermöglicht die ›aktive Matrize‹. Diese neue Option ist verfügbar auf der Stanzmaschine ›Tru Punch 5000‹ und der erst kürzlich eingeführten Stanz-Laser-Kombimaschine ›TruMatic 7000‹. Die aktive Matrize ermöglicht nicht nur größere und höhere Umformungen mit völlig neuen Werkzeugen, sondern vor allem einen kratzerfreien Fertigungsprozess. Unterhalb des Arbeitstisches eingebaut und in der Höhe regulierbar, arbeitet die aktive Matrize wie ein zweiter Stanzkopf von unten. Wird Blech auf der Maschine positioniert oder bewegt, kann sie programmgesteuert gesenkt werden und berührt die Unterseite der Tafel nicht. Auf diese Weise lassen sich zeitaufwendige Nacharbeiten einsparen. Die Trumpf-Experten machten das anhand einer Beispielrechnung deutlich: Eine Gehäuseabdeckung aus gebürstetem Edelstahl darf, da sie im Sichtbereich verwendet wird, keine Kratzer aufweisen. Setzt man die aktive Matrize ein, so ist die Bearbeitungszeit pro Werkstück zwar etwas länger – im vorliegenden Fall 1:22 Minuten anstelle 1:08. Doch da im Nachgang keinerlei Polierarbeiten nötig sind, die pro Teil etwa drei Minuten in Anspruch nähmen, kann ein kompletter Arbeitsschritt entfallen. »Das senkt die Kosten um etwa 16 Prozent – in unserem Beispiel sind das gut 16.000 Euro im Jahr für 10.000 Stück«, erläuterte der Trumpf-Stanzexperte Alexander Schmitt.

Deutlich geringere Haupt- und Nebenzeiten.

Beeindruckt zeigten sich viele Besucher außerdem von der neuen Generation der Laserflachbettmaschine ›TruLaser 3030 neu‹: Sie ist noch leistungsstärker, sparsamer und schneller als das Vorgängermodell. Die Maschine ist mit drei verschiedenen Laserleistungen erhältlich (5 sowie 4 und 3,2 kW). Neben vielen anderen Verbesserungen fallen vor allem die deutlich niedrigeren Nebenzeiten auf. So arbeitet sie mit nur einem Schneidkopf. Eine variable Spiegeltechnik passt den Durchmesser des Laserstrahls an, sodass die Brennweite unverändert bleiben kann. Doch nicht nur der Wegfall der Schneidkopfwechsel spart enorm Zeit im Trumpf Rechenbeispiel (Zweischichtbetrieb) geht es um mehr als 110 Stunden im Jahr. »Auch der neue automatische Düsenwechsler schreibt fast 150 Stunden auf dem Zeitsparkonto gut. Wird dann noch der ganzheitliche Wartungsansatz in die Rechnung einbezogen, der sich durch gebündelte Wartungsintervalle, einen zentralen Servicepunkt an der Maschine sowie bessere Kennzeichnung, Zugänglichkeit und Reinigungsfreundlichkeit auszeichnet, kommt eine schöne Summe zusammen: pro Jahr knapp 360 Stunden oder 35 Prozent Nebenzeiten«, so Eberhard Wahl, Produktmanager 2D-Laserschneiden bei Trumpf. Der entsprechende Schneidkopf in der ›TruMatic 7000‹ kann zudem in einem 52-mm-Radius verfahren, was die Tischbewegungen deutlich reduziert, die Mechanik schont und die Bearbeitung beschleunigt. Die Steuerung übernimmt eine Kombination der CNCs ›IndraMotion MTX‹ und ›IndraMotion MLD‹ von Bosch Rexroth. Auch um das Thema Ausschleusen kümmerten sich die Trumpf-Entwickler: Abfallstücke können einfach zerschnitten und über die Lasermatrize ( 52 mm Durchmesser) entsorgt werden; eine zweiteilige ›Laserklappe‹ beschleunigt das Auschleusen der bis 500 mm x 500 mm großen Werkstücke aus dem Arbeitsbereich innerhalb einer Sekunde. Die Klappe hinterlässt keine Kratzer auf dem Werkstück.

Neu ist wirtschaftlicher als abgeschrieben

Auch beim Biegen wurde das Potenzial der Trumpf-Innovationen deutlich. Eine Botschaft der Biegeexperten lautete, dass sich die Neuanschaffung einer ›TruBend 7036‹ sogar im Vergleich zu einer bereits abgeschriebenen Abkantpresse wirtschaftlich lohnt. »Unsere Durchschnittsberechnungen ergaben eine bis zu 40 Prozent höhere produzierbare Stückzahl pro Stunde auf der neuen Biegemaschine – und damit deutlich geringere Stückkosten. Im Dreischichtbetrieb sind Amortisationszeiten unter eineinhalb Jahren realisierbar«, rechnete Produktmanager Harald Böck vor. Das liegt zum einen an den hohen Beschleunigungswerten der ›TruBend‹-Serie 7000. Mit einem Hinteranschlag aus Kohlefasern setzt die Maschine neue Maßstäbe in der Dynamik und liefert gleichzeitig präzise Ergebnisse. Der elektrische High-Torque-Motor für den Druckbalken bringt auch bei geringer Drehzahl hohe Leistung und sorgt für rasche Achsbewegungen. Zudem erhöht die Ergonomie der Maschine das Arbeitstempo des Bedieners. Die Lernkurve ist steiler, die produktive Phase setzt schneller ein und dauert länger, denn der Bieger kann sitzend und damit weitgehend ermüdungsfrei arbeiten, die Höhe der Fuß- und Armauflagen individuell einstellen, sich die Anrisslinie von einer Laserdiode aufs Blech projizieren lassen und sogar den Bildschirm der Steuerung im passenden Winkel einstellen.

Jetzt ist die beste Zeit für Investitionen

Das ist nur ein Ausschnitt aus einer Fülle von Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die Bandbreite der Möglichkeiten verdeutlichen weitere Beispiele wie eine Platzeinsparung von 85 Prozent beim Einsatz eines ›TruStore‹-Lagers anstelle von Flächenlagerung. Oder eine um 91 Prozent verringerte Gesamtzeit pro Teil dank lasergeschweißter Kanten. So hinterließen die Trumpf-Innovationstage vor allem diesen Eindruck: Man kann auch und gerade in der derzeitigen Lage jede Menge tun. Denn jetzt ist die beste Zeit, sich in Ruhe mit neuen Entwicklungen vertraut zu machen, die Fähigkeiten der Maschinen voll auszunutzen, die Bediener zu schulen und Prozesse nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu überarbeiten. Dann lassen sich mit besserer Qualität, erweiterten Möglichkeiten und günstigeren Teilekosten neue Kunden gewinnen.

Anke Roser

Weltweit führend

Die Trumpf-Gruppe zählt mit 2,14 Mrd. Euro Umsatz (Geschäftsjahr 2007/08) und rund 8.000 Mitarbeitern zu den Weltmarktführern in der Fertigungstechnik. Unter dem Dach der Holding sind die drei Geschäftsbereiche Werkzeugmaschinen/Elektrowerkzeuge, Lasertechnik/Elektronik und Medizintechnik zusammengefasst. Kerngeschäft sind Werkzeugmaschinen für die flexible Blechbearbeitung zum Stanzen und Umformen, für die Laserbearbeitung und zum Biegen. Im Bereich industrieller Laser und Lasersysteme gilt Trumpf als Technologie- und Weltmarktführer. Mit über 50 Tochtergesellschaften und Niederlassungen ist die Gruppe in fast allen europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika sowie in Asien vertreten. Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland, China, Frankreich, Japan, Mexiko, Österreich, Polen, in der Schweiz, in Taiwan, Tschechien und in den USA.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009