»Das ist echt Hammer!«

Fokus / Wasserstrahlschneiden

Wenn über eine zehn Jahre alte Maschine berichtet wird, geht es logischerweise nicht um Hightech auf dem neuesten Stand. Das war Jetmax HS 2515 im Jahre 2003 auch mal. Heute punktet sie mit Robustheit, Zuverlässigkeit und einfacher Bedienung.

27. August 2013

Lang, Neuhausen? Da war doch was: ein findiger Unternehmer, der immer wieder neue, nützliche Dinge austüftelt. Aber ›Neuhausen‹ findet sich öfter, und auch den Namen Lang entdeckt man mehrfach in schwäbischen Telefonbüchern. Und so sind wir heute nicht bei Lang Technik in Neuhausen auf den Fildern nahe Stuttgart, sondern viel weiter im Süden Schwabens bei Lang Metalltechnik in Neuhausen ob Eck nahe Tuttlingen. Dieser Standort spielt eine große Rolle, denn in Tuttlingen ist die Medizintechnik zu Hause.

Auch der Werkzeugmacher und Diplomingenieur Frank-Dieter Lang, in dessen Betrieb folglich vor allem Edelstahlteile für die Tuttlinger Medizintechnik per Wasserstrahl geschnitten werden, ist so ein Tüftler. Frank-Dieter Lang hat zum Beispiel einen einteiligen Rohrschaftgriff für die minimalinvasive Chirurgie (MIC) entwickelt, der nicht nur absolut wartungsfrei, sondern auch viel leichter zu reinigen ist als herkömmliche Geräte. Aber im richtigen Leben erfindet Frank-Dieter Lang nicht, sondern er schneidet mit dem Wasserstrahl.

Seinen Betrieb hat er 2001 mit der Messerfertigung gestartet. »Aus der Überlegung heraus, die Messer selbst auszuschneiden, musste ich mich entscheiden, ob Laser oder Wasserstrahl. Ein Steinmetz aus dem Bekanntenkreis meinte dann, mit einer Wasserstrahlanlage könnte ich auch für ihn arbeiten, und zwar nicht zu knapp. Das war ein wesentlicher Grund, mich für das Wasserstrahlschneiden zu entscheiden, denn Stein funktioniert mit Laser nicht«, erklärt er in kompromisslosem Schwäbisch.

Also nur Zufall oder doch auch Notwendigkeit? »Damals, vor über zehn Jahren, gab es die starken Laseranlagen mit 5 KW und mehr noch nicht. Und dann führt der Laser zu Randschichtaufhärtungen, die beim anschließenden Fräsen stören. Man muss also weichglühen und hat trotzdem noch eine Gefügeveränderung. Da ist der Wasserstrahl klar im Vorteil.« Zumal vor allem lufthärtender Stahl geschnitten wird.

Doch wir greifen vor: 2003 kam die erste Wasserstrahlschneidanlage der Maximator Jet GmbH in den Betrieb, eine Jetmax HS 2515, gebaut vom österreichischen Hersteller STM Stein-Moser GmbH. Frank-Dieter Lang hatte Glück, nicht nur mit der Maschinenwahl: Kurz nach der Beschaffung meldete sich ein Hersteller chirurgischer Instrumente, von denen es in Tuttlingen bekanntlich einige gibt, mit einem Großauftrag über Jahre. Zwar gingen die Orders nach dem dritten Jahr deutlich zurück, doch hatten sich inzwischen genügend andere Unternehmen von der Qualität der Wasserschnitte aus Neuhausen ob Eck überzeugen können. Auf etwa 35 ständige und weitere 30 sporadische Kunden kann sich Frank-Dieter Lang stützen. Mit der Lang Metalltechnik ging es kontinuierlich aufwärts bis 2011, seitdem gleichbleibend.

Musste es auch, denn der Großauftraggeber von 2003 kündigte bald an, dass es bedeutend mehr Aufträge geben werde – was zunächst auch eintraf. Diese Ankündigung hatte Frank-Dieter Lang veranlasst, eine Halle zu bauen und eine zweite Wasserstrahlanlage zu kaufen, eine mit einem Schwenkkopf. Bereuen musste er keine der beiden Anschaffungen. Und das nicht nur, weil die zwei Anlagen sehr zuverlässig funktionieren.

Vor allem seine erste Maschine begeistert ihn seit zehn Jahren. Das ist nicht so ganz selbstverständlich, denn zu 95 Prozent schneidet Lang Edelstahl für die Hersteller chirurgischer Instrumente, und das heißt zu 95 Prozent Abrasivmittelzusatz. Das wusste Frank-Dieter Lang allerdings vor zehn Jahren noch nicht. Zunächst hatte ihn vor allem das Preisleistungsverhältnis überzeugt. Aber: »Die Maschine steht da wie am ersten Tag, und so funktioniert sie auch noch.«

Gut: Ein paar Gebrauchsspuren kann man nach 20000 Betriebsstunden beim besten Willen nicht übersehen. Doch befreit man sie von den Abrasivmittelablagerungen, sieht sie, so die Lang-Mitarbeiterin Christine Spadi, nahezu wie neu aus.

Frau Spadi, die hauptsächlich an den Maschinen arbeitet, lobt noch etwas an der Maximator Jet: »Da sind einmal die supereinfache Bedienung und die superkurzen Rüstzeiten: Man legt das Blech aufs Gitter, lädt das Programm, fährt den Startpunkt an und los geht’s. Das ist gerade für Einzelteile und geringe Stückzahlen sehr angenehm.« Ihr Chef lobt ferner die Robustheit und Zuverlässigkeit, und nur eine Kleinigkeit stört ihn: »Hin und wieder haben wir Sandstörungen. Aber das ist nicht tragisch, weil es nur selten vorkommt.«

Die Maximator-Maschine hat in den zehn Jahren aber nie wirklich einen Grund zum Klagen gegeben, ganz im Gegenteil: »Die Pumpe läuft und läuft. Ab und zu Dichtungen wechseln – das wars. Das ist echt Hammer! Und wenn ich den Druck von 4000 auf 3400 bar zurücknehme, dann hält die Pumpe noch viel länger. «

Und schließlich rückt Frank-Dieter Lang mit einer Geschichte heraus, die man schier nicht glauben möchte: »Die Pumpe hat zwei Kolben. Und vor drei Jahren fiel einer der Zylinder aus. Ich hatte aber gerade einen dringenden Auftrag laufen und musste weiterarbeiten. Deshalb beschloss ich, die Reparatur zu verschieben. Ich ging also her, hängte den defekten Zylinder ab und ließ die Maschine weiterlaufen.« So weit so gut, denn das hätten viele so gemacht.

Doch jetzt kommts: »Die Maschine lieferte mit einem Kolben den gleichen Druck wie mit zwei. Das ist einmalig. Das ist jetzt drei Jahre her, und sie läuft immer noch mit einem Zylinder – ohne Probleme.«

Der Maximator-Jet-Geschäftsführer Sven Anders ist gelinde von den Socken: »Das ist außergewöhnlich!«, bemerkt er bemerkenswert zurückhaltend, doch sichtlich erstaunt – auch wenn ihn die Robustheit seiner Maschinen nicht grundsätzlich überrascht.

An ihre Grenzen kam die halbseitig gelähmte Maschine erst, als man einen Doppelkopf installierte. Das schaffte sie in diesem Zustand dann doch nicht mehr.

Vor allem, wenn spröde Materialien zu schneiden sind, ist die Maximator Jet für Frank-Dieter Lang unschlagbar: »Wir hatten einmal einen sehr pingeligen Kunden, für den wir Teile aus einem speziellen Glas schneiden mussten. Die waren nur auf der Maximator sauber zu schneiden.«

Sauber ist gut, doch kann es viel Zeit und Geld kosten. Und so bleibt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit nicht aus. Doch auch hier hat Frank-Dieter Lang nur gute Erfahrungen gemacht: »Was Verschleißteile der Maximator anbelangt, habe ich so gut wie keine Kosten, das ist wirklich phänomenal. Nach 20000 Betriebsstunden! Einmal ein Hydraulikventil und ein paar Dichtungen. Die Maschine ist unglaublich robust.

Auch die Wartung der Pumpe ist sehr einfach; im Prinzip sind das nur vier Teile.« Das meiste kann der Betreiber der Anlage selbst richten. Was er wissen muss, erfährt er in der Schulung von Maximator Jet.

Auch die Geschwindigkeiten begeistern Frank-Dieter Lang, vor allem im Eilgang: »Die Maschine schießt richtig vor. Da bewährt sich der Zahnstangenantrieb.«

Die Maximator Jet funktioniert einwandfrei, was Sven Anders einerseits freut, er andererseits aber auch ein wenig bedauert. Denn eine Ersatzmaschine benötigt Lang Metalltechnik nicht. Andererseits: Viele Maximator-Anlagen haben schon mehr als 40000 Betriebsstunden ›auf dem Buckel‹ und laufen immer noch einwandfrei.

Und wie sieht es mit einer Erweiterung aus? Was wird Frank-Dieter als nächstes beschaffen, doch eine weitere Wasserstrahlanlage? »Dafür ist in dieser Halle kein Platz mehr, und erweitern kann ich nicht, weil ein großes Unternehmen die angrenzenden Flächen gekauft hat. Aber ich kann im Nebenraum noch eine Fünfachs-Fräsmaschine unterbringen. Damit werde ich die chirurgischen Instrumente komplett herstellen und gehe davon aus, dass es weiter aufwärts geht.

Schlechte Nachrichten für Maximator Jet – denn die Jetmax HS 2515 hält womöglich noch Jahrzehnte.

Hans-Georg Schätzl

Nicht um jeden Preis

Die Kosten für das Wasserstrahlschneiden lassen sich durch technische Updates erheblich senken: Servo-Druckübersetzerpumpen etwa arbeiten deutlich effizienter als Plungerpumpen; den Abrasivverbrauch reduzieren stufenlose und automatische Dosiereinrichtungen; Servotechnik verringert auch die Instandhaltungs-, Betriebs- und Werkzeugkosten und die Wasserqualität beeinflusst die Lebensdauer von Düsen und Dichtungen.

Doch auch der Betreiber kann Kosten senken – etwa indem er auf unrentable Schneidaufgaben im Hochleistungsbereich verzichtet. Die Experten von STM und Maximator Jet legen die bevorstehenden operativen Kosten gleich im ersten Beratungsgespräch dar und erstellen auf Wunsch einen kostenlosen Systemvorschlag mit Kostennutzenanalyse. Ferner bieten sie die App ›Waterjet-Calculator‹ an.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013