Das duale System

Globo

Aus einer Not wurde eine Tugend: Ursprünglich stellte Colgar nur Abkantpressen her. Als man ein großes Fräszentrum brauchte, fand man nicht das Richtige, also baute man es selbst – und hatte ein neues Produktsegment.

08. Juni 2011
»Die größte Abkantpresse von Colgar hat eine lichte Weite von gut zwölf Metern.« Marco Antonini, Geschäftsführer
Bild 1: Das duale System (»Die größte Abkantpresse von Colgar hat eine lichte Weite von gut zwölf Metern.« Marco Antonini, Geschäftsführer)

Colgar ist eine Seltenheit in der Werkzeugmaschinenwelt: Neben Blechbearbeitungsmaschinen stellt man auch Fräsmaschinen und Bohrwerke her. Den Maschinen aus beiden Gruppen ist eines gemeinsam: Sie sind – für norditalienische Hersteller gar nicht so selten – groß, sehr groß sogar. So können die Verfahrwege der Fräswerke durchaus in Metern angegeben werden, und selbst dann kann es noch zweistellig werden: in X-Richtung zum Beispiel 30 Meter; und sogar die Z-Achsen können für ein mannshohes Gebilde reichen.

Imposante Maschinen –ob zerspanend oder nicht

Die Blechbearbeitungsmaschinen sind kaum weniger imposant: Die größten Abkantmaschinen haben eine lichte Weite von mehr als zwölf Metern und eine Presskraft von 30 Meganewton. Aber es geht auch zarter: Die kleinste Abkantmaschine hat eine lichte Weite von 1800 Millimetern und eine Schließkraft von ›nur‹ 750 Kilonewton. Die kleinste und schwächste Schere hat 3050 Millimeter maximale Schnittlänge, die größte 8050 Millimeter. Normaler Baustahl mit 450 Megapascal zum Beispiel darf sechs bis acht Millimeter beziehungsweise 25 bis 28 Millimeter dick sein. Diese Scheren gibt es in vier Größenklassen in jeweils unterschiedlichen Ausführungen.

Wie es zu der Zweigleisigkeit von zerspanenden und blechbearbeitenden Maschinen gekommen ist, erklärt der Colgar-Geschäftsführer Marco Antonini: »Als Colgar 1945 gegründet wurde, beschränkte man sich auf Blechbearbeitungsmaschinen. Als wir in den 70er-Jahren eine neue große Fräsmaschine benötigten, fanden wir keine, die unseren Vorstellungen entsprach. Also mussten wir sie selbst bauen; und bald waren eine zweite und eine dritte nötig. Dies gelang uns so gut, dass sich bald weitere Interessenten fanden. Und so entstand ein neuer Produktionszweig.«

Colgar hat zwei Produktionsstätten, die größere in San Pietro all’ Olmo bei Mailand mit 50000 m2, die kleinere nahe Venedigs. Die deutsche Service-Niederlassung (Königsbrunn) mit fünf Leuten ist zuständig für ganz Europa. Außerdem ist Colgar mit einem Service-Büro in China, dem inzwischen wichtigsten Markt, vertreten. Die nicht ganz 200 Mitarbeiter von Colgar erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von etwa 30 Millionen Euro.

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 03/2011