Das Beste aus zwei Welten

Fokus/Mechanisches Fügen

Konsequenter Leichtbau erfordert, an jeder Stelle das optimale Material zu verwenden – eine Feststellung, die vielleicht trivial erscheint. Alles andere als trivial ist das optimale Fügen, zumal thermische Verfahren oft ausscheiden. Dann bleiben oft nur mechanische Verbindungen, auch wenn man dafür Löcher machen muss.

02. Oktober 2018
© Böllhoff
Bild 1: Das Beste aus zwei Welten (© Böllhoff)

Moderne Leichtbaukonzepte sind aus der Automobilindustrie nicht mehr wegzudenken. Ganz im Gegenteil: Sie verbessern nicht nur maßgeblich die Fahrdynamik, sondern helfen auch Emissionen zu verringern. Der Leichtbau bleibt somit eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Automobils. Darüber hinaus ist er eine wichtige Komponente in der E-Mobilität, denn die grüne Innovationskraft baut auf das Know-how in der Batterie- und Leichtbautechnologie.

Auf der Jagd nach immer höherer Reichweite ist der Leichtbau sogar essenziell. Effizienter Leichtbau stellt aber auch hohe Anforderungen an Mischbaukonzepte und benötigt entsprechend innovative Verbindungstechniken, wie die Rivset-Stanzniettechnik von Böllhoff. Diese kann unterschiedliche Materialien in einem einzigen Arbeitsgang ohne Vorlochoperation miteinander verbinden.

Der bewährte Mischbau aus Aluminium (Blech, Strangpressprofilen, Druckgussstrukturen) und Tiefziehstählen in Kombination mit Klebstoff in zwei- oder mehrlagiger Anordnung wurde um den serientauglichen Einsatz hochfester Stähle mit einer Zugfestigkeit bis 1.600 MPa erweitert. In diesem Kontext und dem damit verbundenen Materialeinsatz war es erforderlich, die Halbhohlstanzniettechnologie über ihre bisherigen Verfahrensgrenzen hinaus weiterzuentwickeln.

Hochfeste Ergebnisse

Die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten erklärt den Variantenreichtum bei den Verbindungselementen. Rivset-Stanznieten können hinsichtlich Geometrie, Härte, Oberfläche, Kopfform, Schaftlänge und -durchmesser variieren. Die jeweilige Anwendung bestimmt den Niettyp.

Böllhoff als Verbindungsexperte stimmt die Entwicklung seiner Verbindungselemente auf die Werkstofftrends ab.

Durch die konsequente Weiterentwicklung bietet das Unternehmen, beispielsweise mit dem Rivset HDX, Lösungen für die Verbindungen von Werkstoffen, die eine Zugfestigkeit bis 1.600 MPa und eine Blechstärke von 1,7 mm in der Decklage aufweisen, in Serienqualität. Erreicht wird dies durch eine optimierte Geometrie des Verbindungselementes in Kombination mit einer adaptierten Niethärte. Heutiges Karosseriedesign zeichnet sich aber nicht ausschließlich durch innovativen Werkstoffeinsatz aus.

Maximale Lebensdauer und minimale Wartungsintervalle

Mit dem Verarbeitungssystem Rivset Automation EH geht Böllhoff neue Wege. Bei diesem Verarbeitungssystem liegt der Fokus auf Funktionalität, Flexibilität und Design. Kombiniert mit einer hohen Lebensdauer, mit maximaler Verfügbarkeit und einem minimalen Wartungsaufwand ist das die Basis für eine erfolgreiche Produktion. Die Maschinenvarianten – modular und umfangreich – machen hochgradig flexibel, und zwar vom Prototypenbau bis zur Großserienproduktion.

Die schnelle und leistungsfähige Steuerung bietet sowohl offene Softwareschnittstellen in der Roboterkommunikation als auch in der Datenbereitstellung über OPC UA. Die Hauptanforderungen an diese Anlagen sind die 100-prozentig elektrische Installation am Roboter (keine Hydraulik-Schlauchanbindung), die Kompensation von Stanzschlägen (für hochfeste Stähle mit maximal 1.600 Megapascal Zugfestigkeit) und kurze Prozesszeiten, anwendungsabhängig teilweise unter 1,5 Sekunden. Zusammen mit einem TPM-Konzept ergibt sich eine starke und haltbare Verbindung.

Weitere technische Highlights sind der neue Matrizenwechsler, das neue Magazine Feed und die neue Rivset-Zuführeinheit mit einfacher Zuführtechnik. Bis zu acht Matrizen nimmt der neue Matrizenwechsler auf. Ein Matrizenwechsel benötigt keine 6 Sekunden. Durch die optionale automatische 100-Prozent-Matrizenerkennung erhöht sich die Produktionssicherung. 

Das neue Magazine Feed verarbeitet Nietsequenzen mit identischem Nietdurchmesser und acht unterschiedlichen Nietlängen. Außerdem sind Teilbefüllungen und Reserven möglich; ein Magazinwechsel fällt mit unter 4 Sekunden in die Takt-Nebenzeiten.

Plug-and-Play-Lösung

In modernen Produktionssystemen spielt auch die Produktionsplanung und -steuerung eine wichtige Rolle, denn sie muss Herstellungsprozesse gestalten und optimieren. Diese Aufgaben haben Böllhoff als Spezialist in der Stanzniettechnologie ebenfalls neue Impulse gegeben. Gemeinsam mit dem Kunden können neue Konzepte entwickelt werden, wie ein softwarebasierender Workflow zur Projektierung und Abwicklung von zu beschaffenden Prozessgeräten.

Er garantiert eine transparente und projektspezifische Daten- und Informationsbasis. Ein weiteres Beispiel ist ein intelligentes Lieferkonzept, das auf der modularen Bauweise der Böllhoff-Komponenten basiert und lieferterminkritische Maschinenkomponenten von lieferterminunkritischen Bestandteilen separiert. Dies sind nur zwei mögliche Konzepte als erfolgreiche Bausteine für eine flexible und zugleich effiziente Fertigungs- und Beschaffungsplanung. Ein zusätzliches Servicepaket durch ein spezialisiertes Instandhaltungsteam, das die Prozessmaschinen optimal wartet, rundet das Angebot ab.

Es unterstützt so maßgeblich einen sauberen und störungsarmen Betrieb der Produktion. Wie von Böllhoff gewohnt, kommen auch bei der Stanzniettechnik Fügeelement und Fügewerkzeug aus einer Hand – beste Voraussetzungen, um sich auch künftig als zukunftssicherer Lösungsspezialist für innovative Branchen zu profilieren.  

Euroblech Halle 13, Stand E142

Zahlen & Fakten

Die Böllhoff-Gruppe, als Eisenwaren-Großhandel 1877 gestartet und bis heute Familienunternehmen, berät und beliefert ihre Kunden weltweit mit einem breiten Programm anwendungs- und prozessorientierter Verbindungselemente einschließlich zugehöriger Montagelösungen. Die Gruppe besteht aus 45 Gesellschaften an 40 Standorten, darunter 12 Produktionsstätten in 24 Ländern. Dazu kommen 50 Vertretungen.

3.000 Mitarbeiter, davon 1.375 in Deutschland, erarbeiteten 2017 konsolidiert 620 Mio. Euro Umsatz, der mehr als 43 Mio. Euro Investitionen ermöglichte. Michael und Wilhelm Böllhoff, als geschäftsführende Gesellschafter, sowie das gesamte Management sehen, wie ihre Vorgänger, ihre gesellschaftliche Verantwortung als Teil der Unternehmenskultur.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018