Damit man einen guten Schnitt macht

Linsinger ersetzt mit der aktuellsten Entwicklung die übliche große Kreissäge durch eine „Tube cut-off machine“. Die neue Maschine MC3 wurde dem Fachpublikum zum ersten Mal auf der Tube präsentiert: Eine Sägemaschine zum Trennen großer Rohre, die insbesondere in Sachen Wirtschaftlichkeit und Produktivität, aber auch Schnittflächenqualität neue Maßstäbe setzt.

07. Juni 2010
Wie gefräst: Die kleinen, steifen Sägeblätter sorgen für einen glatten Schnitt.
Bild 1: Damit man einen guten Schnitt macht (Wie gefräst: Die kleinen, steifen Sägeblätter sorgen für einen glatten Schnitt.)

Linsinger hat Schluss gemacht mit dem großen, biegeweichen Sägeblatt: Zum Trennen der Rohre sind drei kleine, radial verfahrbare Kreissägen auf einer drehbaren Scheibe angeordnet. Nachdem das Rohr in der Maschine positioniert und gespannt ist, fahren die drei Kreissägen ins Rohr hinein, dann dreht sich die Trägerscheibe mit den Sägen um 120° und der Rohrabschnitt ist fertig.

Der Effekt: Wesentlich kürzere Schnittzeiten und enorme Kosteneinsparungen, die sich auch in Zahlen fassen lassen. So können durch die schmalen Schnittbreiten (etwa 3 mm) der drei Sägeblätter im Laufe einer Maschinenlebensdauer etwa 50 km Rohr eingespart werden. Im Vergleich dazu erzeugt eine große Säge mit einer Schnittbreite von 10 mm um 2.650 m mehr Schrott pro Jahr.

Der Aufbau der MC3 sorgt so für kurze Taktzeiten und erlaubt das Weiterarbeiten beim Ausfall einer der drei Kreissägen, zum Beispiel nach einem Defekt eines Sägeblattes. In diesem Fall kann die Anlage mit verringerter Produktivität weiter arbeiten, denn die Scheibe mit den drei Sägemaschinen kann statt um 120° auch um 240° gedreht werden, und das Rohr wird trotz des Defekts abgesägt. Die Produktion muss daher nicht in einer laufenden Serie unterbrochen werden, sondern der Austausch des defekten Sägeblattes kann beim nächsten Produktwechsel erfolgen.

Größere Wirtschaftlichkeit durch geringere Werkzeugkosten

Große Kreissägemaschinen sind oft über 20 Jahre im Dauereinsatz, und daher ist der Verbrauch an Werkzeug der größere Kostenfaktor und nicht die Investition. Die Werkzeugkosten können mit der MC3 reduziert werden, weil drei kleine und somit günstigere Kreissägeblätter anstatt eines großen und teuren Sägeblattes verwendet werden. So hilft das Werkzeug, die Kosten niedrig zu halten: Alles in allem kostet ein Schnitt der MC3 nicht mehr als 44 Cent, das sind ganze 69 Cent weniger als die Kosten pro Schnitt mit einem großen Sägeblatt.

Zusätzlich steigt mit dem abnehmenden Durchmesser die Steifigkeit der Sägeblätter in der dritten Potenz, woraus sich Vorteile für die Standzeit und die Schnittqualität ergeben. Zwar müssen höhere Anschaffungskosten kalkuliert werden, die durch die drei einzelnen Sägen und deren Bewegung entstehen; doch nach Berechnungen von Linsinger amortisiert sich der Mehrpreis der Anlage innerhalb von zwei bis drei Jahren alleine durch die deutlich geringeren Werkzeugkosten. „Ein sehr günstiges System, das selbst dann noch wirtschaftlicher ist, wenn andere Hersteller die Sägemaschinen den Kunden schenken würden. Aber nicht nur günstig, sondern auch bewährt, denn das Prinzip der Multi-Cut wird zwar weltweit erstmals auf einer stationären Sägeanlage eingesetzt, wurde aber von einer gebräuchlichen mitfahrenden Säge abgeleitet“, so Linsinger-Leiter Hans Knoll.

Teileentnahme und Werkzeugwechsel per Roboter

Während ein „Boxenstopp“ an branchenüblichen großen Kreissägen manuell durchgeführt wird, läuft der Tausch der Sägeblatter auf der neuen Tube-cut-off Maschine MC3 von Linsinger komplett automatisiert ab. Die Vorteile für den Kunden liegen klar auf der Hand: Höhere Produktivität, Erhöhung der Arbeitssicherheit, sowie Arbeitserleichterung und Fehlerreduktion.

Die hochgesteckten Ziele von Linsinger, Rohre und auch Profile schnell und kostengünstig in vollautomatischen Fertigungslinien zu trennen, wurden durch den Einsatz der drei kleinen Sägeblätter realisiert. Diese sind auf einer radial drehbaren Scheibe angeordnet und dabei immer gleichzeitig im Eingriff. Durch diese Einsparungen resultiere eine Amortisationszeit der Basismaschine von drei Jahren.

Nicht genug für Linsinger, um dem Unternehmensprinzip „Always on top“ gerecht zu werden, setzte das Linsinger Forschungs- und Entwicklungsteam noch eines drauf und entwickelte ein zusätzliches Feature: den komplett vollautomatischen Werkzeugwechsel mittels Roboter.

Dieser Roboter, ursprünglich konzipiert für die Entnahme der Sägeabschnitte und für die Entnahme sowie Aussortierung von Proberringen, wurde multifunktionell umprogrammiert. Jetzt können damit auch alle drei Sägeblätter innerhalb von 90 Sekunden gewechselt werden. Vergleichbar mit einem Boxenstop beim Motorsport – je kürzer in der Box, desto schneller am Ziel. Diese Zeitersparnis entspricht im Vergleich zu einem manuellen Sägeblattwechsel bei einer großen Säge etwa einem Jahr im Dreischichtbetrieb bei einer Maschinenlebensdauer von 20 Jahren.

Neben dieser gewaltigen Erhöhung der Kapazität wirkt sich die maximierte Automatisierung auch positiv auf die Vermeidung möglicher Fehlerquellen aus. Der Werkzeugwechsel erfolgt gänzlich ohne Bediener und wird selbstständig durchgeführt, sobald eine vorgegebene Schnittanzahl der Sägeblätter erreicht ist. Jeder Vorgang wird lückenlos dokumentiert. Linsingers Ziel eines automatischen Produktionsablaufes hilft so, die Personalkosten nachhaltig zu reduzieren. Wer diesen Innovationsschub verpasse, so Hans Knoll, verliere den Kampf um die Poleposition bei der Produktion von Rohren.