Chassis im Durchlauf

Fokus

Die Lackierung von LKW-Anhängern im Bau-, Abbruch- und Entsorgungsbereich muss hohen Belastungen standhalten. Voraussetzung für dauerhaft gute funktionale und optische Eigenschaften ist eine optimale Vorbehandlung der Oberflächen. Um die Stahlqualität zu erhöhen und Zeit zu sparen, investierte Hüffermann in das vollautomatische Hängebahn-Durchlaufstrahlsystem von Rösler.

13. Oktober 2015

In der Anhängerfertigung zählt die 1913 gegründete Hüffermann Transportsysteme GmbH zu den Pionieren. Das im brandenburgischen Neustadt/Dosse ansässige Unternehmen fertigt mit rund 150 Mitarbeitern LKW-Anhänger für den Schwerlastbereich, Sattelauflieger, Aufbauten für Absetzkipper, Abrollkipper, Krane, Schnellwechselsysteme, für die Entsorgung, den Winterdienst und Ladesicherungssysteme. Durch permanente technische Weiterentwicklungen setzen die Anhänger im internationalen Markt Standards in puncto Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Wiederverwertbarkeit. Diese Innovationskraft sichert Hüffermann durch kontinuierliche Weiterqualifizierung der Mitarbeiter und Investitionen in neue Anlagen – vom Stahlbau über die Lackierung bis zur Montage.

Qualitäts- und Effizienzsteigerung durch automatisches Strahlen

So wurde jetzt die neue Durchlaufstrahlanlage RHBD 34/20-K von Rösler für die Vorbehandlung der unterschiedlichen Anhänger-Chassis vor der Verzinkung und Lackierung in Betrieb genommen. Zuvor wurde rein manuell gestrahlt. Für ein Chassis benötigten zwei Mitarbeiter zwischen drei und fünf Stunden. Es war also personal-, zeit- und kostenintensiv. »Beim automatischen Strahlen können – je nach Chassis-Typ – etwa 90 bis 95 Prozent der Oberflächen bearbeitet werden. Den Rest strahlen wir von Hand nach. Die Anlage sollte deshalb in eine bestehende Halle integriert werden, die direkt an das Freistrahlhaus anschließt«, nennt Stephan von Schwander, Geschäftsführer bei Hüffermann, als Kriterium. Weitere Anforderungen waren lange Wartungsintervalle, eine hohe Standzeit und einfache Austauschbarkeit der Turbinen sowie Langlebigkeit und eine intuitive Bedienbarkeit der Anlage. Mit diesen Forderungen wandte sich der Geschäftsführer an fünf Anlagenhersteller. Zwei kamen in die engere Wahl. »Ausschlaggebend waren bei der Entscheidung letztendlich der Service, der Standort mit der Produktion in Deutschland, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Flexibilität des Unternehmens«, erklärt Stephan von Schwander.

Automatischer Strahlprozess für rund 20 verschiedene Typen

Die RHBD 34/20-K ermöglicht die Bearbeitung von 3,20 Meter breiten, 13 Meter langen und zwei Meter hohen Anhänger-Chassis und -Aufbauten im kontinuierlichen Durchlauf. Das Hängebahntransportsystem ist für eine Nutzlast von zehn Tonnen ausgelegt. Es transportiert die Chassis zunächst in die Einlaufkammer. Nachdem diese durch das platzsparende Schiebetor verschlossen wurde, startet der Strahlprozess. »Jede der zu strahlenden Konstruktionen unterscheidet sich im Detail. Werden die für die Einstellung der Strahlparameter maßgeblichen Faktoren wie Größe und Umfang berücksichtigt, sind rund 20 verschiedene Typen zu bearbeiten. Durch die Anordnung und Neigung der Turbinen an der Strahlkammer können wir alle Teile mit einem Programm strahlen. Eine Anpassung erfolgt lediglich durch die Transportgeschwindigkeit«, beschreibt der Geschäftsführer. Das trägt zur einfachen Bedienung der Anlage bei.

Ausgestattet ist die RHBD mit zwölf auf optimale Strahlmittelbeschleunigung und wirtschaftliche Bearbeitung ausgelegte, wartungsfreundliche Turbinen des Typs Hurricane H 42 mit einer Antriebsleistung von jeweils elf Kilowatt. Diese wurden an der Strahlkammer ringförmig, im idealen Einstrahlwinkel zum Werkstück geplant und angeordnet. Das sorgt dafür, dass auch die Stirn- und Rückseiten der Teile anforderungsgerecht gestrahlt werden.

Wie bei allen Anlagen von Rösler besteht die Strahlkammer der RHBD von Hüffermann aus acht Millimeter starkem Manganstahl. Für einen guten Verschleißschutz sind die Wände im direkten Strahlbereich mit 25 Millimeter starken, spaltfrei verlegten und auswechselbaren Stahlgussplatten ausgekleidet.

Nach dem Strahlprozess durchlaufen die verschiedenen Stahlkonstruktionen die Auslaufkammer, bevor sie automatisch in das angeschlossene Freistrahlhaus transportiert werden. Hier müssen nur die im Strahlschatten liegenden und im automatischen Strahlprozess nicht erreichbaren Ecken und Kanten nachgestrahlt zu werden. Dafür sind je nach Chassis 10 bis 20 Minuten zusätzlich erforderlich. »Neben einem deutlich höheren Durchsatz erreichen wir eine gleichbleibend hohe Qualität und das bei reduzierten Kosten«, berichtet der Geschäftsführer zufrieden.

Individuelle Maßanfertigung

Eine Herausforderung bei der Konstruktion und Montage der Anlage stellten die beengten Platzverhältnisse dar. Zwischen den Hallenträgern stand eine Fläche von 5,60 Metern zur Verfügung, was bei 3,20 Meter breitem Strahlgut nur wenig Raum für die Platzierung der Turbinen lässt. Dies machte es notwendig, die Strahlmittelzuführung und -aufbereitung über dem Hängebahntransportsystem anzuordnen. Dafür wurde das Hallendach partiell erhöht. Um das Filtersystem, die Wartungszugänge und das Becherwerk unterzubringen, war ein kleiner Anbau erforderlich. Das bestehende Freistrahlhaus wurde in die Strahlmittelrückführung der RHBD eingebunden. »Natürlich gab es bei der Montage und Inbetriebnahme einige Herausforderungen. Die Mitarbeiter von Rösler waren jedoch Topleute, die durch eine hervorragende Leistung überzeugt haben«, erinnert sich von Schwander.

Zahlen & Fakten

Die Rösler-Unternehmensgeschichte ist eng verbunden mit einem Material, das noch heute eine wichtige Basis für unser Schleifkörperprogramm bildet. Sie beginnt 1933 mit einem Porzellanunternehmen in Dessendorf im Sudetenland, das der Gründer Richard Stephan Rösler 1948 nach Kriegsende in Tettau-Schauberg (Oberfranken) erfolgreich wieder aufbaute. Aus dem bei der Produktion von Bierflaschenverschlüssen, pharmazeutischem Porzellan und technischer Keramik anfallenden Bruch entstanden die ersten Schleifkörper.

Als Komplettanbieter von Gleitschlifftechnik und Strahltechnik ist Rösler führend in der Herstellung von Anlagen und Verfahrenstechnologie für die rationelle Oberflächenbearbeitung von Metallen und anderen Werkstoffen, wie Entgraten, Entzundern, Polieren und Schleifen. Zu den Kunden gehören Hersteller aller Branchen.

Mehr als 80 Ingenieure und Techniker in den Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen arbeiten täglich an individuell zugeschnittenen Systemlösungen und sorgen dafür, dass Werkstücke die gewünschte Oberflächenqualität bekommen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015