Blech – IoT-ready!

Die Überschrift überrascht und erstaunt sicherlich viele. Doch der nähere Blick unseres Autors Nikolaus Fecht auf die Blechumformung beweist: Sie ist jetzt schon ›ready for Internet of Things (IoT)‹.

11. April 2019
Blech –  IoT-ready!
(© Fecht)

Spätestens seit diesem Auftritt weiß jeder: Die Blechumformer machen bei der digitalen Transformation mit. Die Rede ist vom 24. Oktober 2018, als auf der EuroBlech Spiegel-Online-Autor Sascha Lobo (ja, der mit dem knallroten Irokesen-Schnitt) auf dem Schuler-Messestand den Zuhörern zuruft: »Genau jetzt entsteht der Datenstrom, der Ihre Branche verändert. Es kommt der Plattform-Kapitalismus!« Die digitalen Zeichen der Zeit haben viele Großen der Branche erkannt. So bietet der Maschinenbauer Schuler bereits Lösungen zur Digitalisierung und Vernetzung an. Ein Beispiel dafür ist die Presse MSP 800, deren Inbetriebnahme sich dank eines digitalen Zwillings deutlich beschleunigt. Doch wie sieht es bei den Lieferanten des Maschinenbaus oder bei dem typischen Mittelstand der Branche aus, sind sie auch ›IoT ready‹?

Gemeinsam packen wir den Einstieg in Industrie 4.0, sagten sich zwei Mittelständler aus Norddeutschland: So gingen Abacus Maschinenbau und WF Maschinenbau aus Osnabrück beziehungsweise Sendenhorst beim Vertrieb und der Entwicklung von Drückmaschinen eine Kooperation ein. Hier nutzen zwei Maschinenbauer das jeweilige Know-how des anderen. So hat Abacus auf der Basis von Beckhoff-Komponenten eine Steuerung entwickelt, die laut Homepage in Sachen Drücken technologisch führt. Damit sei es erstmalig gelungen, »eine vollautomatische Drückstufengenerierung in die Tat umzusetzen und so einen großen Schritt in Richtung des Industrie-4.0-Ansatzes zu gehen«.

»Jetzt entsteht der Datenstrom, der die Blechbranche verändert. Jetzt kommt der PlattformKapitalismus!«

— Sascha Lobo, Fachautor

Auch bei den Herstellern von Antriebselementen ist Digitalisierung schon längst ein Thema. Die Nase vorn hat hier beispielsweise der Antriebshersteller Voith Turbo H+L Hydraulic aus Rutesheim, der mit autarken Antrieben konventionelle Pressen in Servopressen verwandelt. Das klingt zunächst nur nach Retrofit, doch beim näheren Hinsehen kommt die Digitalisierung ins Spiel. Dank der Servotechnik sei, so die Schwaben, ein Kunde aus Pirmasens nun »bereit für die Herausforderungen von morgen«. Details nennt eine Voith-Schrift mit dem spannenden Titel ›Stille Riesen‹: »In Ergänzung zur Ressourcenschonung kann mittels der Erfassung der Betriebszustände und der Diagnosefähigkeit problemlos eine Integration des Antriebs im Sinne der vierten industriellen Revolution erfolgen.« Dank der Servotechnik lassen sich Parameter wie Druck, Beschleunigung oder Temperatur erfassen, regeln und übermitteln. Das wirke sich auch positiv auf die Instandhaltung aus, denn der Anwender könne sowohl Ölqualität als auch Wirkungsgrad monitoren und beim Effizienzabfall intelligente, vorbeugende Wartungsmaßnahmen einleiten. So ebnet der Einbau eines Antriebs den Weg zu Industrie 4.0.

Noch einen Schritt weiter geht das Softwarehaus Wicam aus Pfinztal-Söllingen, das mit seinen Lösungen sogar für mannlose Produktion sorgt. Entstanden ist das Unternehmen aus Verärgerung. Gründer Harald Wilkesmann störte als Maschinenbaustudent bei der Arbeit an einer CNC-Stanzmaschine das zeitaufwendige Berechnen und Eingeben von Koordinaten. Er programmierte daraufhin Algorithmen, die aus Auftragslisten und CAD-Daten automatisch Steuerungsdaten für Maschinen erzeugen. Aus dem Ärger entstand ein eigenes Unternehmen, dessen neuestes Produkt – das ›3D-Modul PN4000-Unfold‹ – eine ganz besondere Spezialität auszeichnet. Details nennt die Homepage: »Die neue Funktion ›Assembly Loop‹ verarbeitet Baugruppen in 3D-Dateien automatisch und wandelt die einzelnen Blechteile mit der Abwicklung in flache Teile. Nach dem automatischen Nesting werden dann sofort die Programme für die NC-Maschinen erzeugt.«

Nikolaus Fecht Fachjournalist aus Gelsenkirchen

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 5 bis 50