Blech für High-Tech

Moderne Abkanttechnik macht aus Kundenideen Blechteile

Die Kunden von heute sind verwöhnt. Oft reicht es, eine Idee zu haben oder ein Bauteil einzureichen und schon baut ein Stab geschulter Blechbearbeiter das gewünschte Gehäuse drum herum, mit allen Finessen, ohne Gefahr für „Leib und Leben“ für die zu schützenden elektronischen Komponenten.

07. Januar 2004
Erfolgreiche Steuerung: Wer als Blechbearbeiter Erfolg haben möchte, muß flexibel sein. Ekkehard Preuß (links) und Klaus Stamm sind mit ihrer neuen HFP-Abkantpresse von Amada diesbezüglich sehr zufrieden.
Bild 1: Blech für High-Tech (Erfolgreiche Steuerung: Wer als Blechbearbeiter Erfolg haben möchte, muß flexibel sein. Ekkehard Preuß (links) und Klaus Stamm sind mit ihrer neuen HFP-Abkantpresse von Amada diesbezüglich sehr zufrieden.)

Damit dies auch reibungslos gelingt, benötigen die Blechbearbeiter selbst einige ausgewählte Soft- und Hardwarekomponenten, die sicherstellen, daß Kundenideen in hoher Qualität zu Blechteilen werden und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens gesichert wird. So denkt auch ein Blechbearbeiter aus Remscheid, der in seinem 17-Mann-Betrieb auf Qualität setzt, um eben diese auch seinen Kunden zu liefern. Das innovative Blechbearbeitungs-Unternehmen Stamm & Preuß Metallwaren verfügt dazu über eine erkleckliche Anzahl hochmoderner CNC-Blechbearbeitungsmaschinen, von der Stanzmaschine über einen Flachbettlaser, bis zur neuen „Amada HFP 100-3“-Abkantpresse, die zudem mit der neuesten Amada-Software „AP100“ glänzt und für zufriedene Gesichter bei Bediener und Kunden sorgt.

„Die neuen Sicherheitsrichtlinien machten die Investition in diese hochmoderne Abkantpresse unumgänglich“, so die beiden Geschäftsführer Klaus Stamm und Ekkehard Preuß übereinstimmend, die das 1957 gegründete Gemeinschaftsunternehmen ihrer Väter nun in zweiter Generation führen. Eine Entscheidung, die sich gleich in mehrfacher Hinsicht für die beiden gerechnet hat, denn mit der HFP 100-3 erwarben die Blechbearbeiter aus Remscheid nicht nur mehr Sicherheit beim Abkanten, zugleich kamen sie in den Genuß der hochmodernen AMNC-PC-Steuerung mit der Windows-basierenden Amada-Steuerungssoftware und jetzt, knapp eineinhalb Jahre später zur neusten Version des AP100/BendCAM-Systems zur externen Programmierung der HFP-Abkantpresse.

„Auf dem Touchscreen der Steuerung können sogar Bedienerhinweise handschriftlich notiert werden, wenn dann ein zweiter Kollege die Maschine übernimmt, dann sieht er anhand des leuchtenden & pos;Memoknopfes& pos;, daß eine Nachricht vorliegt. So kann beispielsweise sichergestellt werden, daß die neue Blechcharge mit anderen Biegedaten zu biegen ist et cetera“, erläutert der Amada-Produktverkaufsleiter Abkant- und Schertechnik Michael Groß. Doch die Kommunikationsmöglichkeiten sind damit noch lange nicht ausgeschöpft, denn auch das Dateneinlesen via Diskette oder Netzwerk ist möglich.

Wenn etwa Biegewinkel an einem bestehenden Auftrag geändert werden müssen, läßt sich mit dem Amada-Biegewinkelmeßwerkzeug „Digipro“ der Istwert schnell und zugleich einfach ermitteln, via Infrarotschnittstelle der Maschinensteuerung mitteilen und die Ist-, Soll-, sowie der ermittelte Korrekturwert am Touchscreen anzeigen. Ein eingeblendetes Feld im Touchscreen fragt den Bediener zugleich nach der Bestätigung der neuen Daten, die der Bediener per „Fingerzeig“ direkt am Touchscreen geben kann. Nach erfolgter Bestätigung übernimmt die HFP die neuen Werte und sorgt so für ein einwandfreies Biegergebnis. Zudem hat der Bediener die Möglichkeit den Korrekturwert auf alle Biegewinkel in gleicher Richtung zu übertragen und vieles mehr.

„Durch die zahlreichen Möglichkeiten, die uns die HFP eröffnet, konnten wir unseren Kundenkreis ausweiten, denn wir schrecken auch vor komplizierten Biegeteilen nicht zurück“, erklärt Betriebsleiter Alfons Meeth, und die beiden Geschäftsführer stimmen dem zu. Es gibt in der Tat kaum ein Blechgehäuse, das Stamm & Preuß nicht fertigen könnte. Zudem kommt dem Unternehmen der reiche Erfahrungsschatz auf dem Biegesektor zugute, denn die HFP 100-3 mit 1.000 kN Preßkraft und ihren drei Metern Biegelänge ist die vierte und größte Abkantbank von Amada im Betrieb, die nach Preßkraft gestaffelt in einer Reihe stehen. Die Abkantpressenabsicherung „Lazer Safe“ sorgt für die Sicherheit des Bedieners und dafür, daß der Bediener selbst kleine Biegeteile während des gesamten Hubs mit den Händen führen kann.

Erst planen dann biegen

Zahlreiche Aufträge der Hersteller von Informationssystemen für die Verkehrsbetriebe, ob Bus, Bahn oder Straßenbahn konnten Klaus Stamm und Ekkehard Preuß für sich gewinnen. Überall dort, wo den Fahrgästen die Haltestellen angezeigt oder sonstige Fahrgastinformationen in Leuchtschrift übermittelt werden, sorgt ein Blechgehäuse der findigen Blechbearbeiter für den Schutz der elektronischen Komponenten und den nötigen Halt der Fahrgastinformationssysteme. Auch im Sektor Elektronikgehäuse, Kabelkanalsysteme für den Maschinenbau und Stahlmöbel sind die Remscheider sehr aktiv.

Die Flexibilität ist sicher eines der Aushängeschilder von Stamm & Preuß, ob Losgröße 1 oder Serien von 500 Teilen und mehr, alles ist möglich. Damit die Remscheider vernünftig kalkulieren können, soll die von Amada beigesteuerte Software für mehr Planungssicherheit sorgen. So können die Blechbearbeiter ihre HFP-Abkantpresse mit der AMNC-Steuerung nun schon vorab im Büro extern programmieren. Eine besonders wichtige Rolle spielenhier die Software-Pakete AP100 und BendCam. Das CAD-System AP100 mit einer Vielzahl von Modulen, die speziell für das Zeichnen von Biegeteilen entwickelt wurden, erlaubt nicht nur das zügige, biegegerechte Programmieren, es zeigt auch in einer 3D-Darstellung, ob das Resultat dem Wunsch entspricht.

Erfahrung sammeln bevor es zum Biegen geht

Dazu erläutert der Leiter Schulung und Software von Amada, Kurt van Dyk, einige Besonderheiten der Software, ein komplett aufs Biegen ausgelegtes CAD/CAM-System, an seinem Laptop: „Wer sagt eigentlich, daß ein Werkstück auch tatsächlich auf der Abkantpresse gebogen werden kann? Wir nehmen es heute oft als selbstverständlich hin, daß jedes noch so komplexe Biegeteil auch zu Fertigen ist. Oft beweisen erst aufwendige Probebiegungen, daß es nicht funktioniert, wie gedacht.“ Die Erfahrung von Kurt van Dyk haben sicher schon einige Betriebe machen müssen. Noch bevor das erste Teil gebogen wird, setzt die Amada-Software mit der Werkzeugbibliothek für Standard- und Spezial-Biegewerkzeuge an.

Das CAM-Modul BendCam beherrscht nicht nur die automatische Werkzeugauswahl - inklusive Werkzeugpositionierung - unter Berücksichtigung diverser Auswahlkriterien, die automatische Kalkulation der bestmöglichen Biegesequenz, die automatische Hinteranschlagprogrammierung oder die 3D-Simulation der aktuellen Biegereihenfolge mit der Möglichkeit der manuellen Korrektur, sie verfügt auch über einen automatischen Kollisionscheck. Und dieser Punkt zeigt dann, ob der Anwender mit seinen vorhandenen Werkzeugen arbeiten kann oder ob er Spezialwerkzeuge benötigt, die er natürlich mit der Amada-Software gleich konstruieren kann - vielleicht zeigt sich aber auch, daß das gewünschte Biegeteil immer irgendwo kollidieren würde und so gar nicht herstellbar ist. Dann heißt es eben die Konstruktion zu ändern und aus einem Teil vielleicht zwei Teile zu machen. Diese Möglichkeiten der Software zeigen bereits dem Konstrukteur, wie hoch die Kosten für das Blechbiegeteil anzusetzen sind - Planungssicherheit, die nicht erst kostenintensiv mit Probebiegungen gesammelt werden muß.

Durchgängig zum Biegeteil

Wie schnell auch komplexe Biegeteile mit AP100/BendCam konstruiert und programmiert werden können, zeigt Van Dyk anhand zweier Beispiele eines zu fertigenden Blechgehäuses. Auch als er die Biegeradien im Nachhinein ändert, weil er einen anderen Werkzeugsatz auswählt, bringt das die Software nicht aus der Fassung. Blitzschnell sind die neuen Daten für alle Biegekanten übernommen und die Außenkonturen des zu biegenden Bleches „laserschneidgerecht“ aufbereitet. Die rasante Umsetzung von der Idee zum Biegeteil zeigt deutlich, daß die Software speziell für die Blechbearbeitung entwickelt wurde. „Mit keinem anderen CAD-CAM-Programm kommt der Konstrukteur so schnell zum Ziel - wenn& pos;s um das Biegen geht“, erklärt Kurt van Dyk.

Damit die Abkantpresse schnell eingesetzt werden kann, generiert AP100/BendCam gleich das NC-Programm für die Abkantpresse und ermöglicht zudem den Ausdruck aller fertigungsrelevanten Daten inklusive eines Barcodes.

Tradition mit Fortschritt

Wie sehr Stamm & Preuß und Amada, aus dem, eine Halbe Autostunde entfernten Haan, zusammenarbeiten, zeigt der Maschinenpark recht deutlich. Schon die Firmengründer setzten Früh auf die japanische Technik, wie die heute noch aktive CNC-Stanzmaschine Aries-222 beweist. Die Söhne schafften bereits 1991 die erste Laserschneidmaschine an. Zwei weitere Stanzanlagen, wie die Vipros-2510 King sowie drei Amada-Abkantpressen, neben der neuen HFP 100-3, zeigen, daß die Geschäftsverbindung der beiden Unternehmen Tradition hat. „Wir sind mit den Maschinen und natürlich auch dem Service von Amada sehr zufrieden“, meint Ekkehard Preuß. Und wenn man die sauber geschweißten oder mechanisch gefügten Metallgehäuse für die unterschiedlichsten Kunden und Anwendungen sieht, dann kann man seine Zufriedenheit verstehen, denn hier steht und liegt ein Stück echter Wertarbeit -damit die „High-Tech“ ihr sicheres, funktionelles Blechgehäuse bekommt.

Erschienen in Ausgabe: 11/2003