Blank und entgratet

Technik/Oberflächen und Kanten

Auf der Suche nach der am besten geeigneten Maschine zur Behandlung von laserbearbeiteten Blechteilen ist der ostwestfälische Laser-Spezialist RT Lasertechnik aus Rheda-Wiedenbrück beim niederländischen Maschinenbauer Timesavers fündig geworden. Gratfreie Schweißbaugruppen mit abgerundeten Kanten sind nun Standard bei dem Produzenten komplexer Bauteile aus Stahl, Aluminium oder Edelstahl.

04. Dezember 2017
Entzundert, gratfrei und und an den Kanten verrundet kommen die gelaserten Teile aus der Timesavers-Anlage. Bild: Tschätsch
Bild 1: Blank und entgratet (Entzundert, gratfrei und und an den Kanten verrundet kommen die gelaserten Teile aus der Timesavers-Anlage. Bild: Tschätsch)

Die Manager des ostwestfälischen Lohnfertigers RT-Lasertechnik GmbH haben lange hin und her überlegt, wie sie ihren Maschinenpark in Rheda-Wiedenbrück sinnvoll ergänzen können. Eine Maschine zum Entgraten und Reinigen fertiger Bauteile und komplexer Blechbaugruppen stand schon lange auf der Liste nützlicher Investitionen. Doch ein Grund für die verzögerte Kaufbereitschaft war, dass die Kundschaft lange Zeit nicht bereit war, sauber geschliffene Bleche und abgerundete Blechkanten entsprechend zu honorieren. Doch nach der Neufassung der EN 1090 hat sich in diesem Zusammenhang entscheidend etwas geändert. Jörg Teckentrup, Prokurist und Betriebsleiter bei RT, beschreibt die neue Situation einfach mit dem Stichwort ›Korrosionsschutz‹. Der nun in der EN 1090 mit Datum 1. Juli 2014 fest verankert worden ist. Denn mit der verbindlichen Gültigkeit dieser Norm müssen nun Schlossereien oder Metall- und Stahlbauunternehmen ihre Produkte mit CE-Kennzeichnung ausliefern.

Der Hersteller, der die Konformität des Produktes mit den technischen Spezifikationen durch Vergabe des CE-Kennzeichens bestätigt, muss nun die Verantwortung auch für die fachgerechte Ausführung des Korrosionsschutzes übernehmen. Das bedeutet, dass die Hersteller, im Normalfall das ausführende Metall- oder Stahlbauunternehmen, auch die Übereinstimmung der Korrosionsschutzarbeiten mit den dafür geltenden technischen Regeln sicherstellen müssen. Damit der Hersteller EN-1090-gemäß seine Verantwortung für eine fachgerechte Ausführung des Korrosionsschutzes erfüllen kann, muss er entweder selbst alle dafür notwendigen Maßnahmen intern umsetzen oder sich von Unterauftragnehmern den entsprechenden Nachweis dafür erbringen lassen. Das war bei der RT Lasertechnik GmbH sozusagen die Initialzündung für den Kauf einer geeigneten Schleifmaschine.

Erfolgreiche Suche

Bei der Suche nach einer am besten geeigneten Entgrat- und Schleifmaschine wurden die Verantwortlichen RT-Manager bei der Timesavers International B.V. im niederländischen Goes fündig. Entgraten sei früher als eine Zugabe angesehen worden, die sich der Kunde kaum Geld habe kosten lassen, kommt der RT-Betriebsleiter ohne Umschweife auf einen wichtigen Punkt zu sprechen: »Mit der neuen Norm EN 1090 hat sich aber vieles geändert. Vor allem ist das Entgraten nun sein Geld wert.« Die aktuellen Regelungen sehen unter anderem auch vor, dass bei Farbgebungen wegen des Risikos der Farbflucht ein Radius auf der Kante sein muss, um der Forderung nach Korrosionsschutz zu entsprechen.

Große Erweiterung der Bearbeitungspalette

Deshalb wurde bei dem für Laserarbeiten perfekt aufgestellten Spezialisten in Rheda-Wiedenbrück eine neue Timesavers-Schleifmaschine installiert. Es ist die ›42 RB 1350 mm Series‹, die aus Sicht der Manager in Rheda-Wiedenbrück perfekte Maschine für die Oberflächenveredlung und -behandlung von laserbehandelten Blechen.

Die moderne Rotations-Bürstenmaschine erweitert die Bearbeitungspalette für die RT-Lasertechnikkunden enorm, indem sie das Vorschleifen, Entgraten, Abrunden von Blechkanten und Feinschleifen in nur einem Arbeitsgang übernimmt. Jörg Teckentrup: »Werkstücke bis zu einer Stärke von 100 mm und einer Arbeitsbreite bis zu 1.350 mm können jetzt mit der neuen Maschine präzise bearbeitet werden.« Ergänzt wird er an diesem Punkt von Klaus-Dieter Borak, dem Außendienstmitarbeiter des niederländischen Maschinenbauers: »Das gilt für alle gängigen Metalle, von Stahl und Edelstahl bis hin zu Aluminium und Messing.«

Angesprochen werden Kunden, die ein entgratetes Werkstück höchster Qualität und mit einem gutem Finish brauchen. Die Maschine bietet eine gleichmäßige, steuerbare Kantenabrundung in alle Richtungen für flache Werkstücke oder Werkstücke mit Umformungen. Ganz besonders wichtig ist, dass die rotierenden Bürsten die Kanten großer und kleiner Werkstücke entgratet, ohne die Oberflächenbeschichtung zu beschädigen. Die multifunktionale Bürstenmaschine von Timesavers deckt nach Aussage von Klaus-Dieter Borak sämtliche Ansprüche ab. »Es ist kein Problem, mit unserer Maschine kleine und große Bauteile zu schleifen, Grate zu entfernen und zu entzundern.«

Rotations-Bürstenmaschine gesucht und gefunden

Auf die Ansprüche von RT-Lasertechnik bezogen scheint dieses Gerät vor allem wegen seiner Flexibilität als die beste Lösung. Die ausgewählte Maschinenvariante zur Entgratung und Kantenverrundung ist mit vier Schleifbändern oder einer beliebigen Kombination von Bändern und Bürstenköpfen ausstattbar. Sie ermöglicht ein automatisches Anheben oder Senken jedes Schleifkopfes zum einfachen Wechsel in der Anwendung oder der Schleifkapazität. Alles läuft, ohne die Beschichtung zu beschädigen.

Eine andere, größere Maschine im Timesavers-Angebot, die 81er-Serie, wird zum Präzisionsschleifen von Titan, Molybdän, Edelstahl, Aluminium-Nickel-Legierungen und Karbonstahl eingesetzt. Zur Ausstattung gehört hier ein pendelndes Maschinenbett. Um die Toleranzen möglichst gering zu halten, wird ein breites, beschichtetes Schleifband verwendet, mit dem eine Genauigkeit von ± 0,02 Millimetern erreicht werden kann.

Nächster Schritt: ›Alles aus einer Hand‹

RT-Lasertechnik-Betriebsleiter Jörg Teckentrup ist von diesen Methoden, nach Maß zu schleifen, hellauf begeistert. Zu seinen Kunden zählen auch Weiße-Ware-Hersteller. Auch dort bilden sich in der Produktion scharfe Kanten, die beseitigt werden müssen. Ganz stark ist aber die Aufgeschlossenheit in der Landmaschinentechnik. Dort hat man festgelegt, die Bauteile nur noch mit einem Radius der Schneidkante von R03/04 angeliefert zu bekommen. Ohne ›runde Kanten‹ bestünden hier ganz besonders hohe Risiken der Farbflucht oder mangelnden Korrosionsschutzes.

Zur zukünftigen Produktions- und Fertigungsstrategie beschreibt Jörg Teckentrup: »Wir forcieren zunehmend die weitere Fertigungstiefe, denn die Kunden wollen von uns ein fertiges Produkt geliefert bekommen. Komplett geschweißt, beschichtet, gefräst, mit vormontierten Kabelbäumen ist unser Ziel.«

Dass die Auslieferung an die Kunden just-in-time abgewickelt wird, ist für Jörg Teckentrup selbstverständlich. Außerdem stehen weitergehende Montagearbeiten in der unternehmerischen Planung. In diese vorgesehene Fertigungskette fügt sich die neue Rotations-Bürsten-Schleifmaschine von Timesavers optimal ein.

Für Klaus-Dieter Borak steht schon jetzt fest, dass bei der erweiterten RT-Produktpalette Bedarf für weitere Timesavers-Maschinen besteht. In Rheda-Wiedenbrück wird deshalb weiter beraten und nachgedacht.

Hans-Ulrich Tschätsch

Fachjournalist aus Essen

Erschienen in Ausgabe: 07/2017