Bis zu 50 Prozent Fertigungszeit sparen

Titelstory

Ergonomie - Es sind nicht nur die mit Highspeed produzierenden Maschinen und Anlagen, mit denen Metall verarbeitende Unternehmen ihr Geld verdienen. Gleichermaßen kommt es auf die passende Betriebseinrichtung an, mit der sich der gesamte Produktionsfluss optimieren lässt. Seit über 27 Jahren steht dafür die Apfel GmbH in Dossenheim mit ihrem breiten Lösungsangebot, das Unternehmensgründer und Geschäftsführer Stefan Apfel im Interview erläutert.

15. April 2016
»Wir setzen Trends für die Automation und die Betriebsorganisation.« Stefan Apfel, Geschäftsführer Apfel GmbH
Bild 1: Bis zu 50 Prozent Fertigungszeit sparen (»Wir setzen Trends für die Automation und die Betriebsorganisation.« Stefan Apfel, Geschäftsführer Apfel GmbH)

Professionelle Betriebseinrichtung bedeutet, den Menschen in der Fertigung die Ängste zu nehmen, die Nöte zu erkennen, ihre Betriebsabläufe direkt unter die Lupe zu nehmen und daraufhin die Produktionsorganisation sowie die Prozessketten für die entsprechenden Produkte zu optimieren.

Worauf liegt dabei Ihr Fokus?

Der Fokus liegt sehr im Detail der auszuführenden Arbeiten. Die Maschinenhersteller sind ja in erster Linie bestrebt, möglichst gute und schnelle Maschinen zu bauen; wir legen den Fokus nicht darauf, wie schnell die Maschine läuft, sondern auf Lösungen im Umfeld einer Maschine, die darauf abzielen, dass ein Bauteil in einem optimalen Fertigungsdurchlauf hergestellt werden kann.

Entwickeln Sie Ihre Betriebseinrichtungen nur für bestimmte Branchen?

Nein, wir entwickeln unsere Produkte für alle Branchen, die auf eine optimale Fertigung Wert legen. Aber am besten sind wir in der Metallbearbeitung. Deren Probleme kennen wir am besten, nämlich aus eigener Erfahrung. Oft sind es die sehr beengten Platzverhältnisse. Dafür mussten wir schon immer intelligente Lösungen finden. Deshalb kennen wir uns in den Branchen der Blechbearbeitung mit Stanzen, Zerspanen, Biegen und dem dazugehörigen Schweißen samt Pulverbeschichtung sehr gut aus und können uns bestens in die Situation unserer Kunden hineinversetzen. Das macht unser Lösungsangebot auch glaubhaft, weil wir aus langjähriger Erfahrung wissen, welche Probleme dort bestehen und welche Anforderungen an optimale Betriebsabläufe gestellt werden.

Grenzen Sie Ihren Kundenkreis und die Anwender genau ab?

Man muss unterschieden zwischen Lohnfertigern, die nur als Zulieferer agieren, und Fertigungsbetrieben mit eigenen Produkten, denn hier gibt es unterschiedliche Gedankengänge.

Auch unterscheiden wir zwischen Neueinsteigern, wo die Maschinenkapazitäten noch nicht ausgereizt sind und der Mitarbeiter jeden Fertigungsschritt noch selbst begleiten kann, und Industriebetrieben, in denen die Arbeitsschritte bereits klar und sauber unterteilt sind. Je nach Organisation, Kundenbedarf und Zielen empfehlen wir unsere entsprechenden Lösungen – nach dem Motto: »Nicht so gut wie möglich, sondern so gut wie nötig.« Somit sind wir in der Lage, für jede Anforderung und Investitionsgröße jederzeit das richtige Produkt anzubieten, das sich meist in kürzester Zeit amortisiert.

Wie viele unterschiedliche Produkte oder Lösungen bieten Sie mit Ihrem gesamten Portfolio an?

Mittlerweile haben wir in unserer 27-jährigen Unternehmensgeschichte viele Hundert Lösungen realisiert, die wir leider nicht alle gleichermaßen bewerben können, da die Kunden sonst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Daher konzentrieren wir uns in der Außenwerbung auf Produkte, die die wichtigsten Bedarfe in den meisten Blechfertigungen abdecken.

Handelt es sich dabei vor allem um Standardlösungen oder offerieren Sie auch spezielle Kundenlösungen?

Wir versuchen vor allem, aus unseren Standardlösungen auch spezielle Kundenlösungen zu realisieren. Denn damit sparen wir dem Kunden unnötige Kosten. Als Beispiel verweise ich auf unsere Schweißarbeitsplätze. Diese sind in erster Linie für das Schweißen von Stahlwerkstoffen ausgelegt. In Ergänzung können diese jedoch mit einem Absaugsystem modular erweitert werden, wenn es um Edelstahl geht. Wir achten dabei vor allem darauf, dass die Systeme im Umluftbetrieb arbeiten, um die Hallenwärme zu erhalten. Ebenso ist uns die Ergonomie und damit das Wohlbefinden und die Sicherheit des Schweißers äußerst wichtig.

Sind das immer nur Einzel- oder so genannte Stand-alone-Lösungen? Steckt hinter Ihrem Angebot ein bestimmtes System?

Wir pflegen den Modulgedanken und setzen die Produkte auch dementsprechend um. Das ermöglicht, immer auf die Wünsche der Kunden einzugehen. Denn sollte sich nach Jahren der Erstausrüstung durch veränderte Anforderungen beim Kunden und aus den unterschiedlichsten Gründen eine Nachrüstung ergeben, bieten wir ihm die größtmögliche Flexibilität. Das Modulsystem ermöglicht es, Betriebseinrichtungen auch noch nach Jahren neuen Anforderungen anzupassen.

Wenn wir jetzt einen typischen Kunden von Apfel betrachten, was kann der alles von Ihnen bekommen?

Er kann von uns, angepasst an seinen Maschinenpark, die komplette Betriebseinrichtung bekommen. Wir vergleichen unser System immer mit einer Einbauküche und adaptieren diesen Gedanken an unsere Produkte. So wie sich mit der Einbauküche die Abläufe in der Küche optimieren lassen, so funktioniert es auch mit unseren Lösungen im Metall verarbeitenden Betrieb. Wir erleichtern damit dem Mitarbeiter seine Tätigkeiten.

Lassen Sie mich nochmal auf unsere Schweißarbeitsplätze zurückkommen: Dort ist es möglich, auf einer Stellfläche von der Größe einer Telefonzelle (zirka 1 m²), einen Werkzeugschrank zu stellen, der pro Auszug mit 900 kg belastbar ist. Über diesem Werkzeugschrank ist eine Ablage, in der Regel eine Holzplatte, integriert, die Platz für zusätzliche Maschinen wie etwa eine WIG-Schweißmaschine, Plasmaschneidegräte, Nietmaschinen oder Schweißtrafos bietet. Über der Ablage sind unsere umluftbetriebenen Absaugsysteme greifbar angeordnet und somit fürs Einschalten, Filterwechseln leicht zugänglich. All dies ist in einem massiven Rahmen eingefasst. An diesem Rahmen sind zwei Auslegergelenkarme montiert, die jeweils links und rechts über 5 m den Schweißrauch erfassen können. Darüber hinaus gewährleisten sie, dass die Lichtverhältnisse an der Schweißstelle optimal sind, damit auch Automatikschweißhelme ordentlich funktionieren.

Können Sie bitte einige spektakuläre und besonders intelligente Lösungen kurz anreißen? Nennen Sie ein paar Highlights!

Wie schon gesagt, achten unsere Kunden vor allem darauf, dass die Werkzeugmaschine effektiv und schnell läuft. Das gilt auch für den Schweißbetrieb. Und gerade dort ist oft die Zeit stehen geblieben. Vielen Betrieben ist das gar nicht so bewusst, dass die Schweißerei der Kostentreiber Nr. 1 ist. Hier setzen wir mit unseren Lösungen an und schaffen für den Schweißer und den Schweißprozess das Optimum, und dies regelkonform unter Berücksichtigung der geltenden Vorschriften und Normen. Damit verkürzen wir beispielsweise Wegezeiten mit einem Einsparpotenzial bis 50 Prozent pro Produkt. Der Schweißer hat somit alle Werkzeuge in unmittelbarer Reichweite. Das gilt für das Wechseln der Schleifscheiben genauso wie für alle anderen Arbeitsmittel. Damit werden auch Arbeitsunfälle gänzlich vermieden, da auf dem Flur liegende Kabel keine Stolperfallen mehr bilden. Das Einsparpotenzial können wir mit Zahlen aus unserem eigenen Haus belegen.

Wie entwickeln Sie Ihre Produkte und Lösungen? Was verlangt der Markt und wie werden Sie den Anforderungen gerecht?

Die Entwicklungen, die wir anbieten, kommen meistens aus dem eigenen Haus. Unsere Anforderung und Ziele formulieren wir aus den Gesprächen mit unseren Kunden, sei es beim Kunden im Werk, in unserem Hause hier in Dossenheim oder auf Messen.

Die Produkte, die wir entwickelt haben, bauen wir zunächst als Muster in unserer eigenen Fertigung auf, und nach einer gewissen Zeit, wenn sie unserem eigenen Anspruch genügen und die Hürde einer selbstkritischen Betrachtung genommen haben, geben wir das Produkt für Markt und den Kunden frei.

Da die meisten Produkte, so auch die Schweißausrüstungen, immer kleiner und zugleich komplexer werden, müssen wir unser Angebot permanent den aktuellen Maschinen und Erfahrungen anpassen.

Würden Sie sich und Ihr Unternehmen als Treiber für Automatisierungslösungen betrachten?

Ja, wir sehen uns gewissermaßen als Treiber der Automatisierung, da wir schon seit längerem ergänzend zu unseren Schweißarbeitsplatz-Lösungen auch Lagertürme mit anbieten. Das ermöglicht unseren Kunden, Halbzeuge oder auch Schweißvorrichtungen vollautomatisiert und platzsparend einzulagern, um die Hallenhöhe entsprechend zu nutzen. So können Sie zum Beispiel aus 4 m² Stellfläche über 100 m² Nutzfläche generieren. Das heißt, dass der Mitarbeiter nicht mehr wie früher zum Produkt geht, sondern das Produkt zum Mitarbeiter kommt.

Setzen Sie mit Ihrem Lösungsangebot Trends für die Automatisierung und Betriebsorganisation?

Ja, der nächste Schritt ist bereits schon in der Entwicklung. So werden wir an unseren LTL (Lagerturm) einen Roboter anbinden, der es ermöglicht, unterschiedlichste Bauteile automatisiert miteinander zu verschweißen.

Es ist uns erst im Laufe der Jahre bewusst geworden, welche Rolle wir für die Industrie auch im Hinblick auf 4.0 spielen und dass wir in gewissem Maße als Trendsetter fungieren und was unsere Entwicklungen für den späteren Standard bedeuten.

Ist Ihr Geschäft international, und wie erreichen Sie Ihre Kunden in Deutschland, Europa und weltweit?

Durch unsere Auftritte auf internationalen Messen haben wir Kontakt zu Kunden aus aller Welt. Dabei haben wir festgestellt, dass Interessenten außerhalb Deutschlands wesentlich leichter von der Produktivität und der Optimierung der Betriebsabläufe zu überzeugen sind als unsere deutschen Kunden.

Unsere Produkte sind aber allgemein sehr begehrt. Die ausgereiften Lösungen, die wir offerieren, erleichtern entsprechende Arbeitsprozesse, was im Besonderen auch Unternehmen in Schwellenländern ermöglicht, ordentliche Produkte zu liefern. Kleine und internationale Unternehmen sind aus Erfahrung unkomplizierter als Großbetriebe und eher zu Investitionen bereit.

Sind Ihre Angebote beratungsintensiv oder findet Ihr Kunde anhand Ihrer Kataloge, Prospekte oder im Internet selbst sein Produkt, seine Lösung?

Wir versuchen den Kunden unter anderem mit Bildmaterial wie Zeichnungen oder Grafiken zu überzeugen. Dort berücksichtigen wir seine eigenen Maschinen und Platzverhältnisse und bauen unsere Lösungen mit ein. Das ist ein erster verständlicher Schritt für den Investor. Für ein Optimum ist es aber schon sinnvoll, dass wir als Firma Apfel intensiv mit dem Kunden zusammenarbeiten und ihn umfassend beraten. Manchmal geht das telefonisch, meist aber auch über einen persönlichen Kontakt. Standardprodukte bestellen unsere Kunden auch selbst. Es ist wie in einer Fangemeinde, die sich bei uns bestens auskennt und ihre Produkte selbst ordert.

Apfel glänzt, trotz der permanenten Weiterentwicklung seiner Produkte, bereits seit vielen Jahren durch seine Preisstabilität. Als besonderer Kundenvorteil gilt, dass Interessenten alle Produkte, die Apfel entwickelt, baut und anbietet, im eigenen Betrieb, in Dossenheim bei Heidelberg, live erleben können.

Apfel bietet mittlerweile auch Mitarbeiterschulungen an. Diese können generell von Apfel-Kunden und Interessenten gebucht werden, um Fertigungsabläufe in deren Betrieb komplett zu optimieren. Vielfach konnte so schon ein Neubau oder ein Umzug vermieden und trotzdem eine verbesserte Ertragslage und kürzere Lieferzeiten erzielt werden.

Dietmar Kuhn, Fachjournalist aus Lauda-Königshofen

Individuelle Lösungen für jeden

Vor dem Hintergrund einer 27-jährigen Erfahrung entstehen bei Apfel Arbeitsinseln, Werkzeugschränke, Regalschränke, Lagertürme, Schrottboxen, Auslegergelenkarme und Schweißarbeitsplätze, die sowohl als Einzellösungen wie auch in unterschiedlichsten Kombinationen (insbesondere wegen der Modularität) ein Optimum im Betriebsablauf unterstützen.

Vieles aus dem Apfel-Portfolio ist Standard, zu einem erheblichen Teil aber auch eine kundenspezifische Sonderlösung. Um die 40 Mitarbeiter sind es, die in Dossenheim intelligente Produkte entwickeln, konstruieren, fertigen und, wenn nötig, auch beim Kunden in Betrieb nehmen.

Wenn eine Apfel-Lösung besonders erwähnt werden soll, dann ist es der neue ergonomische Schweißarbeitsplatz SAP. Besonderheit daran sind die beiden voll schwenkbaren Arme, über die die gesamte Infrastruktur am Arbeitsplatz wie Energie, Druckluft, Abluft und Gaszuführung sichergestellt wird. Da liegen keine Kabel oder Schläuche mehr im Weg, und es ist alles griffbereit für den Schweißer. Alles ist in einer Armlänge Abstand erreichbar. Die Gesundheit des Schweißers ist in allen Belangen sichergestellt. Apfel bietet für den Schweißarbeitsplatz auch Zubehörlösungen an: Da wäre einerseits die Bürostation für Monitor und Drucker, des Weiteren ein Werkzeugmodul mit integriertem Schweißgerät, ein Schraubstock mit Montagesockel sowie eine Absaughaube mit Beleuchtung. Zusammen mit den Peripherieangeboten bildet der Schweißarbeitsplatz einen eigenen kleinen Betrieb ab – und das alles auf kleinstem Raum mit gerade mal 1 m².

Erschienen in Ausgabe: 03/2016