Betreiber in der Pflicht

Laut der aktuellen IFS-Brandursachenstatistik entstehen rund 33 Prozent der Brände durch Mängel an elektrischen Anlagen. TÜV-Nord-Experten weisen darauf hin, dass Betreibern elektrischer Anlagen im Schadensfall neben eventuellen Produktionsausfällen ein enormes Haftungsrisiko droht. Das kann massive Kürzungen der Versicherungsleistung zur Folge haben. Viele Betreiber sind sich ihrer gesetzlichen Pflicht jedoch nicht bewusst.

24. März 2016

Zur Minderung des Risikos von Bränden fordert der Sachversicherer eine jährlich oder zweijährlich wiederkehrende Prüfung der elektrischen Anlagen – die sogenannte VdS-Prüfung. Darüber hinaus sind Arbeitgeber durch die Betriebssicherheitsverordnung gesetzlich verpflichtet, die elektrischen Betriebsmittel regelmäßig zu prüfen. Doch vielen Betreibern sind nach Erkenntnissen von TÜV Nord sowohl die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Prüfinhalte als auch die detaillierteren VdS-Richtlinien nicht bekannt.

„Ohne fachgerechte Instandhaltung und Prüfungen kann bei elektrischen Anlagen kein ausreichendes Maß an Betriebssicherheit sowie der erforderliche Personen-, Sach- und Brandschutz gewährleistet werden“, so Kristoph Keunecke, Experte für Elektro-, Klima- und Medizintechnik bei TÜV Nord. „Für Betreiber, die ihre Anlagen regelmäßig prüfen, reduziert sich die Brandgefahr deutlich. Ein weiterer Vorteil: Durch angepasste Prüffristen und günstige Versicherungspolicen können Betreiber Kosten sparen.“

Vor allem alte Anlagen gefährdet

Die Brandgefahr kann bei Alt-Anlagen besonders hoch sein, da sie auf Basis alter Normen errichtet wurden. Sofern keine Nutzungsänderung vorliegt, besteht in der Regel keine Anpassungspflicht dieser elektrischen Anlagen an heutige Sicherheitsstandards.

„Zu den typischen Mängeln zählen mögliche Überlastungen von Betriebsmitteln und Leitungen durch fehlerhafte Absicherungen, mehrfach in Reihe geschaltete Steckdosenleisten, nicht fachgerecht an Verbindungsklemmen angeschlossene Leiter sowie stark verunreinigte Elektroverteiler“, erklärt Keunecke.

Schritt für Schritt prüfen

Für die VdS-Sachverständigen vom TÜV Nord steht nicht nur die Prüfung der elektrischen Anlage im Fokus. Viele Betreiber lassen sich von den Experten bei der Erstellung individueller Prüfkonzepte beraten. Denn bei sehr großen Anlagen kann es aufgrund des hohen Prüfumfangs sinnvoll sein, die Prüfungen sukzessive durchzuführen – also jedes Jahr schwerpunktmäßig verschiedene Bereiche der Anlage zu prüfen.

„Dieses Vorgehen funktioniert nur mit Einverständnis der Versicherer, reduziert die Kosten für den Versicherungsnehmer aber deutlich“, erklärt Keunecke. Zudem kann die VdS-Prüfung bei anstehenden baurechtlichen Prüfungen der elektrischen Anlage oder bei Einzelbauauflagen der Behörde eingebunden werden, um eine doppelte Begehung der Anlage zu vermeiden.