Besserer Workflow

Fokus

Die Intralogistik im Bestand zu modernisieren, ist stets eine Herausforderung: Einerseits sorgen nur grundlegende Veränderungen für einen höheren Auslastungs- und Automatisierungsgrad, andererseits soll die Produktion nur kurze Zeit stillstehen. Zum Glück gibt es Experten.

10. Februar 2014

Als Ende 2012 bei BHS-Sonthofen in der Teilefertigung der Austausch zweier Autogen- und Plasmabrennschneiden anstand, entschloss man sich, gleichzeitig die eigene Intralogistik zu modernisieren.

Der Anlagenbauer schrieb ein automatisches Blechlagersystem mit Beladeeinheit aus. Daneben sollte das Insourcing im Materialzuschnitt erhöht werden. Hierzu wurden eine Wasserstrahlschneidanlage und eine kombinierte Autogen- und Plasmaschneidanlage mit vier Schneidplätzen angeschafft.

Gesucht wurde ein Partner, der ein modernes Verwaltungssystem mit Schnittstellen zur CAD-CAM-Software liefern und in Verbindung mit den neuen Schneidmaschinen eine effektive Bedienung der Arbeitsplätze gewährleisten konnte. Dieser Partner wurde in der Kemper Storatec GmbH gefunden.

»Zusammen mit den Herstellern der Schneidmaschinen und dem Lieferanten für die CAD-CAM-Software haben wir hier einen großen Sprung geschafft«, sagt Gerd Kemper, Geschäftsführer der Kemper-Gruppe.

Das ursprüngliche Freiluftlager musste im Winter von Schnee befreit werden

Bis zum Einsatz des neuen Lagersystems wurden angelieferte Rohbleche vorwiegend unter freiem Himmel gelagert. Bei starkem Schneefall mussten lagernde Bleche häufig erst vom Schnee befreit werden, um die jeweils benötigte Metallstärke identifizieren zu können. Dann wurde das Material per Gabelstapler in die Produktion gefahren, wo die beiden Plasma- und Autogenbrennschneiden manuell und per Kran mit dem Schnittgut bestückt und wieder entladen wurden. Während dieser Handlingprozesse konnte an den Schneidarbeitsplätzen nicht gearbeitet werden, die Anlagen standen still.

»Wir wollten den internen Logistikaufwand minimieren«, beschreibt Christian Rick, gesamtverantwortlicher Produktionsleiter, den Leitgedanken der BHS-Sonthofen GmbH bei der Restrukturierung. Die Anforderungen an das neue Materialwirtschaftssystem wurden in einem Lastenheft zusammengetragen. Kemper Storatec konnte sich durch überzeugende Lösungen, flexible Anpassungen und mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Ausschreibung durchsetzen.

Kurz vor Weihnachten 2012 wurde das Blechlagerregal mit 245 Systempaletten und Regalbediengerät aufgebaut und das Hallengebäude erweitert. Hier spielt das Regal nicht nur im organisatorischen, sondern auch im baulichen Sinne eine tragende Rolle: Die Pfeiler und Querverstrebungen des Regals stützen das erweiterte Hallendach ab. Die neue Blechfassade wurde an der Regalkonstruktion befestigt. Christian Rick lobt den reibungslosen Ablauf: »So hatten wir vor dem ersten großen Schneefall alles unter Dach und Fach und konnten über den Jahreswechsel die alten Schneidanlagen ausbauen.«

Anfang 2013 wurde die Hallenfläche saniert. Ende Januar begann Kemper Storatec damit, die Peripherie, bestehend aus Einlager- und Bereitstellstationen, sowie die elektrische und steuerungstechnische Ausrüstung des Lagersystems zu installieren und in Betrieb zu nehmen.

Kemper Storatec übernahm auch die Federführung beim Aufstellplan und der Integration der neuen Schneidmaschinen, einer kombinierten Autogen- und Plasmaschneidanlage der Zinser GmbH und einer Wasserstrahlschneidanlage von Waterjet Sweden GmbH. Die CAD-CAM-Software mit Schnittstelle zum ERP-System und zum Lagerverwaltungsrechner von Kemper Storatec installierte Lantek.

Schon im Februar konnte BHS-Sonthofen mit der neuen Schneidtechnik arbeiten. Nach der Inbetriebnahme und eingehender Bedienerschulung durch Kemper Storatec wird die Gesamtanlage seit April im Automatikbetrieb gefahren.

Für die Materialanlieferung fungiert jetzt ein Materialtransportwagen mit hydraulischem Scherenhubtisch und Entpalettiereinheit. Dieser Transportwagen fährt die angelieferten Platinen in die Übergabeposition zum Regalbediengerät. Hier werden dann die Systempaletten mit dem Material gewogen und in eines der 245 Regalfächer eingelagert. Die Verwaltung des Materials erfolgt nach Artikelnummer, Charge, Werkstoff, Abmessung, Stückzahl und Gewicht.

Rüstzeiten auf Minimum reduziert – technische Verfügbarkeit deutlich erhöht

Wird ein Auftrag für die Schneidarbeitsplätze ausgelöst, befördert das Regalbediengerät das jeweils benötigte Blech aus dem Lager heraus und legt es auf einem der drei Tandem-Bereitstellstationen ab. Von diesen Pufferplätzen aus hebt die Vakuumtransporteinheit mit einer Nutzlast bis 2000 Kilogramm die Platine zur Bearbeitung auf den Schneidetisch.

Restbleche, die noch verwertet werden können, werden nicht händisch, sondern ebenfalls über die Vakuumtransporteinheit und die Pufferplätze wieder im Regal eingelagert und als Bestand verwaltet. Während dieser Handlingsprozesse kann die Autogen- und Plasmaschneidanlage von Zinser weiter arbeiten.

An der Wasserschneidanlage von Waterjet Sweden mit einem Arbeitsplatz konnte die Wechselzeit auf ein Minimum reduziert werden. Die Beladebrücke mit einer Spannweite von 18 Metern und die Vakuumtransporteinheit garantieren mit ihren dynamischen Leistungsdaten die kontinuierliche Beschickung der insgesamt fünf Schneidplätze. »Während vorne die geschnittenen Gutteile abgeladen werden, kann die Anlage an der anderen Seite weiterschneiden. So konnten wir unsere technische Verfügbarkeit drastisch erhöhen«, sagt Christian Rick.

Eine Fernwartung erhöht die Verfügbarkeit

Gut sechs Monate nach der Abnahme zieht der Produktionsleiter ein durchweg positives Fazit: »Anhand der Produktionskennzahlen sieht man, dass wir uns stetig verbessert haben«.

Sollte es einmal zu Störungen kommen, können diese über eine Fernwartung umgehend lokalisiert und behoben werden. Gerd Kemper ergänzt: »Neben einer intensiven Schulung haben wir den BHS-Mitarbeitern eine ausführliche Dokumentation an die Hand gegeben, so dass sie sich meist selbst behelfen können. Sollte dies einmal nicht mehr ausreichen, ist Kemper Storatec in wenigen Stunden vor Ort.«

Bis dahin könne die Anlage, beziehungsweise Anlagenteile durch verschiedene Betriebs- und Bedienungsarten meistens in Funktion bleiben, sagt Gerd Kemper. Erweiterungen plant Christian Rick vorerst nicht: »Die Anlage ist vorausschauend geplant und entsprechend dimensioniert.«

Carsten Hinnah

Fachjournalist aus Münster

Hintergrund

Kemper Storatec ist ein international agierender Anbieter von Lager-, Automatisierungs- und Steuerungstechnik mit über 20 Jahren Erfahrung. Anspruch ist es, die Einrichtung, Modernisierung oder Erweiterung aus einer Hand zu übernehmen. Individuelle Lösungen für das Handling und den Transport von Flach- und Lagergütern bis hin zu umfangreichen Steuerungs-, Lagerverwaltungs- und Automatisierungskonzepten realisiert Storatec von der Planung bis zur Montage. Durch den modularen Aufbau der Produkte ermöglicht das Unternehmen Erweiterungen und Anpassungen, die exakt auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2014