Bänder mit Oberflächenqualitäten

Spezialmaschinenbauer sorgt für den richtigen Schliff

Viele Oberflächenveredler für den Blechbereich kommen eigentlich aus dem Sektor Holzbearbeitungsmaschinen. So auch ein norditalienisches Familienunternehmen, das seit drei Generationen vom Entzundern bis zur Spiegeloberfläche von Edelstählen ein wahrhaft breites Band an Schleif- und Polierstraßen, Walzen-Bürstmaschinen, Toleranzschleifverfahren und Sondermaschinen zu bieten hat.

26. Juni 2003

Wenn Dr. Ing. Francesco A. Zenere über sein Unternehmen spricht, dann beschreibt er zugleich ein Stück Familientradition. Imeas, das Kürzel für „industria macchine ed attrezzature speciali“, was soviel bedeutet wie „Industriemaschinen und Spezialwerkzeuge“, hat sein Stammwerk in Villa Cortese, nahe Mailand. Hier stellen die rund 90 Mitarbeiter ihr Können und Wissen in den Dienst der definierten Oberflächen, sowohl im Holz- als auch im Metallbereich und erwirtschafteten im letzten Jahr einen Umsatz von etwa 15 Mio. Euro. Da das Maschinenbauwerk sich auf Nischen spezialisiert hat, bringt das einen hohen Anteil an Spezialmaschinen mit sich. Deshalb verwundert es nicht, daß ein hoher Anteil der Beschäftigten - etwa 15 bis 20 Mitarbeiter - in der Projektierung für den reibungslosen Ablauf von der Kundenanfrage bis zum Endprodukt sorgen.

Spezialisiert auf Nischen

„1962 gründete mein Großvater zusammen mit einem amerikanischen Ingenieur sein erstes Unternehmen. Er entwickelte und baute die ersten Breitbandschleifmaschinen und verkaufte die Lizenz an ein deutsches Unternehmen. Bald zeigte sich, daß viele Verfahren vom Holzbereich direkt auf den Metallbereich übertragbar waren. So taten sich neue Märkte auf, und der Metallbearbeitungssektor wuchs kontinuierlich. Heute halten sich der Anteil an Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen in etwa die Waage. Neben diesen Schwerpunktbereichen findet man die innovativen Maschinen jedoch auch in der Kunststoffindustrie oder beispielsweise auch Spezialmaschinen mit Diamantwalzen zum Schleifen von Zahn- und Flachriemen aus Gummi. Hier sorgen Imeas-Maschinen nicht nur für feinste Oberflächen mit engsten Toleranzen - deutsche Kunden fordern hier Toleranzen von 0,01 mm -, sondern sie stehen auch für lange Standzeiten. Die Lebenserwartung der Imeas-Diamantwalzen, bei hohem Materialdurchlauf im Dreischichtbetrieb, kann hier bis zu drei Jahren betragen. Wenn wundert& pos;s, daß solch erfolgreiche „Individualisten“ inzwischen die ganze Welt erobert haben?

Internationaler Erfolg mit Spezialmaschinen

„Wir haben eine 100-Prozent-Tochter in den USA, ein Joint-venture-Unternehmen in China und sogar ein Büro in Australien“, erläutert der Geschäftsführer und freut sich speziell über die Entwicklung im asiatischen Raum und nennt Taiwan, wo Imeas mit seinem Verfahren zum richtungsfreien Hochglanzpolieren sehr erfolgreich ist. Inzwischen konnten die Italiener dort schon etwa 20 Anlagen in Betrieb nehmen. „Wer auf dem taiwanesischen Markt Fuß gefaßt hat, so wie wir, dem fällt auch der Schritt nach China leichter. Die Festlandschinesen können von den Erfahrungen auf der Insel direkt profitieren. Mentalitäts- oder Verständigungsprobleme fallen hier weg, denn ein überzeugter Taiwanesischer Kunde kann mehr bewegen als jedes europäische Verkaufsgenie“, verrät Dr. F.A. Zenere.

Doch auch in den USA und in Südafrika hat Imeas Kunden in einem Spezialbereich gewinnen können, dem „Ultrafinishing“ von Aluminium. „Dieses Verfahren kommt direkt aus dem Holzbereich“, erzählt Dr. F.A. Zenere: „Ob Sie MDF-Platten oder Aluminium bearbeiten, ist prinzipiell das Gleiche.“ Auch für den Toleranzschliff großer Edelstahl-Preßplatten, wie sie bei der Herstellung von Laminaten in Pressen verwendet werden, hat Imeas eine Maschine im Programm. „Hier gilt es genaue Toleranzen und Oberflächengüten zu erzielen, denn turnusmäßig müssen die Edelstahl-Preßplatten aufgrund des Wärmeverzuges oder Materialanhaftungen der Dekor- und Isolierlaminate nachgeschliffen werden. Das Material ist sehr teuer und daher rechnet sich das Nachschleifen allemal“, erklärt der Geschäftsführer. Neben dem Toleranzschliff beherrscht Imeas auch den Dekor-Schliff und baut zudem Anlagen zum Schleifen von Warmband zwischen den Schleifvorgängen.

Ein Grund für den rentablen Schliff sind sicher auch die ausgeklügelten Breitband-Schleifmaschinen des italienischen Herstellers, der gerade auf dem Sektor des Toleranzschliffs über eine langjährige Erfahrung verfügt. Die erste Breitband-Schleifmaschine mit Vakuumtisch wurde 1966 ausgeliefert und ist noch heute in Betrieb. Diese Maschinen werden in Tischbreiten von 1.200 bis 3.300 mm und Tischlängen von 2.400 bis 12.000 mm geliefert, mit hydraulisch angetriebenen Tischen auf die die zu schleifenden Bleche mittels Vakuum oder Magneten gehalten werden.

Der Trend geht zum Trockenschliff

Rund 90 Prozent der innovativen Metallbearbeitungsmaschinen aus Villa Cortese werden im Bereich Edelstahl-, Aluminium- und Titanblech eingesetzt. Doch trotz der bekannten Gefahren, wie der Explosionsgefahr von Aluminiumstäuben etwa, geht der Trend vom Naß- zum Trockenschliff. „Die Entwicklungen im Trockenschliffbereich waren in den letzten Jahren sehr groß. Immer mehr Anlagen, speziell im europäischen und US-amerikanischen Raum werden heutzutage trocken gefahren. Neben der Umweltproblematik, bei der Entsorgung der Schlämme von Naßschleifanlagen entfallen hier die hohen Kosten für die korrosionsfeste Ausführung der Anlagen. Vorteile, die speziell die Kunden in westlichen Ländern zu schätzen wissen“, so Dr. Francesco A. Zenere.

Auch im Lebensmittelbereich, in dem Edelstahlbleche mit Sichtschliff gefordert werden, hat sich Imeas einen wichtigen Markt erschlossen. Oft sind die Imeas-Maschinen in einer automatisierten Fertigungsstraße integriert und da gilt es auch die Steuerung und das Softwareprogramm lückenlos zu integrieren. Die Softwarespezialisten von Imeas haben dazu zahlreiche Lösungen entwickelt, um den reibungslosen Ablauf der Gesamtanlage zu gewährleisten. Diese Erfahrungen im Edelstahlschliff machen sich denn auch potente Kunden aus Deutschland zu Nutze. So setzt man beispielsweise im Edelstahl-Service-Center von Thyssen Schulte auf eine Coil-Bürst- und Schleifanlage der Italiener, die Materialstärken von 0,4 bis 4 mm und Coil-Breiten bis 2.100 mm den letzten Schliff geben können. Die Oberflächenrauhigkeit wird durch die Korngröße des Schleifbandes geprägt und hier kann von Korn 40 bis 400 alles realisiert werden. Die maximale Schleifgeschwindigkeit beträgt 30-35 m/min und die Bürstgeschwindigkeit 8-15 m/min. Die Auf- und die Abhaspel können je maximal 30 Tonnen tragen.

Jedem das seine

Ein Grund des Geschäftserfolges liegt sicher auch darin, daß Imeas neben kompletten Breitband-Schleif- und Polierstraßen mit SPS oder PC-Steuerung auf Wunsch die verschiedenen Anlagen kombinieren und schlüsselfertige Fertigungslinien für Bleche und Bänder liefern kann. Auch die notwendige Peripherie, wie die Beschickung, Filter für Öl und/oder Emulsion, Feuerlöschanlagen und die Ölnebel-Absaugung, Auf- und Abwickelhaspel und Handlings-Einrichtungen bekommt der Kunde hier aus einer Hand. „Definierte Oberflächen sind unsere Spezialität. So erzielen wir erstklassige Oberflächenqualitäten mit dem gleichzeitigen Einsatz von Ober- und Unterschliffkabinen in Linie mit mehreren Schleifaggregaten“, erklärt der Dr.-Ing. Francesco A. Zenere. Neben dem variablen Maschinenprogramm und dem konsequenten Kunden-, Wartungs- und Ersatzteildienst, sucht Imeas permanent nach neuen Herausforderungen. Zahlreiche Spezialanlagen in aller Welt belegen das recht Eindrucksvoll.

Erschienen in Ausgabe: 03/2003