Backofenhitze und Dinosauriergewicht

Schwerpunkt

Der erstklassige technische Support und die Produktqualität von Ceratizit begeistert Luciano Giol vom italienischen Stahlkonzern Marcegaglia. Er setzt sie seit Jahrzehnten erfolgreich ein.

26. März 2010

Marcegaglia produziert im italienischen Boltiere (Provinz Bergamo) geschweißte und nahtlose kaltgezogene Rohre für Anwendungen in der Automobilindustrie (etwa 30 Prozent Marktanteil) und in der Hydraulik (etwa 70 Prozent). Ungefähr 100000 Tonnen pro Jahr kommen so alleine in diesem Werk, dem größten von Marcegaglia, zusammen.

Seine Ziehdorne und Ziehmatrizen bekommt Marcegaglia Boltiere von Ceratizit Alserio in Italien, das auf die Entwicklung, Herstellung und Wartung hochwertiger Hartmetallwerkzeuge spezialisiert ist.

Antonello Valsecchi, Anwendungstechniker bei Ceratizit Alserio, erklärt: »Zum Kaltziehen von Rohren ist Hartmetall die erste Wahl für Werkzeuge. Ziehdorne und -matrizen müssen während des Ziehvorganges einen sehr hohen Druck aushalten. Man muss sich vorstellen, dass ein Rohr mit 100 mm Durchmesser mit einer Geschwindigkeit von 25 m/min und einer Zugkraft von 500 kN in die Matrize geschoben wird.« So viel wog auch der größte Dinosaurier Europas.

Außerdem müssen die Dorne und Matrizen eine hohe Verschleißfestigkeit aufweisen. »Der Ziehvorgang findet zwar bei Raumtemperatur statt, aber die Reibung zwischen Rohr, Matrize und Dorn erhöht diese Temperatur auf über 200 Grad«, fügt Antonello Valsecchi hinzu. Eine Hitze also wie im Backofen, die aber einem Ceratizit-Hartmetall-Werkzeug selbstverständlich nichts anhaben kann.

Die am häufigsten zum Rohrziehen verwendeten Ceratizit-Hartmetallsorten sind CTF30, CTM30 und CTM40.

In vier Schritten zum perfekten Rohr

Das Kaltziehen ist ein Prozess zur Reduzierung und Kalibrierung der Innen- und Außendurchmesser eines Rohrs. Es garantiert eine sehr gute Oberflächenqualität und verbessert die mechanischen Eigenschaften des Rohrs.

Schritt 1: Die Rohlinge (8 bis 12 m lang, 10 bis 210 mm Durchmesser) werden wärmebehandelt, um das Material weicher zu machen.

Schritt 2: Die Rohlinge werden einseitig kalt ›angespitzt‹, damit sie in die Matrize gezogen werden können. Das Rohr wird dazu 20 bis 30 cm in eine Ceratizit-HM-Matrize geschoben. Durch deren konische Oberfläche wird der Rohrdurchmesser reduziert, danach wird das Rohr auf der selben Seite der Matrize wieder herausgezogen. Diese Reduzierung erfolgt stufenweise durch zwei bis vier Matrizen.

Schritt 3: Die Rohlinge werden einer chemischen Behandlung unterzogen, durch die ihre Oberfläche mit einer Säure gereinigt wird. Nun kann das Rohr in das Ziehwerkzeug eingeführt werden.

Schritt 4: Die Rohre werden auf Ziehbänken mit Ziehdornen und -matrizen von Ceratizit gezogen. Das Rohr wird dazu in die Matrize geschoben, der Ziehdorn im Rohr platziert. Anschließend wird das Rohrende mittels der auf der Ziehbank angebrachten Greifer befestigt und das Rohr ganz in die Matrize gezogen.

Hartmetall-Werkzeuge fürs Kaltziehen

Ein Ziehdorn ist ein Hartmetallring, der auf einen Stahlschaft montiert und mit einer speziellen Schraube befestigt wird. Das Profil des Ziehdorns wird in enger Zusammenarbeit mit Ceratizit Alserio konzipiert, damit es genau in die Ziehmatrize passt.

Eine Ziehmatrize besteht aus einem Hartmetall-Ziehkern in einer Stahlarmierung und fällt allein schon wegen ihrer enormen Größe unter die Spezialprodukte. Eine Ziehmatrize für den Rohrzug kann einen Außendurchmesser bis 600 Millimeter aufweisen und mehr als 150 Kilogramm auf die Waage bringen. Alle Flächen auf Ziehdorn und -matrize werden von ausgebildeten Facharbeitern sowohl CNC-geschliffen als auch mit Spiegelschliff versehen, mit geringsten Toleranzen von höchstens 0,01 mm.

Luciano Giol, der Werks- und Verkaufsleiter von Marcegaglia in Boltiere, schwärmt von der Beständigkeit des Hartmetalls: »Selbst Hartmetall-Werkzeuge, die bereits 25 Jahre alt sind, können wir immer noch verwenden.«

Über 25 Jahre im Einsatz

Hartmetall sei in diesem Prozess unabdingbar, schon aus Qualitätsgründen, weil sie über lange Zeit bessere Oberflächen schaffen und engere Toleranzen einhalten. Für die Herstellung von Präzisionsrohren ist eine gute, konstante Gesamtqualität essenziell.

Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen sei Hartmetall eindeutig zu bevorzugen: Zwar seien Hartmetall-Werkzeuge, erklärt Luciano Giol, in der Anschaffung zwei- bis dreimal so teuer wie Ziehwerkzeuge aus Kohlenstoffstahl, doch halte Hartmetall viel länger, was nicht zuletzt zu weniger Maschinenstillstand, niedrigeren Rüstkosten und einem konstant hohen Produktionsausstoß führe. Deshalb sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Hartmetall eindeutig besser.

Und das, so Luciano Giol, gelte besonders für die Produkte von Ceratizit – unter anderem deshalb bevorzuge er diese seit fast zwei Jahrzehnten. Ein weiterer Grund sei die hohe Präzision dieser Werkzeuge.

Doch nicht nur die Produktqualität, sondern auch der Service von Ceratizit und die Zusammenarbeit begeistern ihn: »Ich würde die Zusammenarbeit als sehr gut bezeichnen. Die enge Zusammenarbeit mit Ceratizit stützt sich auf die kontinuierliche Unterstützung unserer Mitarbeiter durch die Fachleute bei Ceratizit. Ceratizit garantiert einen erstklassigen technischen Support bei der Wartung vorhandener, aber auch bei der Entwicklung neuer Werkzeuge.«

Zitat:

»Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Hartmetall ist eindeutig besser.«

Luciano Giol, Werks- und Verkaufsleiter von Marcegaglia

Erschienen in Ausgabe: 02/2010