B3 im Fibre-Wahn

bbr konzentrierte sich beim Besuch der LASER 07 auf der neuen Messe München auf die Halle der Fertigungstechniker - B3. Und hier traf man allenthalben auf das englische Wort Fibre (Faser).

09. August 2007

Eigentlich begann der bbr-Messebesuch der Laser 2007 ganz friedlich. Auf dem aufgeräumten Bystronic-Stand (www.bystronic.com) war eine Flachbettlasermaschine à la ByVention zu sehen - schön, eine Laseranwendung fürs Blech. Doch im Gegensatz zur bekannten CO2-Lasermaschine der Schweizer, hatte diese »ByVention« nur zwei kleine Fenstern in der orangen Arbeitsraumhaube und trug zudem die Schriftzug »Concept Machine« und »Fibre Laser Cutting«. Eine ByVention mit Faserlaserquelle? Wo bleibt denn da die Schweizer Gemütlichkeit? Christian Reinmann und Urs Singer erklärten bbr die Hintergründe: Die Flachbettlasermaschine baut tatsächlich auf der Hardware der ByVention auf. Das Laserherz ist jedoch ein 2-kW-Festkörper-Faserlaser von IPG und der Laserkopf kommt von Highyag. »Wir wollen mit dieser Studie zeigen, dass wir ganz vorne mitspielen, wenn es um den Einsatz neuer Technologien geht«, so Urs Singer und zählt einige entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlicher CO2-Laserstrahlquellen auf: »Der Wirkungsgrad des eingesetzten Faserlasers ist um den Faktor Drei höher als beim CO2-Laser. Die Strahlführung ist stabiler, die Strahlqualität besser, es gibt weniger Verschleißteile und das Ganze ist zudem robuster. Zudem benötigt die Bystronic-Concept-Maschine weniger Energie als herkömmliche Lasermaschinen mit gleicher Schneidleistung. (25 mm Stahl, 6 mm Edelstahl und 8 mm Alu).« Übrigens, die beiden kleinen Fenster an der Arbeitshaube sind der Sicherheit des Bedieners (genauer seiner Augen) geschuldet. Doch durch die Kamera im Arbeitsraum erhält er sowieso einen umfassenden Überblick über das Geschehen im Inneren der Maschine. An Alle Mitbewerber von Bystronic hier die Entwarnung: Nein, die Maschine ist noch nicht zu kaufen. Interessierte Institute, Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind jedoch eingeladen sich mit Bystronic in Verbindung zu setzen, damit aus dem Konzept schnell ein Serienprodukt für die Fertigung wird und mit Bystronic die Frage zu klären: What are the limits with fibre laser cutting?

IPG LASER

Natürlich war das Thema nun vorgegeben: »Faserlaser«. Tatsächlich wurde bbr auch von Rofin (www.rofin.com) bis Trumpf (www.trumpf.com) zu diesem Thema fündig. Auf jedem Stand gab es eine Faserlaser-Anwendung zu sehen. Doch zunächst interessierte bbr einer besonderen Laserquelle beziehungsweise ihren Schöpfern näher zu kommen - dem 2-kW-Faserlaser aus der Bystronic-Concept Machine. Während bbr auf den meisten Messeständen bisher mit wenigen hundert Watt Faserlaserleistung konfrontiert wurde (zum Schweißen, Schneiden und Markieren), standen bei IPG Laser (www.ipgphotonics.com) wahre Leistungsboliden mit 2.000 (siehe Bystronic-Concept Machine) bis 20.000 Watt, wie etwa der YLR-20000 - einem Ytterbium-Laser. Faserlaser von IPG gibt’s bis 50.000 Watt, und die arbeiten laut IPG zu niedrigeren Betriebskosten als etwa ein 20.000 Watt CO2-Laser und sind zudem noch wartungsfrei.

HIGHYAG

Natürlich muss die Power aus der Laserstrahlquelle irgendwie an die Arbeitsstelle kommen. Hier hat Highyag von den Lichtwellenleiterkabeln bis zu Laserbearbeitungsköpfen ein breites Produktspektrum (www.highyag.de) anzubieten. Ein Highlight war sicher der RLSK Scanner-Laserkopf, der die Laserpower durch die Luft aufs Bauteil bringt, um etwa Blechteile zu schweißen (Remote welding).

ROFIN

Die Hamburger Laserstrahlquellenspezialisten Rofin (www.rofin-ham.de) - Sie wissen schon, die mit dem Slogan »We think laser« zeigten Eigen­entwicklungen in all ihren Unternehmensbereichen, wie Macro und Micro mit einer Fülle an Neuheiten. Aber, bbr war ja inzwischen dem allgemeinen Fibre-Wahn selbst erlegen - und dachte Faserlaser -, der 1.000-Watt-Faserlaser erweckte das besondere Interesse. Damit verließ Rofin im Faserbereich die Mehr-Hundert-Watt-Marke und zeigte 1 kW Leistung. Hier zum Schweißen von Edelstahlblechteilen.

TRUMPF

TruFibre, das ist bei Trumpf der Oberbegriff für seine Faserlasertechnologie. Auf der Laser‘07 gab das Unternehmen dazu auch sein Joint Venture (50 zu 50 %) mit Jenoptik und der gemeinsamen Unternehmensgründung der JT-Optical Systems mit Sitz in Jena bekannt. Auf dem Licht durchfluteten Messestand (hier wurde auch der neue 8-kW-Scheibenlaser gezeigt) zeigte Trumpf die TruLaser Station 3200 mit separater Versorgungseinheit - hier Grundmodul genannt - (zur Laserlichtversorgung von bis zu drei Arbeitsstationen). Dabei kann das Grundmodul maximal 25 Meter von der Arbeitsstation entfernt stehen! Jede Arbeitsstation ist mit einem eigenen Lasermodul ausgestattet, das die Power auf die jeweilige Bearbeitungsoptik bringt. Doch nun genug des Faserlasers, obgleich wir ihm ja auch bei Hitachi, dem Fraunhofer ILT und und und begegnet sind. Denn einen Aufsehen erregenden Lasertrend möchte ich Ihnen nicht verschweigen - das Lasersintern. Damit lassen sich selbst komplizierteste 3D-Bauteile schnell fertigen.

Erik Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 05/2007