Austausch über Servopressen

Auf dem 34. EFB-Kolloquium Blechverarbeitung, der Jahrestagung der Europäischen Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung, tauschten sich rund 140 Fachleute über 5 Jahre Erfahrungen mit Servopressen aus. Die Hersteller geben die Produktivitätssteigerung beim Umstieg auf Servotechnologie mit 50 bis 100 Prozent an. Und das ist nicht einmal übertrieben.

19. Mai 2014

Aber, und das berichteten nicht nur mittelständische Anwender sondern auch die OEMs, die ganze Pressenstraßen mit Servo ausstatten, mit dem Kauf der Presse ist es nicht getan. Bei den Möglichkeiten, die die Servopressen bieten, muss vor allem auch die Peripherie im Betrieb betrachtet werden: Die angestrebte höhere Produktivität bedeutet mehr Materialdurchsatz in kürzerer Zeit. Reicht die Bevorratung mit mehr oder größeren Coils, reicht der Lagerplatz? Kann die Bandanlage mehr und schnelleren Vorschub leisten? Sogar die Abfuhrlogistik der Teile muss betrachtet werden: Ist der Teilebehälter groß genug, um die schneller anfallenden Teile aufzunehmen? Funktioniert der Austausch?

Wenn auf Servomaschinen umgestellt wird, werden möglicherweise die vorhandenen Werkzeuge eingesetzt. Halten sie die höhere Belastung durch mehr Leistung aus? Das Unternehmen muss sich hier auf eine kürzere Lebensdauer einstellen. Der Werkzeugwechsel muss optimiert werden, denn bei höherer Produktivität werden die Werkzeuge häufiger gewechselt, und auch die Standzeiten selbst sind teurer.

Bei der Frage „Was kann die Maschine?“ wird das Maß „Hub pro Minute“ bei der Servotechnologie ersetzt durch „Teile pro Minute“, weil weitere Operationen, wie z.B. Schweißen, in den Prozess integriert werden.Wenn jedoch diese Möglichkeiten genutzt werden sollen, ist beim Einsatz vorhandener Werkzeuge zu fragen, ob die Öffnungzeiten und -höhen angepasst werden müssen und können.

Für die Maschinen selbst muss aufgrund der höheren Lastwechsel und Kräfteverläufe der Aufbau entsprechend konstruiert werden, so dass die üblicherweise hohe Lebensdauer von Pressen erreicht werden kann und Reparaturen vermeidbar bleiben.

Aufgrund der hohen spezifischen Belastungen, die beispielsweise bei Pendelhub neue Bedingungen für die Lager darstellen können, muss über Möglichkeiten zur Prognose von Wartungsarbeiten bzw. Vermeidung von Schäden nachgedacht werden. Hier gibt es bereits verschiedene Ansätze zum Monitoring der Anlagenzustände und der Diagnose.

Nicht zuletzt muss sich der Anwender fragen, ob das eingesetzte Material mit der möglichen höheren Produktionsgeschwindigkeit überhaupt verarbeitbar ist. Auch das Produktportfolio spielt bei den Überlegungen eine Rolle: Wird ein Teil in extrem großen Stückzahlen produziert, hat sich bisher die An-schaffung einer günstigeren Maschine mit einer speziellen Ausrichtung gelohnt. Werden aber zehn verschiedene Teile in großer Stückzahl gefertigt, kann die Anschaffung einer Servoanlage sinnvoller sein als zehn Spezialmaschinen.

Andererseits können ab einer gewissen Hubzahl nur herkömmliche Schnellläuferpressen produktiv arbeiten. Auf dem EFB-Kolloquium wurden auch Anlagen vorgestellt, die andere Pressenkonzepte wie Spindelpressen mit der Servotechnologie verbinden. Insgesamt zeigte sich, dass die Abstimmung zwischen Pressenherstellern und Anwendern bei der Planung einer Anlage noch enger geworden ist.

„Die Anforderungen müssen mit Blick auf die Zukunft noch präziser bereits im Lastenheft formuliert werden. Das Optimieren der Anlage ist natürlich möglich“, bestätigt Stephan Paul, Leiter Prozess Management

Schneid- und Umformsysteme bei der Schuler Pressen GmbH, „kostet aber Maschinenzeit.“

Bei zunehmend kürzeren und damit teureren Modellzyklen ist bereits in der Anlagenkonzeption die Nachfolgeflexibilität zu berücksichtigen, um dem Risiko entgegenzuwirken, künftige Produktdesigns nicht mehr fertigen zu können.