Aus Erfahrung klug

Technik

Mögen deutsche Zungen über den Namen Asservimentipresse anfangs ins Stolpern geraten, den Bandanlagen dieses italienischen Herstellers passiert das so gut wie nie. Funktionalität, Zuverlässigkeit und ein enger Kontakt zum Kunden sind die Erfolgsrezepte.

21. Mai 2012

Fast ein Vierteljahrhundert lang baut Asservimentipresse im lombardischen Massalengo Bandanlagen vom Ladestuhl bis zum Vorschub. So sehr man auf diese Erfahrung baut, noch wichtiger ist ein anderer Punkt, wie der Verkaufsdirektor des Unternehmens, der Ingenieur Ottavio Albini, erklärt: »Der persönliche Kontakt zu den Kunden steht für uns an erster Stelle.« Das heißt: Die Anlagen werden genau so geliefert und aufgestellt, wie sie der Kunde haben will.« Das können komplettanlagen oder einzelne Komponenten sein: Ladestühle, Haspeln, Richmaschinen, Vorschübe, Längs- und Querteilanlagen und Transfereinrichtungen sowie Manipulatoren.

Dass diese Nähe zum Kunden, die mit der Inbetriebnahme nicht zu Ende ist, neben der Produktqualität ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, zeigen die 450 Anlagen, die man alleine in Deutschland vorweisen kann. Um diese Kunden schnell erreichen zu können, betreibt man zwei Büros im Sauerland und eines östlich von Frankfurt.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war, dass die Entwickler von Anfang an auf die enge Verzahnung von Elektronik und Mechanik gesetzt haben. »Das war zukunftsweisend, und wir waren damit vielen Wettbewerbern voraus«, freut sich Ottavio Albini noch heute. Zumal die Auswirkungen auch heute noch tragen: Asservimenti-Anlagen sind besonders kompakt und schnell.

Asservimentipresse trägt selbstverständliche dem Trend zu immer breiteren Bändern Rechnung, indem man Linien bis 2000 mm Bandbreite anbietet, was Haspeltragkräfte bis 30 t erfordert. Die Folgeeinrichtungen können für Stahlblech bis 15 mm Dicke ausgelegt werden.

Zwei unterschiedliche Konzepte: konventionell und kompakt

Asservimentipresse verfolgt zwei grundsätzlich unterschiedliche Konzepte, wie Ottavio Albini erläutert: »Die eher traditionellen Anlagen bestehen aus den bekannten drei separaten Anlagenkomponenten Haspel, Richtmaschine und Vorschub. Diese konventionellen Anlagen werden vor schnellen Pressen mit 100 bis 300 Hüben/Minute oder für empfindliches Material wie Edelstahl oder lackierte Bleche eingesetzt. Das andere Konzept setzt auf Kompaktheit; so eine Anlage besteht aus einer Einfach- oder Doppelhaspel und einer Vorschub-Richtmaschine für eine Banddicke bis 14 mm und Bandbreiten von 200 mm bis 2000 mm. Es handelt sich um Komplettsysteme mit automatischer Bandeinführung, die auch unter extremen Platzproblemen eingebaut werden können. Der Richtkopf in Alligator-Bauart erlaubt beste Zugänglichkeit, ob zum Tausch der Richteinheit, zum Reinigen der Walzen oder zu anderen Service-Maßnahmen.«

Dank der elektronisch gesteuerten Schließeinheit kann die Richteinheit nicht nur komplett freigegeben werden, sondern die Öffnungs- und Schließzeiten lassen sich auch deutlich reduzieren, während andererseits die Auftreffgeschwindigkeit der Walzen erheblich reduziert wird, weil die Elektronik im letzten Moment abbremst. Die Reduzierung des Energie- und Schmiermittelverbrauchs sowie der Geräusche sind weitere erfreuliche Folgen dieses Konzeptes. »Die Kombination immer schnellerer Elektronik mit immer feinerer Mechanik erlaubt es uns, höchst kompakte Linien für 150 Hübe/Minute bei 50 mm Schrittweite zu verwirklichen.«

Die Abwickelhaspeln von Asservimentipresse ermöglichen mit ihrer großen Spreizung das Beladen mit Coils sehr unterschiedlicher Innendurchmesser, ohne Adapter einsetzen zu müssen. Auf einem festen Ladestuhl wartet ein Coil, während das vorherige von der Haspel abgearbeitet wird. Das Verfahren der Haspel erlaubt sowohl beschleunigtes Beladen als auch schnelleres (automatisches) Band-Handling. Für breitere Haspeln gibt es zusätzliche Stützträger, die den Dorn entlasten.

Nicht nur das weit öffnende Alligator-Maul erleichtert die Bandeinführung, sondern auch etliche andere mechanische und einige elektronische Hilfen, die die Maschine schnell an das jeweilige Band und die gewünschten Ergebnisse, wie Richt- und Streckmaß, anpasst. Dies alles wird durch die (deutsche oder italienische) PCL gesteuert. Selbstverständlich werden die Einstellungen gespeichert und sind bei Bedarf abrufbar.

Wenn der Kunde trotzdem nicht zurechtkommt oder Störungen auftreten, kann Asservimente aus der Ferne mit dem Teleservice assistieren, mit dem jede Anlage Kontakt aufnehmen kann. »Wir können jede Anlage von unserem Technikbüro aus überwachen und dem Kunden jederzeit helfen«, erläutert Ottavio Albini. »Damit werden wir dem Wunsch nach möglichst unterbrechungsfreiem Betrieb gerecht. Aber oft werden wir nicht gebraucht.«

Schon gar nicht kommt es zu ernsthaften Störungen: »Unsere Maschinen sind sehr zuverlässig. So kommen auf mehr als 2000 Installationen weltweit nicht mehr als drei bis vier Reparatureinsätze pro Jahr«, rechnet Ottavio Albini vor. »Diese Zuverlässigkeit erreichen wir nicht nur durch unsere Erfahrung in der Konstruktion, sondern auch in der Auswahl unserer Lieferanten, bei der Funktionalität und Zuverlässigkeit an erster Stelle stehen – weit vor dem Preis.«

Stolz führt Albini noch eine Maschine vor, die gerade zur Auslieferung bereitsteht: traditionelle Abwickelhaspel mit Tragkraft 0,4 bis 5 Tonnen (Doppelhaspel), Richtmaschine mit Alligator-Kopf (für Bänder von 0,4 bis 3,5 Millimeter Materialdicke), geeignet für magnetisches Feinblech, elektronisch gesteuerte, frei programmierbare Vorschübe mit doppeltem Antrieb.

In Augenschein nehmen kann man die Asservimenti-Anlagen auf der nächsten Euroblech.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012