_ An der Stirnseite des Besprechungstisches sitzt Josef Pohl, der Firmengründer. Er ist Ingenieur und arbeitete früher beim Autokranhersteller Palfinger, bis er 1967 einen Lehrauftrag an der HTL, der Höheren Technischen Bundeslehranstalt, in Salzburg erhielt. »Ganz ausgelastet hat mich das nicht«, erzählt er schmunzelnd. »So habe ich mir ein Hobby zugelegt.« Konkret heißt das: Josef Pohl rief seinen früheren Arbeitgeber an und bot Unterstützung bei der Konstruktion von Bohr-, Stanz- und Schweißlehren. Palfinger nahm dankend an, und Pohl knapste in seinem Haus ein Zimmer ab: für seinen »Hobbyraum«. Dort entwarf er feierabends die gewünschten Bauteile am Brett. Gertraud Pohl sitzt rechts von ihrem Mann. Es ist ihr Stammplatz an diesem Tisch und im Unternehmen: Sie ist seine rechte Hand. Das Hobby ihres Mannes ist damals schnell ihr eigenes geworden. Ob an der Maschine oder am Schreibtisch - bei Bedarf war sie zur Stelle. Heute ist Gertraud Pohl froh, dass sie die administrativen Tätigkeiten abgeben durfte: an Bianca, die Lebensgefährtin ihres Sohnes, die im Augenblick den Schreibtisch der Interviewrunde vorzieht. »Einer muss ja schließlich arbeiten, wenn die anderen Kaffee trinken«, witzelt sie. Rechts am Tisch hat Walter Pohl Platz genommen, der Sohn und heutige Chef des Unternehmens. Schon früh infizierte er sich mit der Leidenschaft seiner Eltern. Bereits mit zehn Jahren, als er noch kaum übers Maschinenbett sah, lernte er, eine Drehmaschine zu bedienen. Spätere Berufswahl? Ingenieur, welche Frage!

Hobby wird Beruf

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Anfang der 70er-Jahre wuchs sein Kunde Palfinger enorm, und als wegen starken Wachstums die Fertigungskapazitäten nicht mehr ausreichten, übernahm Josef Pohl kurz entschlossen auch die Produktion ausgewählter Teile. Gemeinsam mit seiner Frau räumte er den Keller aus, stellte eine Säulenbohrmaschine auf, eine Drehmaschine und eine Schlagschere. So begann die Fertigung im Hause Pohl. Die ganze Familie Pohl inklusive der Kinder Walter und Claudia widmete sich mit Begeisterung dem Hobby »Blechbearbeitung«. 1989, nach Abschluss der HTL und einigen Semestern an der TU Graz, stieg Walter Pohl hauptberuflich in den elterlichen Betrieb ein. Wenige Jahre später waren die 150 qm »Betriebsgelände« im Pohl’schen Familienhäuschen endgültig zu knapp; die Maschinen standen sich gegenseitig im Weg. An moderne Produktion war nicht zu denken.

Raumgewinn

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Mit dem 1994 erfolgten Umzug aufs Land nach St. Pantaleon schritten die Pohls in eine von Wachstum bestimmte Zukunft. Josef Pohl hört in Gedanken noch den Hall der Schritte: »Mit gerade mal zwei nicht zur Familie gehörenden Mitarbeitern sind wir uns in der 850 qm großen Fertigungshalle zunächst sehr verloren vorgekommen. Die wenigen Maschinen haben sie - auch großzügig platziert - nicht mal zur Hälfte gefüllt.« »Auch im Büro gab es Platz zur Genüge«, ergänzt seine Frau, »und unser Sohn Walter hat ihn ein halbes Jahr lang auf seine Weise genutzt.« - Ein stolzes Zwinkern der Seniorchefin. - »Er hat sich kurzerhand ein Bett reingestellt, um sich die Pendelzeit zwischen Salzburg und St. Pantaleon fürs Arbeiten zu sparen.«

Lasern und Biegen

Mit einer gebrauchten Laserschneidanlage legten die Pohls 1995 den Grundstein für eine flexible Blechbearbeitung. Walter Pohl ist überzeugt: »Das war genau der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in die Lasertechnik. Viele Bauteile, die wir nach dem Stanzen noch bohren oder fräsen mussten, konnten wir auf dieser Maschine weit günstiger herstellen. Sie hat uns außerdem die Tür beim Motorradhersteller KTM sowie zur Automobil- und Maschinenbauindustrie geöffnet. In kürzester Zeit hatten wir die Laserschneidanlage voll ausgelastet.« Mit ihr füllten eine Abkantpresse, ein Schweißroboter sowie fünf weitere Mitarbeiter schnell die restliche Hallenkapazität. Bereits zwei Jahre später entstand ein Neubau mit 1.000 zusätzlichen Quadratmetern Produktionsfläche. »Ich bin stolz darauf, was wir als Familie gemeinsam geschaffen haben!« Walter Pohl meint damit sowohl die Gründungsphase als auch den in den letzten 15 Jahren erfolgten Ausbau zum Kleinunternehmen. Zu den Spezialitäten Pohls gehören beispielsweise Verkleidungselemente, wie sie im Kranbau und in anderen Branchen zum Einsatz kommen. Um Einzelteile einzusparen, werden dafür Bleche mehrfach gebogen. Sie müssen danach - trotz der Büge - sehr maßgenau sein, um beim anschließenden Schweißen Verzug zu vermeiden. »Bei einfachen Platinen und Blech-Schachteln ist es mittlerweile schwierig geworden, gegen Angebote aus Billigländern zu konkurrieren. Wir haben aber das Know-how und die Maschinen, um sehr komplexe Bauteile mit vielen Aussparungen und Bügen wirtschaftlich zu produzieren. Solche Produkte vergeben die Firmen bevorzugt an nah gelegene Zulieferer«, erklärt Walter Pohl seine Marktnische.

Eigene Marktnische

»Eine entscheidende Rolle spielt für uns der optimale Einsatz moderner Laser-, Stanz- und Biegetechnik, der nach Möglichkeit automatisiert stattfinden muss.« Er meint damit in erster Linie Maschinen und Peripherie von Trumpf. Seit sieben Jahren hat er die 3.000-KW-Laserschneidanlage TLF 3000 Turbo im Einsatz, die er mit dem damals brandneuen Liftmaster gekauft hat. Diese Automatisierungseinheit versorgt die Maschine Tag für Tag rund um die Uhr mit Blechtafeln. Nicht allein die Technik, auch das Umfeld mit Schulung und Service haben dazu beigetragen, dass Pohl sich in der Folge für weitere Trumpf-Maschinen entschieden hat: für die Laser-Stanz-Kombination Trumatic 600L und die kleine Abkantpresse TrumaBend V50. Die größere Variante TrumaBend V130 bestellte er im letzten Jahr zusammen mit dem BendMaster, einem Roboter, der für mannlosen Einsatz während der Nachtschicht und am Wochenende sorgt. Anfangs fehlte dem BendMaster noch für so manches komplexe Teil das »richtige Händchen«, um die zwischen handteller- und zwei Quadratmeter großen Blechtafeln beim Biegen festzuhalten. Die verfügbaren Standard-Vakuumgreifer finden bei mehrfach gebogenen und stark ausgesparten Blechen oftmals keine Angriffsflächen. Doch Walter Pohl ist eben nicht nur Blechbearbeiter, sondern auch Problemlöser aus Leidenschaft. So konstruiert und baut er selbst Spezialgreifer, die sich der Form des Bauteils anpassen und deren Saugnäpfe dort ansetzen, wo genügend Blech vorhanden ist. Eine pfiffige fertigungstechnische Lösung, die verhältnismäßig wenig Aufwand erfordert, wenn man sieht, dass damit der Roboter rund um die Uhr komplexe Bauteile biegen kann. _

Simon Hiebl

BackgroundDer Blechspezialist

Name _ PMT - Pohl Metalltechnik Ges.m.b.H.

Gründung _ 1967 als Einzelfirma, 1993 als Ges.m.b.H.

Gründung _ 2003

Mitarbeiter _ 25

Umsatz _ 3 Millionen Euro