Auf und nieder

Technik/Abkanten, Profili

Wer komplexe Präzisionsteile wie Kassetten, Paneele und Boxen biegen möchte und gleichzeitig hohe Produktivität sucht, könnte in der Up-Down-Schwenkbiegemaschine RAS XLTbend das Richtige finden.

13. Oktober 2015
Der Biegewange der XLTbend hat RAS einen völlig neuen Aufbau verpasst. Das Wange-in-Wange-Prinzip verringert die Durchbiegewerte der Biegewange auf etwa ein Zwanzigstel. Damit erreicht die Maschine schnurgerade Biegungen. Bildquelle: RAS
Bild 1: Auf und nieder (Der Biegewange der XLTbend hat RAS einen völlig neuen Aufbau verpasst. Das Wange-in-Wange-Prinzip verringert die Durchbiegewerte der Biegewange auf etwa ein Zwanzigstel. Damit erreicht die Maschine schnurgerade Biegungen. Bildquelle: RAS)

Herausragendes Merkmal der neuen Baureihe ist seine Modularität, die im Laufe der Zeit durch eine ganze Reihe weiterer Modelle ergänzt werden wird. Die Maschine lässt sich sowohl von vorne als auch von hinten bedienen. Mit dem neuen, doppelt überwachenden Sicherheitssystem ist selbst bei der Frontbedienung die Up-Down-Biegetechnologie einsetzbar. Dabei müssen die Bauteile nicht mehr gewendet werden, denn die Biegewange umfährt bei einem Richtungswechsel automatisch die bereits gebogenen Schenkel.

Bei der Premiere zeigt RAS die 4060x2,5-mm-Variante mit steil nach oben ragender Oberwange, die dem Bediener eine hervorragende Einsicht auf die Biegelinie ermöglicht. Diese Ausführung hat besonders Kunden im Industriesektor im Blick, die auf der Maschine Kassetten, Paneele und Boxen herstellen wollen.

Der Biegewange hat RAS einen völlig neuen Aufbau verpasst. Das Wange-in-Wange-Prinzip verringert die Durchbiegewerte der Biegewange auf etwa ein Zwanzigstel. Damit erreicht die XLTbend schnurgerade Biegungen. Ein Bombiersystem wird überflüssig, und die Biegewange kann in der geschwenkten 90-Grad-Position als Anschlag verwendet werden.

Die elf CNC-Achsen der Maschine sind ausnahmslos servogeregelt, was für hohe Dynamik und Präzision steht. Durch Absolutgeber an allen Achsen entfällt zudem das Eichen der Maschine. Selbst das Pendeln der Biegewange, das vor jedem Wechsel der Biegerichtung notwendig ist, erfolgt durch zwei motorische Servoachsen. Dies macht einen mechanischen Wechsel von Pendelklötzen für unterschiedliche Werkzeugbreiten überflüssig, verkürzt Rüstvorgänge erheblich und schafft zusätzliche Produktionszeit.

Beim modularen Anschlagkonzept hat der Kunde die Wahl zwischen einem Rechteckanschlag bis 1550 mm Anschlagtiefe oder verlängerten Anschlagvarianten bis 4050 mm in J-, U- oder W-Form. Jede Fingerreihe wird steuerungsseitig pneumatisch aktiviert. Zudem kann jeder Finger mit einem einzigen Handgriff mechanisch verriegelt werden, sodass sich auch Bleche mit nicht geraden Außenkanten (zum Beispiel Coilmaterial) prozesssicher verarbeiten lassen.

Als Neuheit präsentiert RAS einen Hybridanschlag, bei dem die Anschlagfinger das Positionieren der Werkstücke zur Biegelinie übernehmen. Gleichzeitig hält eine Mimik das Biegeteil am Anschlagfinger, sodass Folgebiegungen ohne ein Eingreifen des Bedieners machbar sind. Sobald das Werkstück auf die nächste Biegeseite gedreht werden soll, verschwinden die Pop-up-Anschlagfinger programmgesteuert in der Tischebene, um das Drehen des Blechs auf dem Hochhaltesystem zu ermöglichen.

 Beim Werkzeugsystem setzt RAS auf bewährte Technik in neuer Gestalt. Die Gliederung der Oberwangenwerkzeuge in Geometrien mit viel Freiraum vor und hinter dem Werkzeug bleibt erhalten. Allerdings mit noch größeren Freibereichen für eine noch flexiblere Produktgestaltung. Die 150 mm hohen Werkzeuge haben noch die volle Biegeleistung von 3 mm und darüber hinaus sind Werkzeughöhen bis 300 mm verfügbar, mit denen sich selbst tiefste Boxen biegen lassen.

Die Werkzeugsegmente werden lediglich in die Werkzeugaufnahme der Oberwange gesteckt und dort automatisch gespannt. Die Rüstanleitung erhält der Bediener am Monitor angezeigt. Noch mehr Flexibilität bieten die geteilten Biegewangenwerkzeuge. Sie erlauben das Biegen von versetzen und unterbrochenen Biegelinien. Auch die Biegewangenwerkzeuge werden nach dem Rüstvorgang automatisch gespannt.

Die flexible Gestaltung und der Zusatznutzen setzen sich bei den Unterwangenwerkzeugen fort. So können die Anschläge durch die eingearbeiteten Fingertaschen bis auf zehn Millimeter an die Biegekante heranfahren.

Ein-Klick-Programmierung

Für das neuartige Bedienkonzept hat RAS der XLTbend zwei 24-Monitore spendiert. Sie sind dreh- und schwenkbar am Seitenteil der Maschine montiert und erlauben beste Zugänglichkeit für den Bediener. Beim Sicherheitskonzept setzt RAS die neuesten Maschinenrichtlinien um und ermöglicht dem Anwender die wahlfreie Bedienung der Up-Down-Maschine von vorne oder von hinten. Um immer Klarheit über die aktuelle Bedienungsseite zu haben, meldet sich der Bediener auf der Front- oder Rückseite an und aktiviert damit das jeweils passende Sicherheitssystem der Maschine automatisch. Eine integrierte Lichtsteuerung visualisiert dem Bediener, wann ein Zutritt erlaubt ist.

Doch das Beste an der XLTbend aus Sicht der Entwickler und wohl auch für die Kunden ist die Ein-Klick-Programmierung der Biegeteile. Wo beim Programmieren bisher viel Expertenwissen notwendig war, steckt die Intelligenz heute in der Software. Der Maschinenbediener oder der Programmierer im Büro importiert nur eine Step-, DXF- oder Geo-Datei. Das ist schon alles! Danach reicht ein einziger Mausklick, und die Software programmiert den gesamten Biegeablauf automatisch.

Gibt es mehrere Möglichkeiten, das Biegeteil herzustellen, zeigt die Steuerung die Alternativen auf und schlägt mit einer 5-Sterne-Rangfolge sogar eine beste Biegestrategie vor. Der Bediener kann sich den gesamten Programmablauf in 3D aus jeder beliebigen Perspektive und in jeder Zoomstufe ansehen. Ist bei der Simulation alles in Ordnung, gilt es nur noch den Startknopf zu drücken, und schon kann die Präzisionsfertigung beginnen.

Blechexpo Halle 1, Stand 1604

Erschienen in Ausgabe: 06/2015