Auf Nummer sicher

Wenn es um das Thema Ladungssicherung geht, sitzen alle in einem Boot: Spediteur, Fahrer und Absender. Kommt es aufgrund unzureichender Sicherung der Fracht zu Unfällen, haften nicht nur Fahrzeugführer und Transportdienstleister, sondern auch der Auftraggeber.

20. August 2012

Jährlich passieren ca. 2.500 LKW-Unfälle, die sich durch eine sachgerechte Sicherung der Ladung hätten vermeiden lassen können – so eine Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Nicht selten kommt es durch herabfallende Ladung oder durch das Umkippen des Fahrzeuges zu schweren Verletzungen, die mitunter tödlich enden.

„Moderne LKW verfügen heute über leistungsstarke Motoren und kräftige Brems- und Lenkhilfesysteme. Damit steigen die Anforderungen an die Ladungssicherung, denn schnelle Bewegungen des Fahrzeuges entwickeln große Kräfte, die auf das Frachtgut einwirken“, erklärt Marcel Hergarten, geschäftsführender Gesellschafter der Stahlspedition Hergarten.

Dass auch schwere Güter, wie etwa Stahl, während der Fahrt verrutschen können, wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert. Seit dem hat sich vieles verändert: Heute existieren mehrere relevante Regelwerke zur fachgerechten Sicherung der Ladung. Doch gerade das Nebeneinander von deutscher und europäischer Norm sorgt für Verwirrunng.

DIN EN 12 195-1 oder VDI 2700 – das ist hier die Frage

Zunächst gilt nach deutschem Recht der § 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Um den Vorgaben des Gesetzgebers gerecht zu werden, hat der Verband Deutscher Ingenieure die Richtlinie VDI 2700 entwickelt.

Parallel existiert auf europäischer Ebene die DIN EN 12 195-1. Diese Tatsache allein würde noch keine Schwierigkeiten verursachen, vorausgesetzt, beide Richtlinien machten ähnliche Vorgaben. „Genau das ist aber nicht der Fall“, erklärt Marcel Hergarten, „bei der DIN EN 12 195-1 kommt der Verdacht auf, dass physikalische Aspekte aus ökonomischen Gründen zu Lasten der Sicherheit außer Acht gelassen werden.“

Fraglich ist zudem, ob eine Ladungssicherung nach europäischer Norm einer Verkehrskontrolle auf deutschen Straßen standhalten würde, denn diese erfolgt nach der Richtlinie des VDI.

Das Zivilrecht wiederum regelt, in wessen Verantwortungsbereich welcher Aspekt der Ladungssicherung fällt. Demnach hat der Absender für die beförderungssichere Ladung des Guts Sorge zu tragen, die betriebssichere Verladung hingegen ist Aufgabe des Fahrers. Das bedeutet, dass der Absender der Fracht zum Thema Ladungssicherung gleichwertige Kenntnisse haben muss wie der Fahrer.

In der Praxis stellt sich das oftmals als schwierig heraus, denn das Thema Ladungssicherung ist beispielsweise im Berufsalltag eines Stahlhändlers wenig relevant. Um das auszugleichen, organisiert die Stahlspedition Hergarten für ihre Kunden Schulungen zum Thema Ladungssicherung.

Ladungssicherung von Stahl – der Fahrer im Mittelpunkt

Verkehrssicherheit beginnt bereits mit der Verladung. Gerade Stahlstückgüter sind in Größe und Form sehr unterschiedlich, was die platzsparende Beladung des Fahrzeugs und insbesondere die Sicherung zu einer Herausausforderung macht. Neben entsprechenden Werkzeugen und Transportmitteln ist hier viel Know-how gefragt, damit auch empfindliches Frachtgut, wie beispielsweise Edelstahl oder dünne Bleche, nicht beschädigt wird.

„Meistens sind die Fahrzeugführer diejenigen, die das größte Wissen über Verladung und Sicherung haben. Deswegen sind unsere Fahrer in der Regel bei der Beladung des LKW dabei. Aufgrund ihrer Erfahrung können sie am besten bewerten, wie vorgegangen werden muss, um eine optimale Stabilität und Lenkfähigkeit zu erreichen“, erläutert Marcel Hergarten.

Eine sichere und platzsparende Beladung des LKW beginnt bereits bei der Disposition. Um für die Kunden eine optimale Zusammenstellung der Touren zu realisieren, erarbeiten die Disponenten oftmals gemeinsam mit den Fahrern von Hergarten eine Lösung. Je größer das Know-how des Fahrers, desto geringer ist das Risiko für den Auftraggeber. Um den Kunden dementsprechend größtmögliche Sicherheit zu bieten, legt Hergarten viel Wert auf die Ausbildung der Mitarbeiter: So erhalten die Fahrer regelmäßig grundlegende Schulungen – auch über die Mindestanforderungen hinaus, die das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz aufstellt.

Jeder Fahrer verfügt über ein entsprechendes Zertifikat. Neue Fahrer haben beim Neusser Stahllogistikexperten eine lange Anlernphase: 4 bis 5 Wochen werden sie zunächst als Beifahrer im Sammelgutbereich eingesetzt, damit sie im Umgang mit dem Material Wissen und Erfahrung sammeln können. „Dieses Wissen im Unternehmen weiterzugeben trägt wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Deswegen fördern wir einen regelmäßigen internen Erfahrungsaustausch unserer Mitarbeiter“, unterstreicht Marcel Hergarten.

Augen auf bei der Auswahl eines Dienstleisters!

Auch wenn Auftraggeber und Spediteur gleichermaßen für die Ladungssicherung verantwortlich sind, hängt vieles vom Fahrer ab – entscheidend ist das Know-how der verantwortlichen Mitarbeiter. Wird der Fuhrpark an einen Dienstleister vergeben, muss der Auswahl einer geeigneten Spedition besondere Sorgfalt entgegengebracht werden, denn Unfallprävention beginnt schon hier.

Auftraggeber sollten darauf achten, nur mit einer spezialisierten Spedition zusammenzuarbeiten, die außer auf entsprechendes Equipment besonderen Wert auf die Ausbildung der Mitarbeiter legt. Verlader sichern sich auf diese Weise nicht nur gegen hohe Kosten infolge eines Unfalls ab, sondern auch gegen einen Imageverlust. Gute Ladungssicherung beweist Professionalität und trägt so letztendlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Absenders bei.