Auf der Erfolgsschiene

Rollschienenführungen im Pressenbau? Darauf setzt der Pressenbauer Helmerding aus Bad Oeynhausen seit Jahren höchst erfolgreich. Höhere Standzeiten bei den Werkzeugen und das selbst bei hohen Umformkräften sind das Ergebnis.

05. Oktober 2005

„Wir erhöhen durch die exakte Führung des Stössels die Standzeit der Umformwerkzeuge beim Kunden um rund 50 Prozent“, bekräftigt Wilhelm Taake, Geschäftsführer des Pressenherstellers Helmerding. Das Unternehmen aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen setzt nicht zufällig auf die moderne Wälzlagertechnik von Rexroth. „Ich kenne die Vorteile von Rollenschienenführungen aus der Konstruktion von spanenden Maschinen und es war für mich ein logischer Schritt, sie auch in der Umformtechnik zu nutzen“, erinnert sich der Unternehmer.

Extravagantes Innenleben

Helmerding konzentriert sich auf die Entwicklung und Herstellung von C-Ständer- und Doppelständer-Exzenterpressen, in der Leistungsklasse von 25 bis 2.000 Tonnen. In einem modularen Baukasten bietet das Traditionsunternehmen der Taake-Gruppe auch die gesamte Peripherie wie Abwickelanlage, Richtwerk, Transfer- und Vorschubeinrichtungen an, die genau auf die jeweilige Maschine abgestimmt sind. Damit können die Pressen als Stanz- und Umformautomaten sowie als Transferpressen eingesetzt werden. „Unsere Kunden suchen maßgeschneiderte Komplettlösungen aus einer Hand“, betont Wilhelm Taake. „Unsere gesamte Konstruktion und auch das Unternehmen sind auf individuelle Lösungen konzentriert.“ Rund 50 Umformmaschinen verlassen jedes Jahr die Fertigungshallen und arbeiten häufig bei Automobilzulieferern. Der Umformspezialist setzt schon seit rund zehn Jahren auf Rexroth-Rollenschienenführungen. Aber erst als Rexroth mit der Größe 125 den neuen Maßstab für Schwerlastführungen setzte, konnte Helmerding die Vorteile der Wälzlagertechnik auch für die großen Doppelständer-Exzenterpressen bis 2.000 Tonnen Druckleistung nutzen. Bei den Doppelständer-Exzenterpressen setzt das Unternehmen der Taake-Gruppe auf die geteilte und gespannte Bauweise.

Für Druck und Zug

Diese Stahlkonstruktionen eröffnen eine hohe Flexibilität in der Grundkonstruktion. »Wenn die Halle zehn Zentimeter niedriger als unsere Grundkonstruktion ist, dann braucht der Kunde keine neue Halle, sondern wir passen die Maschine an«, lächelt Wilhelm Taake. Mit vorgespannten Zugankern im Rahmen verhindert Helmerding das unerwünschte Einziehen der Seitenständer.

Darüber hinaus vergießt der Hersteller die Stahlkonstruktion mit Mineralguss und erzielt so ein minimales Schwingungsverhalten der Maschinen. Unrunde Zahnräder optimieren die Arbeitsgeschwindigkeit des Stössels und zwei gegenläufige Wellen im Pressenantrieb eliminieren die Querkrafteinleitung ins Werkzeug.

Bei den Doppelständer-Exzenterpressen wird der Stössel von vier Rexroth-Rollenschienenführungen der Größe 125 mit je zwei vorgespannten Führungswagen geführt, dies entspricht acht Lagerstellen. „Rollenschienenführungen nehmen nicht nur Druck- sondern auch Zugkräfte auf und führen das Werkzeug damit wesentlich genauer«, hebt Johann Ptok, Konstruktionsleiter von Helmerding, hervor. Im Gegensatz zu Gleitführungen erreicht die Wälzlagertechnik eine bis zu achtfache Kraftverteilung auf vier Zug- und vier Druckfelder. Die vorgespannten Führungswagen führen den Stössel auch bei außermittigen Umformvorgängen absolut steif mit minimaler Seitenauslenkung. Das garantiert eine hohe Präzision bei geringem Verschleiß.

Hochbelastbar

Die Rexroth-Rollenschienenführung 125 erreicht dynamische Tragzahlen bis zu 1.000 kN. Die statische Tragfähigkeit der RSF 125 liegt sogar bei 2.000 kN. „Die Abweichung der bei uns eingesetzten Profilschienen beträgt maximal 0,02 mm auf 1 m“, berichtet Johann Ptok. „Trotzdem ist der Aufwand der Profilschienen für Montage und Inbetriebnahme wesentlich geringer als bei Gleitführungen“, rechnet Wilhelm Taake vor. Dabei hilft das Rexroth-Austauschkonzept. Führungsschienen und Führungswagen sind auch bei der Größe 125 speziell im Rollenlaufbahnbereich derart präzise gefertigt, dass Schiene und Führungswagen jederzeit einzeln austauschbar sind.

Das aufgeklipste Abdeckband wird in einem Stück in der bestellten Länge geliefert und deckt die gesamte Länge der Führung ab. Die Zentralschmierung versorgt die mit allseitig zugänglichen Schmieranschlüssen ausgerüsteten Führungswagen bei jedem 2.000sten Hub mit Fließfett. „Im Vergleich zu Gleitführungen benötigen diese Pressen mit Rollenschienenführungen nur einen Bruchteil an Schmiermitteln“, betont Johann Ptok. Gerade bei der Lebensdauer der Linearführungen von Rexroth kann Wilhelm Taake auf jahrzehntelange Erfahrungen mit spanenden Maschinen sowie kleineren Pressen zurückblicken: „Wir haben in all den Jahren noch keinen Ausfall einer Führung erlebt.“

Auch bei der Automatisierung setzt Helmerding auf Innovationen. Die neue Multifunktionspresse erlaubt Arbeiten mit Folgeverbundwerkzeugen sowie mit Transferwerkzeugen und dieses ohne die sonst daraus resultierenden Nachteile. Schnelleres Umrüsten zwischen den beiden Verarbeitungsarten und das Bedienen über eine Visualisierung sind die wesentlichen Vorteile.

Antriebe und Motion Control stammen übrigens auch von Rexroth.

„Helmerding gewinnt Kunden durch Qualität, Flexibilität und Service«, ist sich Wilhelm Taake sicher. „Wer einmal bei uns gekauft hat, kommt in der Regel immer wieder.“

Herwig Russkamp

Kasten Rollenschienenführungen

Die Pressenausrüster _ Die Bosch Rexroth AG, ein Unternehmen der Bosch-Gruppe, erzielte im Jahr 2004 mit 26.400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 4,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen bietet unter der Marke Rexroth alle relevanten Technologien des Antreibens, Steuerns und Bewegens: von der Mechanik über die Hydraulik und Pneumatik bis zur Elektronik sowie den zugehörigen Service.

In über 80 Ländern ist der Global Player für 500.000 Kunden ein starker Partner und umfassender Ausrüster für die Industrie- und Fabrikautomation sowie für mobile Anwendungen.

Die Pressenausrüster _ Helmerding, 1945 als Firma Bötcher-Brückmann-Tönisheide gegründet, wurde 1980 in die Helmerding-Gruppe eingegliedert. Zwei Jahre später wurde der Produktionsstandort nach Bad Oeynhausen verlagert. Positive Impulse erfuhr das Unternehmen Helmerding im Jahr 1991 durch die Aufnahme in die Taake Gruppe. Die anschließende betriebswirtschaftliche und technische Umstrukturierung innerhalb des Betriebes führte schnell zur Unternehmenssicherung und -erweiterung.

Erschienen in Ausgabe: 09/2005