Auf Blech komm raus…

...Beim Automatisieren, Verpacken, Transportieren will NSM Magnettechnik die erste Geige spielen. Auch mit dem Hybrid-Zahnriemenförderer, der kein Blech mehr fallen läßt - egal aus welchem Material.

01. Juni 2005

Sondermaschinenbau ohne Innovation - geht nicht. Erst recht nicht, wenn man den Anspruch hat, zu den international führenden Herstellern von Handlingsystemen für Metalle zu gehören. Deshalb hat NSM Magnettechnik erst im Vorjahr 1,3 Mio. Euro in ein neues Konstruktionszentrum im westfälischen Olfen investiert. »Für frische Ideen war es einfach zu eng in unseren alten Konstruktionsbüros. Deshalb wollten wir für unsere Konstrukteure zeitgemäße Arbeitsplätze schaffen, um unserem Hirn und Know-how optimale Bedingungen bieten zu können«, erklärt NSM-Chef Klaus Schädler seine Strategie. »Wir machen Sondermaschinenbau mit einer flexibel gehandhabten Fertigungstiefe - und das in drei Geschäftsfeldern, die uns aber die notwendige Flexibilität geben, um konjunkturbedingte Marktschwächen ausgleichen zu können«, taktiert Klaus Schädler. Trotzdem sei es Ziel von NSM, in allen drei Geschäftsfeldern »die erste Geige zu spielen«: sowohl in der Automation, die 40 bis 50% vom 30-Mio.-Euro-Umsatz ausmacht und die Preß- und Stanzwerke mit NSM-Komponenten zum Stapeln, Entstapeln und Transportieren von Platinen und Formteilen beliefert. Gleiches strebt NSM mit dem Geschäftsfeld Emballagen an, also dem High-Speed-Handling von Dosen, Deckeln und Verschlüssen, das zwischen 25 und 30% des Umsatzes beisteuert und quasi als Keimzelle der NSM Magnettechnik gilt. »Unsere angewandte Magnettechnik zum Transportieren, Filtern und Separieren unter Einsatz modernster Magnetwerkstoffe deckt unser Geschäftsfeld TFS ab.« Aushängeschild des -Geschäftsfeldes Automation ist derzeit der erstmals auf der Euroblech vorgestellte Magnet-Vakuum-Hybrid-Zahnriemenförderer, kurz Hybrid-System, den NSM aus mehreren Gründen entwickelte: Zum einen, weil scharfe Vorderkanten der Blechplatinen die früher eingesetzten Saugerbänder schnell zerstörten. Zum anderen, weil für den Trendwerkstoff Aluminium ma-terialschonende Automatisierungsprozesse noch Mangelware sind und es bei Stapelanlagen oder Platinenzuführungen notwendig ist, Bleche über Transportbänder hängend zu transportieren. Um das nichtmagnetische Aluminium zu transportieren, können die Alu-Platinen nicht - wie bei Stahl üblich - durch magnetische Haftsysteme gehalten und transportiert werden. Bisher kamen hier Transportbänder mit Saugern zum Einsatz. Deren hoher Verschleiß und dadurch reparaturbedingte Stillstandszeiten sowie die Verschmutzung der Sauger durch verölte Platinen wurden von vielen Anwendern als Nachteil angesehen. Deshalb hat NSM ein saugerloses Transportband entwickelt, das sowohl magnetische wie auch nichtmagnetische Materialen transportieren kann.

Venturi-Düse saugt jede Platine an

»Der große Vorteil der neuen Konstruktion ist die Universalität. Sie können alle Materialien schonend transportieren, egal ob magnetisch oder nicht, Alu oder Stahl, und vor allem auch sensible Außenhautteile kratzerfrei über weite Strecken und ineinandergreifende Bänder sicher transportieren«, skizziert Hermann Nelke, verantwortlicher Produktmanager bei NSM. Damit seien Stapelleistungen von 120 Takten pro Minute möglich. Transportsicherheit bringen vor allem die Venturidüsen, die für konstante Saugleistung an jedem einzelnen Sauger sorgen. Für eine höhere Lebensdauer des Förderers haben die Konstrukteure von NSM die Riemen komplett eingefaßt. »Wir haben seit über drei Jahren mehrere Module im Einsatz, wie etwa bei Saab, Rover oder BMW. Bei letzteren laufen unsere Förderer dreischichtig - immer noch mit den ersten Riemen«, betont Hermann Nelke. Generell hat NSM die Zahnriemenförderer äußerst wartungsfreundlich ausgelegt mit Luftmessern und einer Absaugung.

System spart bis zu 50 Prozent Energie

Diese pneumatische Bandreinigung läßt mit dem Förderer den Transport verschiedenster Materialien auch im Wechsel zu, »da selbst eingedrückte Späne von hochfesten Materialien damit sicher entfernt werden«, verspricht Hermann Nelke. Im Detail besteht das patentierte Transportbandsystem aus zwei getrennten Zahnriemen mit dazwischen angeordneten feststehenden Saugdüsen. Als Haftsystem für Stahlbleche wird ein bisher bewährtes, jedoch modifiziertes, elektrisch schaltbares Magnetsystem eingesetzt. Zusätzlich hat NSM in das Magnetsystem einen neuen Vakuumerzeuger integriert. Sechs Hauptvorteile für den Anwender sieht Hermann Nelke durch das Transportbandsystem: »Das berührungsfreie Band-Reinigungssystem läßt noch nicht gekannte, extrem hohe Standzeiten der Zahnriemen zu, was der wartungs- und verschmutzungsfreie Vakuumerzeuger unterstützt. Zudem erspart das kombinierte Magnet-/Vakuumsystem des Zahnriemenförderers den Platinen das Andrücken bei der Übernahme, wie bei Saugerbändern notwendig, weil es die Bleche ansaugt; darüber hinaus reduziert unser neu entwickeltes Energiesparsystem drastisch die Energiekosten - um bis zu 50%«, beziffert Hermann Nelke das Potential des neuen NSM-Hybrid-Systems. »Da NSM sehr erklärungsbedürftige Produkte herstellt, haben wir uns auf einen Kernmarkt konzentriert: die Achse Marrakesch bis Moskau«, erklärt Klaus Schädler. »Einzelne Satellitenkunden, wie zum Beispiel Duracell für den Transport von Batteriehülsen oder Dosenhersteller und Brauereien in Südafrika, USA und Asien, stellen dazu eine sinnvolle Ergänzung dar.« Als weiteren Baustein des NSM-Erfolgs nennt Klaus Schädler die produzierte Qualität, die zusammen mit der Innovation Basis sei für ihr prozeßorientiertes Management-System. Durch Implementierung von KVP als elementaren Bestandteil der Prozesse, ist NSM in der Lage seinen Kunden auch künftig hochwertige Produkte und Leistungen anzubieten. Dafür wurde das Managementsystem zuletzt 2004 um die Umwelt-Zertifizierung nach DIN 14001 sowie nach Re-Zertifizierung VDA 6.4 und DIN EN ISO 9001 erweitert.

Harald Klieber

NSM in Kürze

Seit über 40 Jahren zählt sich NSM zu den international führenden Herstellern von Handlingsystemen für Metalle. Das Effizienz auch in Olfen groß geschrieben wird, zeigen die Zahlen: Verbuchte NSM 1990 noch mit 395 Mitarbeitern einen Umsatz von 55 Mio. Mark, erwirtschafteten rund 220 Mitarbeiter, davon 35 Ingenieure und Techniker in Konstruktion, Fertigung und Vertrieb, samt 28 Azubis in 2003 rund 30 Mio. Euro. Schwerpunkt ist mit 70% Umsatzanteil der Export, davon werden aber nur 25% direkt ins Ausland geliefert - alles andere läuft über OEMs. »Da NSM sehr erklärungsbedürftige Produkte herstellt, konzentrieren wir uns auf einen Kernmarkt: die Achse Marrakesch bis Moskau«, so Geschäftsführer Klaus Schädler. Dazu kommen weltweit Satellitenkunden, wie Duracell für den Transport von Batteriehülsen oder Dosenhersteller und Brauereien in Südafrika, USA und Asien.

Erschienen in Ausgabe: 03/2005