Um mit dem Positiven zu beginnen: Auch im Bundeswirtschaftsministerium scheint sich herumgesprochen zu haben, dass die Zukunft der deutschen Wirtschaft in neuen Technologien liegt. Das Stuttgarter Start-up hat sich die Pläne des Ministers aber genauer angeschaut.

»Im O-Ton heißt das: Für die deutsche [...] Wirtschaft muss es das Ziel sein, für neue und insbesondere Game-Changer-Technologien nicht nur Leitmarkt, sondern auch Leitanbieter zu sein«, führt Adrian Raidt, Gründer und Mitglied der Geschäftsleitung von Laserhub, aus. »Die schwammige Formulierung des Satzes macht aber gleich deutlich: Wir sind in Deutschland noch mehr als einen Schritt davon entfernt.«

Überholter Regulierungsrahmen

Richtigerweise attestiert das BMWi, dass Technologieunternehmen hierzulande auf Barrieren stoßen: »Insbesondere bei digitalen Geschäftsmodellen stehen in Teilen überholte Regulierungsrahmen im Weg.« Die Erfahrungen aus der Gründungsphase von Laserhub unterstützen das. Bis die Gründer der Plattform für digitales Auftragsmanagement für Blechbearbeiter und deren Kunden die erste Rechnung verschicken konnten, vergingen rund drei Monate – solange dauerte das ganze Prozedere rund um Eintragung im Handelsregister, Gewerbeanmeldung und Steuernummer.

Das junge Unternehmen konnte also de facto sein erstes Vierteljahr kein Geld einnehmen. Ebenfalls sehr aufwendig war und ist die initiale Feststellung und laufende Prüfung, ob man als Gründer sozialversicherungspflichtig ist oder nicht. Das Gegenmittel? »Mit der Reallabor-Strategie will das BMWi digitale Innovationen ermöglichen und Regulierungen weiterentwickeln.« Einzelne Unternehmen dürften also Neuerungen schon für sich austesten.

»Der Haken ist aber, dass derzeit noch geprüft wird, ob Reallabore auch dafür genutzt werden können, den Abbau von Bürokratie voranzubringen. Oder anders ausgedrückt: Bis sich wirklich etwas ändert, wird noch eine lange Zeit vergehen«, erklärt Adrian Raidt. »Für Start-ups, die schon jetzt Innovation vorantreiben, zählt aber jeder Monat, denn das Eigenkapital ist knapp.«

Investitionsklima muss freundlicher werden

Richtigerweise bemängelt das BMWi auch die verhaltene Investitionsbereitschaft in derlei Unternehmen – Deutschland hinkt in Sachen Venture Capital anderen Industrienationen hinterher. Gerade junge, deutsche B2B-Unternehmen blicken neidisch in die USA.

Was hier nach Meinung des Ministers helfen soll? Der ›Zukunftsfond Deutschland‹ soll etwa technologieoffene Finanzierungsmöglichkeiten von Game-Changer-Technologien verbessern. »Dabei wird sowohl eine Direktförderung als auch ein umfangreicher Beteiligungsfonds angestrebt.« Es gilt allerdings die Devise: »So viel private Initiative wie möglich – so wenig staatliche Flankierung wie nötig.«

Was das in der Konsequenz bedeutet, das stehe leider nicht in der Strategie. Andere Maßnahmen zur Verbesserung der hiesigen Wagniskapitalförderung fehlten ebenfalls. Dabei läge genau hier aus unserer Sicht ein riesiges Potenzial verborgen, da Venture-Capital-Firmen im Zweifel das Zukunftspotenzial eines neuen Geschäftsmodells besser bewerten könnten als die Bundesregierung, kritisiert Adrian Raidt.

Spielt doch mehr Zukunftsmusik!

Es gibt aber auch konkrete Ansätze in der Industriestrategie 2030. Das BMWi skizziert in einem Drittel des Papiers Pläne zur Senkung der Steuerlast für Unternehmen oder zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts. Ein anderer großer Part dreht sich darum, wie deutsche Unternehmen vor ausländischen Investoren zu schützen sind. Beides schützt vor allem Unternehmen, die bereits am Markt etabliert sind.

Prinzipiell ist nichts falsch daran. Was Laserhub als junges, digitales Technologieunternehmen stört, ist allerdings die Unverhältnismäßigkeit. Es scheint, als ob das BMWi am liebsten Bestehendem wieder zu alter Größe verhelfen möchte – in einer vorhergegangenen Version des Papiers wurden explizit Konzerne wie Siemens genannt, in der vorliegenden immerhin auch KMUs. Wie aber neue Unternehmen am Markt etabliert werden sollen, hierfür fehlt offensichtlich die Weitsicht.

Für junge Unternehmen wie Laserhub, die auf Digitalisierung und Plattformökonomie setzen, steckt wenig drin in der Industriestrategie 2030. Oder anders ausgedrückt: Bevor sich die Bürger und Unternehmen über niedrigere Steuern freuen können, braucht es erst einmal Mittel, mit denen diese bezahlt werden können.

»Aus diesen Gründen betrachten wir die Industriestrategie 2030 mit einer gewissen Gleichgültigkeit. Auf Basis dieses Papiers ist keine zusätzliche Unterstützung des Staates für junge Unternehmen absehbar – daran wird sich wahrscheinlich auch nichts ändern, sollte die große Koalition weiter bestehen und die Strategie in konkrete Gesetze umwandeln«, fasst Adrian Raidt abschließend zusammen. »Wir gehen davon aus, dass wir unsere Herausforderungen weiterhin ohne spürbare staatliche Unterstützung meistern werden.«