Angebot für den Nachwuchs im Metallhandwerk

Der Unternehmerverband Metall Baden-Württemberg (UVM) geht mit Metallplus neue Wege in der Ausbildung der Handwerksmeister. In nur zweieinhalb Jahren können junge Menschen mit Hochschulreife die Lehre zum Metallbauer oder Feinwerkmechaniker absolvieren und sowohl die Gesellen- als auch die Meisterprüfung ablegen.

31. Mai 2013

Der UVM hat gemeinsam mit der Gewerblichen Schule in Göppingen einen neuen Ausbildungsgang entwickelt. Er wurde jetzt vom Ministerium für Kultus und Sport als Schulversuch zugelassen und startet bei ausreichender Schülerzahl mit Beginn des Schuljahrs 2013/2014.

Der demographische Wandel sorgt im Handwerk zunehmend für Nachwuchsprobleme. Zudem streben immer mehr junge Menschen auf das Gymnasium und danach eine akademische Ausbildung an. Um den Fortbestand der Betriebe zu sichern, ist es daher notwendig, in der Gewinnung von Fachkräften neue Wege zu gehen und Abiturienten, die ihre Begabung mehr auf der praktischen Seite sehen, ein attraktives Angebot zu machen.

Gleichzeitig liegt es im Interesse des Handwerks, das duale Ausbildungssystem, das weltweit als Vorbild dient und die besondere Qualität der Handwerksleistungen in Deutschland ermöglicht, beizubehalten.

„Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung in Baden-Württemberg hat den Trend zum Gymnasium noch verstärkt und den Druck auf die beruflichen Schulen weiter erhöht“, berichtet Siegfried Pietras, Schulleiter der Gewerblichen Schule Göppingen. „Wir hoffen, dass der Schulversuch gleich mit dem nächsten Schuljahr starten kann und werden uns dafür mit Nachdruck einsetzen.“

Das technische Wissen, das ein Handwerksmeister beherrschen muss, sei sehr anspruchsvoll, erläutert Rainer Schauder, beim UVM für die Ausbildung verantwortlich. „In den letzten Jahren bekamen wir daher immer häufiger Anfragen von unseren Betrieben nach anspruchsvollen Bildungsgängen, die auch für Abiturienten interessant sind. Metallplus ist die Antwort darauf.“

Eine zusätzliche Attraktivität erfährt Metallplus dadurch, dass im vergangenen Jahr der Meister und Techniker in den Deutschen Qualitätsrahmen (DQR) eingestuft und offiziell dem Bachelor gleichgestellt wurde. „Die Ausbildung zum Meister mit Metallplus und der Bachelor dauern gleich lang. Im Gegensatz zum Bachelor kann der Meister allerdings von Anfang an Geld verdienen“, nennt Gerhard Feldmann, stellvertretender Landesinnungsmeister des UVM einen weiteren Vorteil.

Der Lehrplan bei Metallplus baut auf dem im Gymnasium erworbenen Lern- und Wissensstand auf. Er ist dual angelegt, das heißt, Zeiten im Ausbildungsbetrieb wechseln sich mit Unterricht in der Berufsschule ab.

Interessenten müssen zunächst einen Betrieb finden, der sie zu der Ausbildung anmeldet. Der Unternehmerverband Metall ist bei der Suche nach einem geeigneten Betrieb behilflich.

Die Auszubildenden stellen dann einen Antrag auf 12 Monate Ausbildungszeitverkürzung aufgrund Abitur oder Fachhochschulreife. Vom Ausbildungsbetrieb erhalten sie einen Lehrvertrag mit einer Verkürzung auf 30 Monate.

Für den Unterricht werden sie an die Gewerbliche Schule in Göppingen (für Metallbauer) beziehungsweise die Balthasar-Neumann-Schule II in Bruchsal (für Feinwerkmechaniker) überstellt. Dort erhalten sie Blockunterricht in speziellen Klassen. Dieser findet in Bruchsal am Wochenende (Freitag und Samstag) und in Göppingen jeweils von Montag bis Freitag statt. Insgesamt werden die Auszubildenden während der ersten beiden Jahre 14 Wochen lang in jeweils 38 Wochenstunden unterrichtet.

Nach zwei Jahren und erfolgreichem Abschluss der Gesellenprüfung folgen dann sechs Monate Vollzeitunterricht zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung.

Die Lehrzeitverkürzung wird den Abiturienten selbstverständlich nicht „geschenkt“: „Das Berufsbild des Metallbauers verliert nicht seine Gültigkeit, die landeseinheitliche Prüfungsordnung gilt uneingeschränkt, alle dort vorgeschriebenen Inhalte werden vermittelt“, betont Schauder. „Wer sich für Metallplus entscheidet, muss sich dieses Inhalte in erheblich kürzerer Zeit aneignen und damit im Klaren sein dass ihm etwas abverlangt wird.“

Auch die vorzeitige Zulassung zum zweiten Teil der Gesellenprüfung geschehe nicht automatisch, sondern setze eine Durchschnittsnote des Betriebs und des letzten Berufsschulzeugnisses von mindestens 2,4 voraus.

Erreicht ein Lehrling diesen Notendurchschnitt nicht, muss er seine Ausbildung allerdings nicht abbrechen, sondern durchläuft die üblichen Ausbildungsgänge, allerdings nicht mehr in der Metallplus-Klasse. Auch wer die Gesellenprüfung nicht besteht, kann diese nach einem halben Jahr wiederholen und in den üblichen Ausbildungsgang wechseln.

„Studenten, die Prüfungen nicht bestehen, müssen aufhören. Dies ist bei uns nicht der Fall. Deshalb haben wir jetzt auch ein attraktives Angebot für Studienabbrecher in den MINT-Berufen“, betont Siegfried Pietras.

„Metallplus bietet von Anfang an interessante und anspruchsvolle Ausbildungsinhalte wie Arbeitspädagogik und Unternehmensführung“, erläutert Studiendirektor Ulf Immelnkämper, Abteilungsleiter berufliche Aus- und Weiterbildung für den Bereich Metalltechnik in Göppingen. Die Meisterprüfung Teil IV (Ausbilder-Eignungsprüfung gemäß AEVO) steht am Ende des ersten Jahrs, der betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Teil der Meisterprüfung (Teil III) schließt sich an den zweiten Teil der Gesellenprüfung an.

Während der zweiten Stufe der Ausbildung absolvieren die Gesellen dann sechs Monate lang den Meisterkurs. Dafür werden sie in Göppingen beziehungsweise Bruchsal in Vollzeit unterrichtet. Nach erfolgreicher Meisterprüfung Teil I (praktische Prüfung) und Teil II (fachtheoretische Kenntnisse) haben sie nach zweieinhalb Jahren Ausbildungszeit neben der Gesellenprüfung alle vier Prüfungsteile des Meisters absolviert und erhalten den Meisterbrief.

„In der Verantwortung der Ausbildungsbetriebe liegt es, den Metallplus-Anwärtern anspruchsvolle Projektaufgaben zu stellen und in der verkürzten Lehrzeit die erforderlichen praktischen Kenntnisse zu vermitteln“, betont Rainer Schauder.

„Die Betriebe müssen sich im Klaren sein, dass sie für den Erfolg von Metallplus ebenso Verantwortung tragen“, unterstreicht Gerhard Feldmann. „Dafür bekommen sie junge, ehrgeizige und leistungsbereite Menschen, die später in der Lage sind, Führungsaufgaben zu übernehmen und die Qualität im Handwerk in Zukunft zu gewährleisten.“

Ausführliche Informationen gibt es im Internet unter www.metall-verband.de