Am laufenden Band

Bandenden-Schweißanlagen für Rohbänder

Um Anstanz- und Einfädelzeiten zu sparen, können auch Rohbänder miteinander verschweißt werden. Das gewährleistet einen kontinuierlichen Materialdurchsatz. Für Rohbänder in der Stanzzuführung werden WIG-, und für vorgestanzte Bänder in der Weiterverarbeitung WID-Anlagen verwendet. Die Geräte sind mobil und können an verschiedenen Orten der Produktion eingesetzt werden.

11. Dezember 2001
Das Anstanzen neuer Bänder dauerte in den meist komplexen Werkzeugen oft 15 bis 30 Minuten und länger. Mit der Harwi-Anlage ist das abgearbeitete mit dem neuen Band in etwa zwei Minuten verbunden.
Bild 1: Am laufenden Band (Das Anstanzen neuer Bänder dauerte in den meist komplexen Werkzeugen oft 15 bis 30 Minuten und länger. Mit der Harwi-Anlage ist das abgearbeitete mit dem neuen Band in etwa zwei Minuten verbunden. )

Es ist durchaus kein Zufall, daß sich ausgerechnet ein aus der Feinwerktechnik stammendes Unternehmen in Pforzheim mit der Schweißtechnik beschäftigt. Schließlich ist es naheliegend, daß die Technik der Ringgeflechtherstellung in der Uhren- und Goldstadt quasi beheimatet ist. Die feinen, aus zahllosen gebogenen, miteinander verflochtenen und geschweißten Ringen bestehenden Geflechte wurden früher überwiegend für Geldbörsen und ähnliche Accessoires verwendet. Heute werden diese hauptsächlich für Kettenhandschuhe, also Schutzkleidung, benötigt. Die Schweißtechnik spielt in diesen Produktionsverfahren eine wichtige Rolle. Daraus erklärt sich auch der Zusammenhang mit der Feinwerktechnik, zumindest im Bereich des Pforzheimer Unternehmens Harwi GmbH, Schweiß- und Automatisierungstechnik.

Das Know-how im Feingerätebau sowie die Erfahrung in praktisch jeder Art des Schweißens hat der Techniker Harald Wintzer, Geschäftsführer des Unternehmens, in die Entwicklung von automatischen Bandenden-Schweißanlagen für Rohbänder eingebracht. Mit diesen Anlagen werden die Enden abgearbeiteter Bänder mit den Anfängen nachfolgender Bänder verschweißt, um einen kontinuierlichen Materialdurchsatz an Stanz- und Montageanlagen zu gewährleisten.

Für die Verarbeitung von Rohbändern im Bereich der Stanztechnik wurde die WIG- Anlage entwickelt. Ausschlaggebend dafür waren in erster Linie die hohen Ausfallzeiten, die beim Bandwechsel anfallen. Dauert das Anstanzen neuer Bänder in den meist komplexen Werkzeugen oft 15 bis 30 Minuten und länger, ist mit dieser Anlage das abgearbeitete mit dem neuen Band in etwa zwei Minuten verbunden. Die Produktion läuft somit ohne Stillstand „am laufenden Band“ weiter. In vielen Produktionsbereichen, insbesondere dort, wo nachfolgende Arbeitsgänge angekoppelt sind oder beispielsweise Profile mit Kunststoff umspritzt werden, ist dies nicht nur ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor, sondern prozeßbedingt unabdingbar.

Für den mobilen Einsatz konzipiert

Außerdem ergaben Untersuchungen, daß so 60 bis 80 Prozent der Werkzeugbrüche zu vermeiden sind, da diese meist beim Anstanzen verursacht werden. Der ROI (Return-on-investment) für diese Anlagen ist demzufolge extrem kurz.

Eine Besonderheit der Maschinen, die es in Größen bis zur maximalen Bandbreite von 260 mm gibt, ist die Verpreßeinrichtung. Mit ihr werden Materialaufwürfe und Verdickungen verpreßt, die durch das Schweißen entstehen. Die kompakte Bauweise ermöglicht den mobilen, wechselseitigen Einsatz an verschiedenen Orten innerhalb der Produktion. Dies wird auch durch die Steuerung unterstützt, in der 100 Schweißprogramme mit allen dazu gehörenden Parametern abgespeichert werden können. Dank frei programmierbarer Schweißabläufe besteht die Möglichkeit, nahezu alle schweißbaren Materialien, auch Aluminium, zu verarbeiten. Die eigene Software unterstützt das Schweiß-Know-how und gewährleistet eine einfache Bedienbarkeit. Von der eigens optimierten Schweißstromsteuerung bis hin zur SPS S7 von Siemens sind die Anlagen auch steuerungsseitig auf dem neuesten Stand der Technik.

Für die nachfolgenden Arbeitsgänge, das heißt bei der Weiterverarbeitung der vorgestanzten Bänder, ist das Widerstandschweißverfahren erforderlich. Auch hierfür wurden sehr ähnliche Anlagen mit der gleichen Zielsetzung, nämlich kontinuierliche Prozeßabläufe ohne langwierige Bandeinfädelungen zu gewährleisten, entwickelt. Diese Geräte sind ebenfalls mobil einsetzbar. Da die Einsatzorte in der Regel innerhalb bestimmter Fertigungslinien angesiedelt sind, reichen die zur Zeit fünf gleichzeitig abspeicherbaren Schweißprogramme aus. Mit diesen Anlagen können sehr diffizile und komplexe Bänder exakt zusammengeschweißt werden. Das Besondere daran ist, daß komplizierte Bänder, die an mehreren Punkten verschweißt werden müssen, gleichzeitig auf Teilung verschweißt werden. Dank einer Glühoption besteht auch die Möglichkeit, kohlenstoffhaltige Stähle zu schweißen. Weitere Raffinessen, wie eine automatische Aushebung, die das Lösen der Stanzstreifen aus den Fixierstiften vereinfacht, erhöhen die Effizienz und zeugen von durchdachter Konzeption. Dazu trägt die permanente Rückkopplung zum Anwender sowie die konsequente Umsetzung der Kundenanforderungen bei.

Ein Produkt permanenter Kundenresonanz

Auf Basis dieser WIG- und WID-Anlagen entstehen auch Sondermaschinen, wie zum Beispiel eine Anlage zum Verschweißen unterschiedlicher Buntmetalle in verschiedenen Dicken und Bandbreiten. Die stellt nicht nur an die Schweißtechnik besondere Anforderungen, sondern auch an die Mechanik der Anlage. Entgegen kommt solchen Anforderungen die automatische Elektrodenhöheneinstellung, die in allen Geräten Standard ist.

Die Innovationsfreudigkeit des Unternehmens ist ein wesentlicher Erfolgsbaustein. Das weiß auch Harald Wintzer, auf dessen Gesicht sich ein verschmitztes Lächeln ausbreitet, wenn er aus dem „Nähkästchen“ seiner Entwicklungsabteilung plaudert. Dort beschäftigt man sich derzeit besonders mit den Elektroden - genauer mit deren durch den Schweißvorgang hervorgerufenen Verschmutzung und dem Verschleiß. Versuche mit neuen Materialien, die in dieser Technik noch nicht eingesetzt wurden, verlaufen recht erfolgreich. Es ist deshalb zu erwarten, daß in Kürze Elektroden mit erheblich längerer Lebensdauer zur Verfügung stehen.

Erschienen in Ausgabe: 11/1999