Alles unter Kontrolle

Messen während des automatischen Biegeprozesses

„Weltneuheit in der Biegetechnik“, so präsentierte Rasi Maschinenbau, Illingen, auf der diesjährigen Euroblech in Hannover den neu entwickelten Biegewinkel- und Biegeradiusmesser RW 2002. Mit dieser Innovation, beziehungsweise dem zugehörigen Meßverfahren will das Unternehmen die wichtigsten Meßaufgaben in der Biegetechnik perfekt und ökonomisch lösen.

06. Januar 2003

Beim Drei- beziehungsweise Vier-Walzenbiegen und beim Ringbiegen sind Messung und Kontrolle des Biegewinkels und des Biegeradius während des automatischen Biegeprozesses möglich. Der Vorteil für den Bediener liegt auf der Hand: Das Werkstück kann in der Maschine belassen werden, das Meßergebnis wird auf einem großen Display angezeigt.

Mit dem RW 2002 ist die Biegewinkelmessung selbst großer Radien und Biegewinkeln über 180 ° kein Problem mehr. Das Handling des RW 2002 ist auch sonst denkbar einfach: Vor dem Biegevorgang wird der Steuerung der Maschine der gewünschte Biegeradius und Biegewinkel vorgegeben. Mit dem neuen Verfahren wird schon nach etwa 10 mm Walzstrecke nach dem Anbiegen der tatsächliche Biegeradius bestimmt und kontrolliert. Um die vorgegeben Radius-Tolerenzen einzuhalten, wird der Radius dauernd oder in Intervallen gemessen und die Zustellrolle bei Bedarf mehr oder weniger zugestellt.

Drum prüfe, wers nicht glauben kann

Die Besucher der Euroblech konnten auf dem Messestand von Rasi diesen Meßvorgang life beobachten. Erstaunlich ist, daß die Biegemaschine schon nach kurzem Anbiegen „merkt“, daß das Material zum Beispiel eine größere Radiusaufweitung aufweist und demenstprechend eine größere Biegezustellung erfordert.

Ebenso beeindruckte die Anlage dadurch, daß die Rückfederung und der Ausbiegeeffekt schon vor dem Erreichen des Sollbiegewinkels automatisch ermittelt wurde. Die Biegemaschine „weiß“ somit, auf welchen Endwinkel sie positionieren muß, damit der Sollwinkel nach dem Anbiegen exakt erreicht wird. Der RW 2002 reagiert sehr schnell auf Störungen und Veränderungen während und vor dem Biegeprozeß und kompensiert deren Einflüsse sofort. So entsteht ein genaues Ergebnis des Biegewinkels und des Biegeradius, unabhängig von Materialeigenschaften und Chargenschwankungen. Ohne Kenntnisse des Materialverhaltens kann der Biegewinkel und der Biegeradius auf Anhieb richtig gebogen werden, und somit ist ein zielgenaues Drei- oder Vier-Walzenbiegen oder Ringbiegen kein Problem mehr. Der RW 2002 ermöglicht zudem das Messen von Kurvenwinkeln, das Nachmessen vorgebogener Teile, die aus einem oder mehreren Biegewinkeln bestehen, sowie ein kontrolliertes Nachbiegen beziehungsweise Aufbiegen der Teile.

Ein weiteres Plus der Anlage ist die Einsatzmöglichkeit bei der neuen Mehrradienbiegemaschine von Rasi, der „S 60.5“. Hier wird mit dem Biegewinkelmesser für den Biegeeinlauf auch die Rohrrückfederung beim Dornbiegen gemessen und automatisch kompensiert. Die Maschine kann beim Freiformbiegen und beim Dornbiegen das Materialverhalten messen und entsprechend reagieren, so daß maßhaltige Biegeteile auch bei unbekanntem Materialverhalten oder starken Materialschwankungen produziert werden können.

Live-Test sorgte für Klarheit

Ein Versuch auf dem Messestand demonstrierte sehr anschaulich die Maßhaltigkeit bei unterschiedlichen Rohrmaterialien: mit den gleichen Biegebefehlen wurde ein Rohr einmal in Edelstahl und einmal in Stahl gebogen. Im Falle des Edelstahlrohrs war die Radiusaufweitung und die Rohrrückfederung wesentlich größer als programmiert. Während dem Biegeprozeß hat dies die Maschine „gemerkt“ und die Maschineneinstellungen entsprechend erhöht. Bei dem Stahlrohr hat sich die Maschine während des Biegeprozesses sehr schnell auf das „weiche“ Stahlrohr eingestellt. In beiden Fällen war der Biegeradius und der Biegewinkel in der gewünschten Toleranz.

Ein weiterer Vorteil der neuen Anlage ist das automatische Anlegen von materialspezifischen Korrekturkurven, das heißt die Maschine speichert ihr „Wissen“. Beispielsweise war beim Edelstahlrohr bei einem Radius von 500 eine Zustellung von 193,7 mm notwendig und die Maschine hatte eine Rohrrückfederung von 1,8° gemessen. Bei einem anderen Radius, etwa für Radius 800 wurde eine Zustellung von nur 191,8 mm und eine Rückfederung von 1,5° gemessen. Diese Daten werden automatisch in eine Korrekturliste eingetragen und die Werte interpoliert beziehungsweise extrapoliert. Wird ohne Meßgerät gebogen, greift die Maschine auf diese „Erfahrungen“ zurück.

Wie schon viele andere patentierte Meßsysteme von Rasi ist dieser Biegewinkel- und Radienmesser RW 2002 zum Patent angemeldet. Der Vorteil für Rasi-Kunden besteht darin, daß der Biegewinkel- und Radienmesser auch bei vorhandenen Rasi-Biegemaschinen nachgerüstet werden kann.

Erschienen in Ausgabe: 11/2002