Alles in einer

Technik

Für einen Schalungs- und Gerüstebauer haben RSA und Sema ein Hochleistungs-Bearbeitungszentrum zum Sägen, Entgraten, Stanzen, Domen, Plätten und Entladen von Stahlrohren entwickelt und in Betrieb genommen.

21. März 2017
1Das Hochleistungs-Bearbeitungszentrum von RSA und Sema vereint das Sägen, Entgraten, Stanzen, Domen, Plätten und Entladen von Rohren in einer Anlage.2Beim Plätten von Querstreben werden Rohranfang und -ende flach umgeformt. Bildquelle: RSA
Bild 1: Alles in einer (1Das Hochleistungs-Bearbeitungszentrum von RSA und Sema vereint das Sägen, Entgraten, Stanzen, Domen, Plätten und Entladen von Rohren in einer Anlage.2Beim Plätten von Querstreben werden Rohranfang und -ende flach umgeformt. Bildquelle: RSA)

Das schwäbische Unternehmen Peri ist einer der größten Schalungs- und Gerüstebauer weltweit. Das Unternehmen bietet umfassende und individuelle, ganzheitliche Lösungen mit maßgeschneiderten Logistik-, Service- und Ingenieurleistungen.

Das Ziel war, mit dem Säge- und Bearbeitungszentrum individuelle Gerüstteile und Schalungsstützen deutlich schneller als bisher zu fertigen. Bislang gab es für die jeweiligen Prozesse einzelne Bearbeitungsstationen, gepaart mit Umrüstzeiten bis zu 30 Minuten.

Mit der neuen Linie sollten alle Prozesse in einer Anlage verbunden und die Umrüstzeiten auf weniger als fünf Minuten gesenkt werden. Projektverantwortlicher Günter Reif betont: »Unsere ambitionierten Forderungen nach kurzen Durchlauf- und Rüstzeiten werden bereits jetzt vollständig erfüllt.« Damit ist Peri in der Lage, sowohl größere Serien wirtschaftlich zu bearbeiten, wie auch schnell auf Teile mit geringen Stückzahlen umzurüsten.

Das modular aufgebaute und erweiterbare Säge- und Bearbeitungszentrum hat ein von RSA entwickeltes, standardisiertes und benutzerfreundliches Bedienkonzept. Damit können alle Stationen in einer Steuerung programmiert werden – inklusive der Stanz-, Dom- und Plätteinheit von Sema Systemtechnik.

In dem Bearbeitungszentrum sind verschiedene Prozesse in einer Anlage wirtschaftlich verkettet. Die Taktzeit für alle Einzelprozesse wie Stabzufuhr aus dem Magazin, Sägen, Entgraten, beidseitiges Stanzen von acht Löchern bei einem 48,3 mal 3,25 Millimeter großen Stahlrohr beträgt beispielsweise nur sechs Sekunden. Das einseitige Stanzen und Domen eines 38 mal 3,2 Millimeter langen Rohres dauert ebenfalls nur sechs Sekunden.

Einheitliche Steuerung

Erreicht wird das mit einem durchdachten und optimierten Gesamtprozess, der parallele Bearbeitungsschritte zulässt. So werden beispielsweise an der RSA-Säge Standard-Schnellarbeitsstahl-Sägeblätter eingesetzt, die 15-mal nachgeschliffen werden können. Die Stanzeinheiten kommen ebenfalls mit Standard-Werkzeugen aus. Das garantiert geringe Stückkosten.

Kernelemente der neuen Anlage sind die Einzelschnitt-Hochleistungssäge ›Rasacut SC‹ von RSA, ergänzt durch das vollautomatische Entgratsystem ›Rasaplan‹ und die kundenspezifische Stanz- und Domeinheit von Sema sowie die Entladeeinheit ›Rasaport‹ von RSA. Unter dem Fachbegriff Domen versteht man das mechanische, spanlose Anformen einer Verrundung, in diesem Anwendungsfall um Rohre leicht ineinander stecken zu können. Die Stanz- und Domeinheit von Sema kann wahlweise ein- oder beidseitig an verschiedenen Rohrpositionen pro Rohr vier Durchgangslöcher stanzen und per Domeinheit die Rohrenden umformen.

Das Stanzen von Sacklöchern ist ebenfalls möglich. Die moderne Steuerung erlaubt verschiedenste Lochmuster. RSA hat für die Spezialanlage eine übergeordnete Steuerung konzipiert, deren benutzerfreundliches Bedienkonzept alle Anlagenmodule umfasst, die zusätzlich jeweils eigene Steuerungen haben.

Eine weitere Besonderheit des Säge- und Bearbeitungszentrums ist, dass Rundrohre, Vierkant- und Rechteckrohre, die nicht gestanzt werden sollen, ohne eine verringerte Ausbringung einfach durch den Bereich der Stanzeinheit durchgeschleust werden können. Dazu werden anstelle des Quertaktrechens im Bereich der Stanze einfach Riementransporte eingesetzt.

Das modulare Konzept des Säge- und Bearbeitungszentrums lässt es auch zu, weitere Module – unter anderem zum Messen, Waschen, Trocknen und Markieren – zu erweitern. Die Partnerunternehmen der Tube Innovation Days, zu denen RSA und Sema gehören, haben für jede Be- und Verarbeitungsaufgabe in der Rohrherstellung und -verarbeitung die passende Lösung. Dabei bleibt das einheitliche Bedienkonzept selbstverständlich erhalten.

Das Säge- und Bearbeitungszentrum ist uneingeschränkt Industrie-4.0-fähig: Es lässt sich umfassend mit betrieblichen EDV-/BDE-Systemen vernetzen, um beispielsweise Kundenartikel zu verwalten, Anlagenzustände zu melden, an Wartungen zu erinnern, Rohmaterial anzufordern oder die Fertigmaterial-Bereitstellung zu melden.

Die universelle und präzise Einzelschnittsäge Rasacut SC von RSA deckt eine hohe Bandbreite an Rohrdurchmessern bei hoher Ausbringung und kurzen Rüstzeiten ab. Beispielsweise sind Längenänderungen und Sägeblattwechsel in weniger als einer Minute erledigt, Formatwechsel in weniger als fünf Minuten.

Exakte Spannung

Anschläge und Sägeblatt werden vollautomatisch positioniert. Eine hohe Schnittqualität durch den variablen Vorschub beim Rohrein- und -austritt sowie die exakte, schnelle und oberflächenschonende Material-spannung durch Voreinstellung von Kraft und Weg gehören zu den weiteren Merkmalen.

Auch das vollautomatische Bürst-Entgratsystem Rasaplan für das gleichzeitige Innen- und Außenentgraten ist für eine hohe Ausbringung ausgelegt. Hier entfällt bei einem Durchmesser- oder Abschnittlängenwechsel jeglicher Rüstaufwand, denn notwendige Einstellungen erfolgen vollautomatisch. Reproduzierbare Entgratergebnisse in kurzer Zeit sowie die schonende Handhabung der Werkstückoberflächen stehen hier im Vordergrund.

Bei der Entwicklung der Sema-Stanz- und Domeinheit lag der Fokus ebenfalls auf kürzest mögliche Taktzeiten. So wird im Gegensatz zu bisherigen Anlagen nicht das Rohr, sondern das Werkzeug hochdynamisch verfahren. Dadurch wird eine höhere Genauigkeit der Stanzungen zueinander mit engeren Toleranzen erzielt.

Zum Erreichen einer hohen Flexibilität der Rohrlänge bei kleiner Umrüstzeit kann eine Werkzeugseite über einen Servoantrieb verfahren und positioniert werden. Sämtliche Rezeptdaten sind in der Steuerung hinterlegt und können bequem im Bedienpanel ausgewählt werden. Die integrierte Domeinheit zur Umformung der Rohrenden ist modular in der Gesamtanlage integriert.

Sie wird bei Anwahl pneumatisch in die Arbeitsposition gefahren und verriegelt. Die Stanz- und Domanlage ist dank ihres modularen Aufbaus flexibel gemäß den verschiedenen Kundenanforderungen konfigurierbar. So können die Rohrenden über zusätzliche Module gleichzeitig geplättet und gestanzt werden.

Querstreben plätten

Beim Plätten werden Rohranfang und Rohrende flach umgeformt und gleichzeitig ein Loch eingestanzt, um beispielsweise Querstreben anzufertigen. Für das Entladen der fertig bearbeiteten Rohre ist der Rasaport AS zuständig, eine Gurtmulde von RSA mit absenkbaren Gurten. Dem Füllstand entsprechend werden die Gurte abgelassen. Für die Anpassung an die verschieden langen Rohrabschnitte hat die Gurtmulde verschiebbare Seitenrungen. Ein Entladen mittels Portal- oder Industrieroboter ist ebenfalls möglich.

Sowohl RSA wie auch Sema sind durch ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Rohrherstellung und -verarbeitung sowie aufgrund der vielfach erprobten, gemeinsamen Schnittstellen in der Lage, ein einzigartiges Anlagenkonzept zu entwickeln, das zehn und mehr Bearbeitungsprozesse in einen vollautomatischen Ablauf integrieren kann.

Michael Braetz, geschäftsführender Gesellschafter bei Sema Systemtechnik erklärt zusammenfassend: »Der modulare Aufbau unserer Rohrbearbeitungsanlage erlaubt jederzeit eine Anpassung und Erweiterung auf aktuelle und zukünftige Anforderungen.« Auch bei einer großen Teilevielfalt würden hohe Ausbringungsleistungen erzielt – nicht zuletzt durch schnelle Umrüstvorgänge, schließt Braetz.

Erschienen in Ausgabe: 01/2017