Agiler Materialfluss

Moderne Laserschneidanlagen sind unglaublich schnell – leider stehen sie zu oft still. Was paradox klingt, ist häufig kostenintensive Realität. Was fehlt, ist ein durchgängiges Materialfluss- und Automationskonzept.

16. Februar 2019
Agiler Materialfluss
Der Intralogistikexperte Remmert analysiert vor der Systemintegration den gesamten Materialfluss. (Bild: Remmert)

Die Schneidgeschwindigkeiten von Laseranlagen haben sich mehr als verdoppelt. Anstatt immer mehr Teile in kürzerer Zeit zu produzieren, sehen sich viele Blech verarbeitende Unternehmen mit einem unerwarteten Problem konfrontiert: Die kostenintensiven Laseranlagen sind nicht voll ausgelastet. »Der Knackpunkt ist, dass die Mitarbeiter die Systeme nicht schnell genug be- und entladen können«, erklärt Michael Göbel, Leiter des strategischen Vertriebs bei Remmert. »Wenn jede Palette einzeln vorgefahren und dann jedes Blech von Hand auf den Wechseltisch gelegt werden muss, liegt die Anlagenauslastung bei etwa 25 Prozent.« Die hohe Investition in eine Laserschneidanlage könne sich so niemals rechnen. »Jede Sekunde, in der ein Laser stillsteht, kostet bares Geld«, bringt es Göbel auf den Punkt. »Sind die Laserschneidanlagen jedoch in ein abgestimmtes Materialflusskonzept integriert, lässt sich die Maschinenauslastung auf mehr als 80 Prozent steigern.« Wer sich eine Laserschneidanlage anschaffen möchte, sollte die Investition absichern und sich bereits vor dem Kauf von einem unabhängigen Spezialisten für Materialflussprozesse beraten lassen.

Für eine zukunftssichere Produktion ist die richtige Wahl der Automation entscheidend. »Laserschneidanlagen haben einen kurzen Lebenszyklus: bis sechs Jahre«, erklärt Dr. Thomas Peitz, technischer Leiter bei Remmert. »Die angeschlossene Automation lebt wesentlich länger.« Er rät daher zu maschinenherstellerunabhängigen Automationssystemen, die sich flexibel an Maschinen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Hersteller anbinden lassen. »Ein Be- und Entladesystem, das mit jeder Laserschneidanlage kompatibel ist, wie der Remmert Laserflex, schafft maximale Investitionssicherheit. Deshalb sollte die Wahl der passenden Automationslösung immer an erster Stelle stehen.« Ein weiteres Kriterium für die Investitionssicherheit automatisierter Materialflusslösungen ist ihre Modularität. »Unser Portfolio besteht aus einem flexibel erweiterbaren Modulbaukasten. Der Kunde bekommt also eine auf seine Anforderungen abgestimmte Anlage, die jederzeit schnell um neue Komponenten erweiterbar ist«, stellt Michael Göbel die Vorteile modularer Lösungen heraus. Wenn der Kunde durch erste Automationsprozesse Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gesteigert hat, kann er den Automationsgrad flexibel ausbauen und seine Produktion etwa um die Pufferlagerlösung Basic Tower erweitern.

Der Gesamtprozess ist entscheidend

»Wir betrachten immer den Gesamtprozess und nicht nur die Auslastung der Laserschneidanlage«, stellt Michael Göbel den Ansatz vor. Die Remmert-Experten analysieren zunächst jedes bestehende Layout und die Produktionsanforderungen des Kunden. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle: Welchen Produktivitätsgrad möchte der Kunde erreichen; welches Material muss er in welcher Stückzahl bearbeiten; wie sind seine Personalkapazitäten; wie lässt sich der Maschinenpark mit größtmöglicher Effizienz anordnen? Auf dieser Basis entsteht ein Konzept für einen effektiven Materialfluss, in dem Remmert die Integration seiner modularen und maschinenherstellerunabhängigen Automationssysteme wirkungsvoll plant. »Ziel ist es, die Bleche ohne Unterbrechung ›fließen‹ zu lassen – vom Wareneingang über alle Bearbeitungsstationen bis zum Warenausgang«, erklärt Michael Göbel.

Mehr Produktivität

Die Remmert-Lösungen reichen vom einfachen Handling bis hin zum vollautomatischen Betrieb. Kernelement ist das Be- und Entladesystem Laserflex, das vier Laserschneidanlagen – auch verschiedener Hersteller – parallel und vollautomatisch be- und entlädt. Für die Materialbereitstellung braucht der Laserflex nur 60 Sekunden je Laserschneidanlage und ist damit das schnellste System am Markt. »Schnelle Laserschneidanlagen werden so besser ausgelastet«, preist Dr. Thomas Peitz die Vorteile des Systems. In Kombination mit dem Basic Tower Blech kann eine automatisierte Produktion realisiert werden. Die Lagerautomation eignet sich sowohl als Rohteile- als auch als Pufferlager für geschnittene Fertigteile. Dabei greift der Laserflex auf die Bleche im Basic Tower zu und lagert die geschnittenen Teile bei Bedarf wieder ein. »Wenn die Fertigteile in der Nacht eingelagert und am nächsten Morgen von den Mitarbeitern absortiert werden, können die Laserschneidanlagen rund um die Uhr produzieren. Der Return on Investment steigt«, so Dr. Peitz. Ist das Förderband Beltflex an den Laserflex angeschlossen, lassen sich die Teile nach dem Schneidprozess oder nach der Auslagerung aus dem Basic Tower einfach, schnell und ergonomisch von Hand absortieren. Dieses weitere Modul der Remmert-Flex-Familie ermöglicht dem Mitarbeiter eine ergonomische Körperhaltung und rückenschonendes Absortieren. Der regelmäßige Bandvorlauftakt des Systems macht den Vorgang für den Bediener einfach und effizient. Der Materialfluss beschleunigt sich.

Alles im Blick

Ein funktionierender Materialflussprozess zeichnet sich dadurch aus, dass alle Prozesse zentral und einfach sowie übersichtlich, sprich intuitiv, gesteuert und bedient werden. »Die beste Automation nützt wenig, wenn die notwendigen Informationen für einen effektiven und agilen Materialfluss nicht vorhanden sind oder nicht richtig genutzt werden«, erläutert Michael Göbel. Hier bietet Remmert mit seinem Bedienterminal ein echtes Plus für die Bedienung. Smart Control ist ein einfach und intuitiv bedienbares Software- und Steuerungssystem für den gesamten Produktionsprozess und ist ohne Weiteres in bestehende Anlagen integrierbar. Mit selbsterklärenden, international verständlichen Piktogrammen und wenig Text lassen sich die daran angeschlossenen Remmert-Komponenten, wie der Laserflex und der Basic Tower, einfach und schnell bedienen. Daneben werden auftretende Gefahrensituationen unmittelbar durch die Software visuell dargestellt.

Zusätzlich bietet die Software eine Benutzerverwaltung und gewährleistet somit ein sicheres Berechtigungsmanagement. Als Warenmanagementsystem verzeichnet es Material- und Warenwirtschafts-Masterdaten und ermöglicht dem Nutzer eine übersichtliche Bestandsverwaltung.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 22 bis 23