Abriebfrei

Edelstahl ist weder billig noch verformungsfreundlich. Deshalb setzen ihn Centfuchser wie die Autobauer nur ungern ein. Korrosionsschutzlegierungen setzen sich aber gerne als Abrieb auf Werkzeugen ab und machen sie unbrauchbar. Hier eine besondere Lösung.

02. Mai 2019
Abriebfrei
Beim eigens für LVD entwickelten Gliederdorn hat Albromet kleinere Verbindungsglieder verwendet. (© Albromet)

Wenn Abgasrohre konstruiert werden, sind diese zunehmend aus aluminiertem Stahl, denn das Material hat eine hohe Streckgrenze, eine gute Korrosionsbeständigkeit und behält selbst bei Temperaturen über 650 Grad Celsius seine mechanischen Eigenschaften. Abgesehen davon ist dieser Materialmix wesentlich günstiger als Edelstahl. Das einzige Handicap: Es bildet sich mit der Zeit auf dem Biegedorn so viel Abrieb, dass dieser wegpoliert werden muss. Der Abrieb hinterlässt nicht nur im Inneren des Rohrs ungewollte Kratzer – sondern zum Polieren muss die Produktion unterbrochen werden.

Kratzer durch Abrieb

Diese Erfahrung hat auch Bernardo de la Torre, Engineering bei VDL Belgium, gemacht. Das Unternehmen ist seit 1986 auf die Bearbeitung von Rohren und Blechen spezialisiert. »Der Abrieb auf dem Dorn hat nicht nur Kratzer verursacht, sondern sorgte fast dafür, dass die Rohre beim Biegen brechen«, erinnert sich de la Torre.

»Es hat uns sehr viel Geld gekostet, die Produktion zu unterbrechen, daher suchten wir unter Hochdruck nach einer Lösung des Problems«, erinnert er sich. »Inzwischen haben wir die richtige Kombination zwischen Rohrmaterial, Dornbeschichtung und Schmiermittel gefunden, um Abriebprobleme zu minimieren«, freut sich Bernardo de la Torre nicht ohne Stolz.

Ein Spezialdorn aus Highend-Werkzeugstahl von Albromet, einem Hersteller von Gliederdornen, brachte den Durchbruch. Albromet-Geschäftsführer Peter Lang weiß aus Erfahrung: Aluminierte Stahlrohre müssen aufgrund der problematischen Reibungsverhältnisse zwischen Aluminiumschicht und Biegedorn immer gesondert behandelt werden. Denn bei der Umformung treten sehr hohe Relativbewegungen auf, die beste Oberflächen und optimierte tribologische Verhältnisse erfordern.

Mit Spezialdorn

Für VDL hat Albromet daher einen Spezialdorn entwickelt, bei dem kleinere Verbindungsglieder verwendet werden. »Die sind wegen der sehr dünnen Wandstärke des Rohres mit 1,5 Millimetern bei einem Durchmesser von 127 Millimetern erforderlich«, erklärt Lang. So verringert sich der Abstand der Biegekugeln erheblich, was zu einer optimalen Biegequalität führt. Die Entwicklung der perfekten Oberfläche des Biegedornes war für Albromet zunächst eine besondere Herausforderung. Die Lösung lag in einem Hochglanzpaket, durch das eine hochfeine Oberfläche über einen besonderen Polierprozess erreicht wurde. Die Oberflächen vom Schaft und den fünf Kugelsegmenten wurden zudem auf 1.000 Vickers gehärtet.

Spezialbeschichtung

Damit war der Biegedorn für die Spezialbeschichtung DLC Albromet (Diamond-like-Carbon) vorbereitet. Diese erzielt die geringsten Reibungskoeffizienten in der Anwendung mit aluminiumbeschichteten Stahlrohren. Damit die Rohre nicht überhitzen, wird der ölfreie Spezialschmierstoff Lubbend G-PNS von LBI eingesetzt, der speziell für die Umformung von Aluminium-Legierungen entwickelt wurde. Das Gemisch baut auf besonders polaren Wirkstoffen auf, die eine gute Trennwirkung von Alu-Bauteil und Werkzeug gewährleisten.

Weiterer Vorteil: Der Schmierstoff und die Albromet-Dorne sind dank der MMS-Dosieroption perfekt aufeinander abgestimmt. Der Verbrauch wird minimiert, bei gleichzeitig hoher Prozesssicherheit und sauberen Bauteilen. Da der Schmierstoff aus regenerativen Rohstoffen besteht und zudem biologisch abbaubar ist, fällt auch die Ökobilanz gut aus. Auch der Arbeitsschutz wird berücksichtigt, was einen willkommenen Nebeneffekt darstellt.

Alle Beteiligten sind rundherum zufrieden und Bernardo de la Torre freut sich, dass er seine Produktion künftig nicht mehr nach 100 Rohren anhalten muss, um den Dorn zu polieren. Das Biegen von Rohren läuft bei VDL Belgium wieder reibungslos und wie geschmiert.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 49