75 Jahre Tribologie

Jubiläum

Fasst man die Begriffe Beölung, Schmierstoffe und Dosieren zusammen, so nennt man dies Tribologie. Raziol befasst sich seit nunmehr 75 Jahren mit diesem Thema.

29. August 2016

Großer Bahnhof‹ für Raziol Zibulla & Sohn GmbH in Iserlohn. Das Unternehmen – heute ein Inbegriff der Schmierungs- und Beölungstechnik für die Umformung von Blechen und Bändern – beging sein 75stes Jubiläum.

Eigentlich begann die Erfolgsgeschichte schon im Jahre 1930, als Raimund Zibulla, der Großvater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters Georg Gisbert Zibulla, bereits anfing mit Ölen und Fetten zu handeln. Aber erst zehn Jahre später gründete er sein eigenes Unternehmen zur Herstellung von Additiven für Öle. Wiederum zehn Jahre später, also 1950, schlägt die eigentliche Geburtsstunde der Raziol Zibulla & Sohn GmbH. Es ging Schlag auf Schlag: In Iserlohn-Lethmate werden die ersten Geschäftsräume geplant und gebaut, das Unternhemen erhielt seinen Markennamen ›Raziol‹ und Georg Zibulla übernahm die Geschicke. Von nun an ging es mit dem traditionellen Familienunternehmen stetig bergauf.

Fast jede Dekade brachte für Raziol einen deutlichen Schub nach vorne, und so war es nicht verwunderlich, dass 1960 ein weiteres Geschäftsareal an der Hagener Straße in Iserlohn, dem heutigen Sitz, erschlossen und bezogen wurde. Um die Produkte von Raziol an den Mann, sprich Kunden, zu bringen, wurde ein Fahrzeug namens ›VW-Bus‹ angeschafft – dieser, in den Raziolfarben und mit unübersehbarem Logo versehen, ruft heute noch die Begeisterung der Besucher in Iserlohn hervor – etwa bei Hausmessen.

Einstieg in den Maschinenbau

Im Jahre 1970 folgte dann Georg Gisbert Zibullas Eintritt in die Geschäftsleitung. Er leitet das Unternehmen noch heute gemeinsam mit seiner Frau Mechthild und seinem Sohn Christian. 1980 war es dann soweit, dass Raziol nicht mehr nur Schmier- und Beölungsmedien herstellte, sondern mit dem ersten Rollenbandöler auch in die Technologie der Verarbeitung und Aufbringung auf das Blech einstieg.

Bereits 1990 erfuhr das Unternehmen Raziol mit einer neuen Fertigungsstätte, einer flächendeckenden Vertriebsorganisation, der Ausrichtung auf die Bedürfnisse der industriellen Befettungstechnik und dem Aufbau einer Produktionsdokumentation nach der Maschinenrichtlinie einen fast revolutionären Umbruch und völlige Neuausrichtung.

Raziol wächst weiter rasant. Das Erfolgsgeheimnis ist zum einen in der einzigartigen Produktpalette mit den Schmier- und Beölungsmedien sowie den vielfältigen Aufbringungs- und Dosierungsmethoden zu suchen. Zum anderen ist die Familie Zibulla mit ihren Mitarbeitern ein absoluter Garant für den überaus großen Erfolg des Iserlohner Unternehmens. Stets auf dem Boden und zuverlässig bleiben – damit begeistert man auch Kunden in der Blech- und Bandverarbeitung weltweit.

Stanzbetriebe im Fokus

Außer klassischen Walzenbeölungsanlagen, den sogenannten ›Rollenbandölern‹ liefert Raziol seinen Kunden komplette und ausgeklügelte Sprühsysteme mit Befettungsbreiten bis 4.000 mm oder nach Wunsch auch größer. Solch große Sprühsysteme finden vor allem in der Karosserieherstellung bei namhaften Automobilunternehmen und Automobilzulieferern ihre Anwendung.

Aber es darf auch etwas kleiner sein: Mit den Neuentwicklungen der letzten Jahre und den ›Präzisionsdosiereinheiten‹ hat das Iserlohner Unternehmen vor allem die Stanzbetriebe im Fokus. Diese Dosiereinheiten arbeiten hochpräzise mit Umformölen. Sie ermöglichen gleichzeitig eine schnelle und kompetente Reaktion von Raziol auf spezifische Kundenanforderungen.

Bei all den Aktivitäten hat der Schmiermittelspezialist stets den Umweltgedanken im Blick. Nein, man will nicht nur den Richtlinien gerecht werden, sondern schraubt den umweltfreundlichen Anspruch an seine Produkte noch höher. Beispiel ist die kontinuierliche Umsetzung in der Formulierung der mineralölfreien Fluid-Reihe. Dabei handelt es sich um einen biologisch abbaubaren Umformschmierstoff nach OECD-DIN EN 9888 (L25).

Umweltfreundlich aus Überzeugung

Das zu 100 Prozent mineralölfreie Fluid stellt somit kein Gefahrgut dar und ist chlor-, nitrit- und lösemittelfrei. Es eignet sich sowohl für leichte als auch schwerste Umformungen. Nachfolgeprozesse sind meist ohne Entfettung möglich.

Für die Hausmesse zog Raziol alle Register. So erlebten die vielen Besucher, überwiegend aus der Automobil- und Zulieferindustrie, einen hochinteressanten Tag mit Live-Vorführungen, bei denen beispielsweise die Laborbeölungsanlage, der Tribometer 5000, eine Platinenbefettungsanlage PBA Hotmelt, eine Sprühbeölungsanlage für Transferpressen, die Messerbeölung LTA für Längsteilanlagen und zahlreiche andere Exponate präsentiert wurden.

Fachvorträge zu den Themen Qualitätssteigerung und Kosteneinsparung durch prozessoptimierte Sprühsysteme von Torsten Simski sowie eine Reise durch die Anwendungstechnik des Unternehmens mit Mathias Schmeier begeisterten die Besucher wohl besonders – im Vortragsraum gab es nur noch Stehplätze.

Dietmar Kuhn, Fachjournalist aus Lauda-Königshofen

Tribometer 5000

Die neue Prüfanlage ›Tribometer 5000‹ zählt zu den innovativsten Entwicklungen der Raziol Zibulla & Sohn GmbH und wird zur Ermittlung von Reibkennwerten, unter einer Vielzahl möglicher Einflussparameter, angewandt. Der Modellversuch ermöglicht die Simulation der Reibungsverhältnisse bei der Blechumformung mit Bestimmung des Reibungskoeffizienten µ zwischen Werkzeug und Material im Flachbahnprinzip. Dabei werden praxisnahe Versuchsbedingungen durch die Variation der Systemparameter und der technologischen Parameter gewährleistet. Einstellbar sind Geschwindigkeiten bis 300 mm/s, beheizbare Werkzeuge (bis 300 °C) und beheizbare Materialauflage (bis 80 °C), Flächenpressungen bis 500 N/mm² auf einer Teststrecke bis 300 mm. So werden die Reibwerte unter individuellen Bedingungen des jeweiligen Einzelfalls genau bestimmt.

Erschienen in Ausgabe: 05/2016