40 Prozent plus

Technik/Lager, Logistik, Handhabung

Um den steigenden Kundenanforderungen gerecht zu werden, integrierte König Metall eine Automations- und Lagerlösung von Remmert, die den Materialfluss deutlich optimiert.

02. Oktober 2018
Das Remmert-Blechlager Midi zeichnet sich durch seine kompakte Bauweise und hohe Lagerdichte aus. Bild: Remmert
Bild 1: 40 Prozent plus (Das Remmert-Blechlager Midi zeichnet sich durch seine kompakte Bauweise und hohe Lagerdichte aus. Bild: Remmert)

Ob Abgassysteme, Biege- und Ziehwerkzeuge oder lackierte Blechteile – König Metall ist ein Spezialist, wenn es um die Verarbeitung von Rohren und Blechen geht. 1901 in Gaggenau gegründet wird das Familienunternehmen heute in vierter Generation geführt. 600 Beschäftigte im Inland und mehr als 1.200 in den internationalen Niederlassungen wie Italien, Polen, Kanada und Kroatien produzieren für namhafte Kunden aus der Metall- und Elektroindustrie und dem Maschinenbau. Ein Grund für den Erfolg: König arbeitet stets nach individuellem Kundenwunsch. Dazu betreibt der Hersteller einen umfassenden Werkzeugbau und setzt auf moderne Bearbeitungsverfahren mit aktuellen Maschinengenera-tionen, wie leistungsstarke Laserschneidanlagen und Stanz-Nibbelmaschinen.

Um den kontinuierlich steigenden Marktanforderungen gerecht zu werden, muss König Metall ein hohes Maß an Flexibilität und Produktivität bieten. Dazu gehören auch eine transparente Lagerhaltung und die vollautomatische Versorgung der Produktionsanlagen. Beides konnte bei König Metall nicht im erforderlichen Maß erreicht werden.

Produktivität statt Ausschuss

Als dann noch ein Großkunde seine Fertigung auflöste und seine Teile an König Metall auslagerte, war »unser Lager kurz vorm Platzen«, berichtet Mario Eberle, Fertigungsleiter CNC-Blechtechnik bei König. »Vor der Prozessoptimierung durch Remmert lagerten wir auf etwa 600 m² innerhalb der Produktionsfläche. Da die rund 350 Lagerplätze in den vorhandenen Blechregalen nicht ausreichten, wurde der Rest ohne festen Lagerplatz da bevorratet, wo auf dem Boden Platz war.« Diese unübersichtliche Situation führte trotz des Einsatzes eines ERP-Systems immer wieder zu Fehlbeständen. Außerdem wurde die Bereitstellung der Blech- und Metalltafeln an den Bearbeitungsmaschinen immer aufwendiger. Denn das Material musste erst gesucht, umgelagert und dann manuell per Stapler befördert werden. »Diese chaotische Lagerhaltung verursachte lange Reaktionszeiten«, erinnert sich Mario Eberle. »Zudem kam es durch das häufige Umsetzen des Materials oft zu Kratzern, was in der Folge zu Tafelausschuss führte.«

Die von König Metall favorisierte Remmert-Lösung umfasst in erster Linie die direkte Anbindung des Lagers an die Fertigungsanlagen und damit die Einführung einer voll automatisierten Zentralversorgung. Das Ziel war es, Material automatisch den Bearbeitungsmaschinen zuzuführen und die angearbeiteten Teile von den Anlagen zurück in das Regal zu lagern. Auch die Bestandsführung des Rohmaterials sowie der Fertigteile wurde verbessert, um die hohen Kundenanforderungen an Chargennachverfolgung und Dokumentation dauerhaft erfüllen zu können. Das leistet die automatisierte Bestandsführung mit großer Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Produktion und Lager eng vernetzt

Mit der Umsetzung des neuen Intralogistikkonzepts beauftragte König Remmert einen Experten für die Optimierung des Materialflusses in Metall bearbeitenden Branchen, weil es »uns wichtig war, dass unser Projektpartner eine Gesamtlösung aus einer Hand liefert: von der Beratung über die Lager- und Automationssysteme bis zum Aftersales-Service. Remmert hat uns eine flexible Lösung angeboten, die wir stetig erweitern können. Das ermöglicht uns eine hohe Investitions- und Zukunftssicherheit«, erklärt Eberle. »Besonders wichtig war auch, dass die Software- und Hardwarelösungen herstellerunabhängig sind und somit alle unsere Stanz-Nibbel- und Lasermaschinen in den optimierten Materialfluss integriert werden.«

Um die Produktivitätssteigerung für König Metall nachhaltiger zu gestalten, konzipierte Remmert das Lager neu. Die vorhandenen Bearbeitungsmaschinen wurden näher an den Regalen plaziert, damit die Be- und Entladung besonders zeitsparend erfolgen kann. So wurde zum einen viel Platz eingespart und zum anderen der Materialfluss vereinfacht und beschleunigt. Das Herzstück der Automationslösung ist das Blechlager Midi mit einer Höhe von sechs Metern, 595 Lagerplätzen und einem maximalen Lagervolumen von 1.785 Tonnen. Aufgrund seiner kompakten Bauweise bietet das Lagersystem eine hohe Lagerdichte und ermöglichte bei König Metall eine Halbierung der Lagerfläche auf 300 Quadratmeter.

Zwei der an das System angeschlossenen Maschinen sind täglich 24 Stunden in Betrieb. Um sie optimal auszulasten, werden sie parallel über die Remmert-Automation Laser Flex 4.0 mit Rohmaterial aus dem Lager versorgt. Der Laser Flex 4.0 ist eine schnelle, herstellerunabhängige Lösung zur vollautomatischen Be- und Entladung von Laserschneidanlagen und ermöglicht einen Mate-rialwechsel in weniger als 60 Sekunden. Im Ergebnis erhöht König Metall die Durchlaufzeiten in der Produktion um 40 Prozent. Stillstandszeiten fielen auf nahezu null.

Sobald eine Fertigungsmaschine einen Auftrag erteilt, greift die automatisierte Versorger-Vakuumeinheit des Laser Flex 4.0 auf das Rohmaterial im Blechlager zu und transportiert dieses zu den angebundenen Lasermaschinen. Nach dem Zuschnitt hebt die Entsorger-Gabeleinheit der Remmert-Automationslösung die bearbeitete Metallplatte vom Wechseltisch des Lasers und lagert sie entweder wieder ein oder bringt sie direkt zum nächsten Prozessschritt. Die Anbindung des Systems an die Bearbeitungsmaschinen managt die Lagerverwaltungssoftware (LVS) Pro WMS Enterprise von Remmert. »Die Maschinen kommunizieren automatisch mit Pro WMS. Sobald ein Fertigungsauftrag geladen wird, weist das LVS dem Regalbediengerät den entsprechenden Fahrbefehl zu, und das gewünschte Material wird geliefert«, erklärt Frank Baudach, Remmert-Vertriebsleiter DACH. Zudem speichert die Software alle Warenbewegungen und sorgt so für ein transparentes Bestandsmanagement. So entfallen fast alle manuellen Arbeitsschritte.

König Metall zieht eine positive Bilanz: Die Produktivität der Laserschneidanlagen wurde deutlich gesteigert. Der Staplerverkehr zur Materialbeförderung, der wöchentlich drei bis fünf Mitarbeiter in Anspruch nahm, entfällt komplett. Stillstandszeiten gibt es nicht mehr, da das Material nicht mehr gesucht und manuell befördert werden muss. Eberle: »Wir haben einen vollautomatischen Fertigungsablauf erreicht und unsere Produktivität ist um rund 40 Prozent gestiegen.«

Euroblech Halle 12, Stand D76

Hintergrund

Remmert ist in der Metall bearbeitenden Industrie sowie im Stahl- und Metallhandel ein Experte für Automations- und Intralogistiklösungen sowie Langgut- und Blechlagersysteme. Mit standardisierten Baukastenmodulen wird der Material- und Informationsfluss an die Kundenanforderungen angepasst. Die Remmert-Systeme ermöglichen deutliche Produktivitätssteigerungen in der Intralogistik. Dank ihrer Herstellerunabhängigkeit und Modularität lassen sich die Systeme flexibel auf sich verändernde Anforderungen abstimmen. Anwender erhalten eine Komplettlösung für den gesamten Materialfluss in der Peripherie ihrer Bearbeitungsmaschinen aus einer Hand.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018