144 Meter Designer-Laufsteg

Deutschlands schickster Grenzübergang führt über den Inn

08. Februar 2007

Ein pfiffiges Bauwerk haben sich zwei Grenzstädte am Inn ausgedacht, um die natürliche Teilung durch ihre gemeinsame Wasserstraße zu überwinden. Als Nebenfluss der Donau markiert der Inn südlich von Passau ein großes Stück deutsch-österreichische Grenze. Nicht immer zum Wohlgefallen der beiden Orte Neuburg am Inn auf der bayrischen und Wernstein am Inn auf der österreichischen Seite. Entsprungen im Schweizer Engadin, ist der Fluss hier bis zu 150 Meter breit und damit nicht ohne weiteres überwindbar. Bis Anfang der Sechziger Jahre bestand eine Fährverbindung, die nach einem schweren Unfall eingestellt wurde. Seither musste den weiten Umweg über Passau reisen, wer den Freund im Nachbarort besuchen wollte. Nicht zuletzt zur Beilegung solcher Brüche hat die EU den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aufgelegt - ein finanzielles Programm zur Förderung kommunaler Projekte mit grenzüberschreitendem Charakter. Aus dem Millionen Euro schweren Fördertopf ist unter anderem das Brückenprojekt „Mariensteg“ am Inn hervorgegangen, das Planer wie Bürger als gelungen feiern.

Für einen Geh- und Radweg ist die Brücke ein beachtliches Bauwerk. Sie misst gute 144 Meter in der Länge und besitzt einen einzelnen nadelförmigen Pylon, der sich 30 Meter in die Höhe reckt. Der optische Eindruck vermittelt dem Betrachter Sicherheit bei aller Leichtigkeit. Dem Linzer Diplomingenieur Erhard Kargel gelang eine Konstruktion, die sich äußerst schlank und filigran in die bewaldete Fußlandschaft des Inntals einpasst. Der asymmetrische Entwurf der Hängebrücke mit dem Einzelpylon macht es möglich. Als Standort für den Pylon wurde die bayerische Seite gewählt, zumal sich dort unmittelbar ein steiler Berghang befindet, gegen den die Tragseile ansteigen. Die dezente Konstruktion besteht ausschließlich aus Stahl. Beim 2,7 Meter breiten Bodenbelag griff man auf leichte, aber hochfeste Sicherheitsroste des deutschen Herstellers Graepel zurück. Sie überzeugten die Planer durch ihre gelungene Symbiose aus Design, Sicherheit und Funktion. Die feuerverzinkten Stahlroste sind mit einem Lochmuster versehen. Es bietet beste Drainagewirkung selbst bei ergiebigem Regen, schützt durch die aufstehende Lochprägung wirksam vor Ausrutschern auch bei winterlicher Witterung und trägt dank 20 Prozent freiem Lochquerschnitt nicht unerheblich zur Gewichtseinsparung des ganzen Bauwerks bei.