100 Jahre Schleiferfahrung

Unternehmen/Weber

Seit einem Jahrhundert entwickelt und fertigt die Hans Weber Maschinenfabrik Schleiftechnik für höchste Anforderungen – damals vorwiegend für die Schiefertafelindustrie in Oberfranken, heute für die ganze Welt.

13. Oktober 2014
Weber-Breitbandschleifmaschine von 1955, noch unter dem Markennamen Carstens.
Bild 1: 100 Jahre Schleiferfahrung (Weber-Breitbandschleifmaschine von 1955, noch unter dem Markennamen Carstens. )

Stabilität, Flexibilität und Zuverlässigkeit sind nach eigenen Angaben die prägenden Merkmale der Maschinen und Anlagen der Hans Weber Maschinenfabrik. Die Grundlagen dafür legte Anfang des 20. Jahrhunderts der namensgebende Firmengründer Hans Weber, als er begann, Schleifmaschinen zu bauen. Bis 1913 vertrieb er diese in Eigenregie. Seine Zielgruppe war die damals noch florierende Schiefertafelindustrie.

Durch Zufall lernte Hans Weber den Maschinenbauer Ernst Christian Carstens kennen, woraus sich später eine enge Kooperation ergab. In einer Chronik heißt es: »Hier kam im Jahr 1913 eine gute Zusammenarbeit mit einer Firma in Kronach in Oberfranken zustande. Sie führte im Jahre 1925 zu einer ersprießlichen Werkgemeinschaft mit dem Ingenieur Hans Weber.« In der neuen Fabrik mit Gießerei in Kronach wurden ausschließlich Schleifmaschinen hergestellt. Diese Verbindung hat sich in der Folgezeit für beide Seiten als sehr vorteilhaft erwiesen.

Was Weber in dieser Zeit entwickelte und baute, war auf dem Markt aber nicht als Weber-Produkt gekennzeichnet. Ein Vertrag sah vor, dass die Weber-Konstruktionen unter dem Markennamen Carstens vertrieben werden. In den »Special Maschinen Carstens« steckte Weber-Technologie, die sich auf dem Schleifmarkt schnell einen guten Namen machen konnte.

Hans Weber entwickelte auch stufenlos regelbare Getriebe weiter, die von Anfang an unter eigenem Namen vertrieben wurden. Für das Unternehmen wurde daraus ein zweites Standbein.

1955 baute Weber als einer der ersten Breitbandschleifmaschinen und setzte damit neue Maßstäbe in diesem Sektor. Anfang der 60er-Jahre ergaben sich erste Kontakte mit der damals noch jungen Kunststoffbranche. Weber richtete sich neu aus und entschloss sich, Extruder zu bauen. Und die brauchten leistungsstarke Getriebe, die Weber hatte. So begann der Einstieg in den Kunststoff-Sektor, der sich schnell erfolgreich entwickelte.

Ein Meilenstein war 1973 der Umzug in das neu errichtete Firmengelände im Industriegebiet von Kronach. Der bisherige Produktionsstandort in der Bamberger Straße war zu klein geworden, und so entschloss sich die Firma zu dieser wegweisenden Investition. Es entstand ein Gebäudekomplex mit rund 20.000 Quadratmetern Produktionsfläche sowie gut ausgestatteten Vorführ- und Technikräumen. Kaufmännische und technische Verwaltung waren und sind nach wie vor im historischen Firmengebäude untergebracht.

Im Unternehmen begann Ende der 70er-Jahre ein Umdenken. Die Firmenleitung besann sich auf die eigene Geschichte und baute sich mit dem Holzschleifsektor ein weiteres Standbein auf. Der Vertrag mit der Maschinenfabrik Carstens war mittlerweile ausgelaufen, und fortan wurden die Produkte unter dem Markennamen Weber vertrieben. Georg Weber, heute mit seinen Brüdern Dr. Johannes Weber und Michael Weber Geschäftsführer des Unternehmens, trat 1980 in die Firma ein. Er konzentrierte sich anfänglich auf die Entwicklung und den Bau von Holz-Schleifmaschinen. »Wir haben den Markt gründlich sondiert und im Lauf der Zeit einen leistungsstarken Vertrieb aufgebaut«, schildert er. 1983 kam schrittweise der Metallbereich hinzu. »Auf beiden Gebieten haben wir schnell eigene technische Lösungen entwickelt, die wegweisend waren«, erzählt Georg Weber. Heute beschäftigt das Unternehmen 350 Mitarbeiter. Der Ausbildungsanteil liegt mit 13 Prozent über dem Branchendurchschnitt. »Wir bilden traditionell Lehrlinge aus und sichern uns damit den wichtigen Nachwuchs an Fachkräften«, sagt Weber.

Auf Grundlage von über 100 Jahren Erfahrung entwickelt Weber Schleifautomaten, die höchsten Ansprüchen genügen sollen. Die Maschinensysteme mit komplexen Funktionen arbeiten mit präzisen Steuerungen, die intuitiv zu bedienen sind. Neue Materialien und neues Design verlangen häufig auch neue Fertigungsverfahren. Weber beschäftigt sich deshalb intensiv mit ständig wechselnden Anforderungen an die Oberflächenqualität und entwickelt die jeweils geeignete Schleiftechnik. Schonender Umgang mit Energie und Ressourcen ist für das Kronacher Unternehmen ein Gebot der Stunde. Die Schleifbandantriebe werden mit Motoren erhöhter Effizienzklasse ausgerüstet, die Hauptantriebe mit der energieschonenden »Eco-Drive«-Technologie.

Mit den Geschäftsführern Dr.-Ing Johannes Weber, Dipl.-Ing. Michael Weber und Dipl.-Ing (FH) Georg Weber ist das Unternehmen in dritter Generation in Familienbesitz. Und diese Tradition wird fortgesetzt: Seit sechs Jahren ist Dr.-Ing. Markus Weber in vierter Generation im Hause tätig.

Euroblech Halle 12, H58

Hintergrund

Die moderne Blechbearbeitung von Weber ermöglicht konstruktiv und gestalterisch viele Möglichkeiten. Für eine Weiterverwendung der Blechteile und für die Lackierung und Beschichtung erfüllt das Unternehmen die zunehmend strengeren Qualitätsanforderungen.

Schleifarbeiten sind für die Bearbeitung unterschiedlichster Werkstoffe ein entscheidender Qualitätsfaktor. Dies gilt für die Holzverarbeitung in Handwerk oder Möbelindustrie ebenso, wie für das Oberflächenfinish bei Holz, Lack und Kunststoffen. Auch hier ist Weber aktiv.

Erschienen in Ausgabe: 06/2014