22. NOVEMBER 2017

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Umformtechnik 4.0 an der Leine


Fokus

Kein Kongress ohne Industrie 4.0: Das dachten sicherlich manche Besucher des 22. Umformtechnischen Kolloquiums Hannover (UKH) beim Blick auf das Programm. Glücklicherweise ging es in der Stadt an der Leine aber nicht nur um Smart Factory und Big Data, sondern auch um handfeste Umformtechnik.
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Einen Blick in die Zukunft wagte Dr.-Ing. Frank Weber, Leiter der Presswerke bei der Daimler AG, Stuttgart. Unter dem Titel ›Presswerk 20XX – im Wandel der Zeit‹ nannte er die aktuellen Herausforderungen, die aktuell alle Branchen mitmachen. Als erstaunliche Entwicklung bezeichnete er zum Beispel das Zeitalter der digitalen Transformation. Mit Interesse und auch mit gewissem Unbehagen beobachtet die Automobilindustrie, dass sich auch ganz ohne Produktionsstätten und Produkte Geschäfte machen lassen. »Uber hat keine Taxis, Banken, kommen ohne Geld aus und Telefongiganten benötigen keine eigene Telekommunikation«, skizzierte Weber die neue Situation. »Unsere Branche wird von Neulingen wie Google oder Tesla angegriffen.«

Doch Daimler will als größter Premiumhersteller nicht aufgeben, sondern unter den Mobilitätsanbietern die Nummer eins werden. Dazu ist Daimler in vielen Bereichen aktiv: So erforscht das Unternehmen im Stuttgarter Forschungsnetz ARENA2036 (Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles) unter anderem den intelligenten Leichtbau mit Funktionsintegration, digitale Prototypen und die noch engere Zusammenarbeit von Roboter und Mensch.
Doch auch ganz bodenständige Themen bewegen den Leiter der Presswerke, in denen zunehmend ›intelligente‹ Werkzeuge mit sehr viel Sensorik eine wichtige Hauptrolle spielen. »Wir machen sehr viele Werkzeuge für die Außenhaut«, berichtete Weber. »Künftig müssen wir aber für jedes damit gefertigte Teil eine 100-Prozent-Prüfung durchführen.« Um Fehler im Vorfeld zu vermeiden, setzt Daimler auf die Predictive Maintenance, mit der sich kritische Parameter vorhersagen lassen.

Auf Predictive Maintenance setzt auch der ehemalige Werkzeugbau-Leiter Dr.-Ing. Albrecht Stalmann, der mittlerweile das Innovationsmanagement bei der Volkswagen AG in Wolfsburg leitet. Zu schaffen macht dem Automobilhersteller die Zunahme an Fahrzeugvarianten und der damit einhergehende Trend zu immer kleineren Stückzahlen. »Die eingrenzende Größe in der Produktion ist künftig die Logistik«, erläuterte der altgediente Fachmann. »Wenn wir viele Varianten in einer Fabrik auf einer bestimmten Quadratmeterzahl fertigen, dann müssen die Teile rechtzeitig dort ankommen. Das wirkt sich tiefgreifend auch auf die Umformteile aus.« Davon hänge auch ab, ob der OEM den individualisierten Kundenwünschen nachkommen kann. Parallel dazu gelte es nun, Anlagen- und Feldfunktion werksübergreifend zu vernetzen und autonome Prozesssteuerung zu verwirklichen. »Das alles haben wir noch nicht in dem Maße umgesetzt, wie wir uns das vorstellen«, gab Stalmann zu. »Die Prozessebene wird künftig einen wesentlich größeren Einfluss auf unsere Organisationsstruktur bekommen.« Das Fernziel sind miteinander zu einem Fertigungsverbund verknüpfte Fabriken, in denen alle Anlagenteile miteinander vernetzt sind.


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Ausgabe:
bbr 06/2017
Unternehmen:
Bilder:
VW
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