17. DEZEMBER 2017

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Europas Stahlrohrwerke steigern Produktion


Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 ging die Entwicklung der Stahlrohrproduktion im letzten Jahrzehnt stets nach oben. Dieser Trend scheint vorläufig gestoppt. Nach dem geringen Wachstum 2015 ging im letzten Jahr die Produktion weltweit um drei Prozent auf 164 Millionen Tonnen zurück. Besser schnitten die europäischen Stahlrohrhersteller ab. EU-weit konnte die Stahlrohrindustrie ihre Produktion um vier Prozent auf 13 Millionen Tonnen steigern.

Der weltweite Produktionsrückgang war hauptsächlich auf die geringeren Mengen bei nahtlosen Stahlrohren und geschweißten Großrohren über 406 Millimeter Außendurchmesser zurückzuführen. Während die EU-Produzenten zum dritten Mal in Folge zulegen konnten, blieb die Produktion in den USA deutlich hinter dem Vorjahreswert.

Die Investitionszurückhaltung der Energiebranche nennt der Verband als Ursache für die Einbuße bei der Produktion nahtloser Stahlrohre. Besonders stark war der Rückgang gegenüber dem Vorjahr in den USA mit 20 Prozent. Die Produktion der EU-Hersteller lag lediglich um fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Hersteller von Großrohren verzeichneten weltweit ein Produktionsminus von acht Prozent.

China baut dominierende Stellung weiter aus
Unübersehbar ist die wachsende Dominanz Chinas im Stahlrohrmarkt. So ist laut Stahlrohrverband die weltweite Rekordproduktion von 168,8 Millionen Tonnen im Jahr 2015 ausschließlich auf die um elf Prozent gestiegene Produktion der chinesischen Hersteller zurückzuführen. Der Anteil Chinas an der weltweiten Stahlrohrproduktion stieg damit auf 58 Prozent.

Ein schlechtes Jahr war 2015 besonders für Fracking-Unternehmen in Nordamerika, die nach Verbandsaussagen vielfach die Produktion einstellen mussten. Grund war der Einbruch der Rohölpreise, die zum Jahresende sogar die Werte des Krisenjahres unterschritten. Denn aufgrund des Rohöl-Überangebots stellte die Energiebranche die Investitionstätigkeit weitgehend ein.

Dass sich die Stahlrohrproduktion erstmals seit Jahren leicht negativ entwickelte, bemerkte auch Salzgitter, deren Rohraktivitäten seit Anfang August 2016 in „Geschäftsbereich Mannesmann“ umbenannt wurden. Nach Angabe des Unternehmens wird die Kundennachfrage von den Megatrends „Wasser“, „Energie“ und „Mobilität“ getrieben.

Im globalen Stahlrohrmarkt sahen sich die Hersteller in den ersten Monaten 2016 vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt. Da sei zum einen der Nachfrageeinbruch seitens der Energiebranche in den Vorjahren, wobei dieser Abnehmerkreis noch immer für rund die Hälfte der globalen Stahlrohrproduktion stehe. Zum anderen würden anhaltend hohe Überkapazitäten insbesondere in Fernost die Ertragskraft der Industrie belasteten.

Große Nachfrage aus der Bau- und Automobilindustrie
Aus Sicht des Unternehmens waren die auf niedrigem Niveau gefestigten Rohstoffpreise auf den Weltmärkten positiv. Die Notierungen für Rohöl bewirkten zumindest eine Stabilisierung der Explorationsaktivitäten. Der Rig Count (Indikator für die Zahl der neuen Öl- und Gasquellen) in Nordamerika stieg leicht an. Eine Gegenbewegung zu den massiv eingebrochenen Investitionen im Energiesektor sei jedoch noch nicht festzustellen.

Groß war die Nachfrage laut Salzgitter aus der Baubranche und der Automobilindustrie. So bewegte sich beispielsweise der Auftragseingang der Europipe-Gruppe im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres auf einem deutlich höheren Niveau. Grund dafür waren vor allem die Buchungen neuer Leitungsprojekte wie die Nord Stream Pipeline 2 sowie TAP Offshore und Zohr Field.

Auch der Orderbestand für HFI-geschweißte Rohre verbesserte sich bei Salzgitter 2016 gegenüber dem Vergleichszeitraum. Sogar eine Verdoppelung des Auftragseingangs verbuchte das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei spiralnahtgeschweißten Großrohren. Hier kam die Nachfrage hauptsächlich aus Deutschland, aufgrund der Realisierung lang geplanter Projekte, gefolgt von Polen, den Niederlanden und Italien.

Der Präzisrohrmarkt wiederum profitierte vom guten Auftragsvolumen der exportstarken deutschen Premium-Automobilhersteller, während die Lage im Industrie- und Energiesektor weiterhin angespannt blieb. Im Edelstahlrohrsektor verzeichnete man ebenfalls eine schwache Nachfrage. Die nach Unternehmensangaben recht hohen Auftragsmengen des Kraftwerksektors konnten die schwache Nachfrage aus Bereichen, die direkt oder indirekt mit Öl und Gas zusammenhängen, nicht ausgleichen.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, soll der dänische Physiker Niels Bohr gesagt haben – oder war’s Mark Twain, Karl Valentin, Winston Churchill oder Kurt Tucholsky? Egal, aktuell sind Prognosen zur Entwicklung der Wirtschaft besonders unsicher. Die zukunftsbezogenen Aussagen des Unternehmens gelten deshalb nur unter der Voraussetzung einer moderaten konjunkturellen Erholung auf den Hauptmärkten.
 
Verbesserte Perspektiven
Nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre haben sich die Perspektiven für die Stahlrohrindustrie inzwischen wieder verbessert. So beginne sich die „nach dem Einbruch der Rohölpreise seit dem Jahr 2015 praktisch zum Erliegen gekommene Investitionstätigkeit der Energieindustrie zu normalisieren“.

Neben dem daraus resultierenden Nachholbedarf sollte die Branche von den zyklisch steigenden Rohstoff- und Stahlpreisen sowie einer robusten Konjunktur in den Industrieländern profitieren können. Eine wichtige Rolle spielen dabei die günstigen Energiepreisen, eine expansive Fiskalpolitik und die günstige Euro-Dollar-Relation. 

Stahlrohre in jeglicher Ausführung sowie Maschinen zur Herstellung und Bearbeitung von Rohren waren ein zentrales Thema der Tube 2016. Dies gilt auch für die nächste Ausgabe der internationalen Rohrfachmesse, die gemeinsam mit der Draht- und Kabelmesse Wire veranstaltet wird. Die Tube & Wire 2018 findet vom 16. bis 20. April auf dem Düsseldorfer Messegelände statt.

Datum:
11.05.2017
Unternehmen:
Bilder:
Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre

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