31. AUGUST 2016

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Produktivität hoch!


Fokus

Die weltweit vielleicht modernste Anlage zur Fertigung von Elektroblechen steht seit kurzem in Nordchina. Gebaut und vor Ort installiert hat sie der Göppinger Pressenhersteller Schuler.

Von vier bis fünf Elektroblechen in der Minute auf etwa 35: Zu einer derartigen Produktivitätssteigerung hat eine Platinen-Schneideanlage samt Linear-Nutautomat geführt, die nun in Nordchina installiert wurde. Der Göppinger Pressenhersteller Schuler hat sie nicht nur geliefert und in Betrieb genommen, sondern auch komplett selbst gebaut – von der Abwickelhaspel für das Coil, den Maschinen zum Stanzen der Rohplatinen im Komplettschnittverfahren und der anschließenden Nutung von Rotor- und Statorblechen bis hin zu deren vollautomatischen Abstapelung. Die Anlage ist auf dem neuesten Stand der Technik und sucht weltweit ihresgleichen.

Bislang hatte der Kunde, ein großer chinesischer Hersteller von Elektromotoren und Generatoren, seine Bleche handbedienten Pressen produziert. Eine automatisierte Lösung hätte auch mit einem Anbieter aus China umgesetzt werden können, sagt Axel Nann, Vertriebsleiter für den Bereich ›Drives and Generators‹ bei Schuler Pressen. »Aber aus Qualitäts- und Produktivitätssicht wäre eine solche Anlage mit unserer nicht vergleichbar gewesen«, fügt er hinzu. Schuler sei abgesehen davon weltweit das einzige Unternehmen, bei dem auch sämtliche Bestandteile aus dem eigenen Haus stammen.

Optische Ausrichtstation

Erste Station nach der Abwickelhaspel ist bei der Schulerlösung die Platinen-Schneidpresse in Monoblock-Bauweise, der das Coil über einen Walzenvorschub (›Schuler Power Feed‹) dynamisch und systemgenau zugeführt wird. »Die Presse schneidet aus dem Blech zunächst Ronden bis 1250 mm Durchmesser«, erklärt Axel Nann. Mit Hilfe einer Entnahmeschaufel werden die Ronden automatisch entnommen, abgestapelt und zwischengelagert, bevor sie der auf einer Linie angeordnete Nutautomat weiterbearbeitet. Maßnahmen wie Doppelblechkontrollen oder Aufblättermagnete garantieren eine hohe Prozesssicherheit.

Im Linearnutautomat sorgt eine optische Ausrichtstation zunächst dafür, dass die Platinen exakt positioniert werden, bevor das vollautomatische Linearportal sie über ein Greifersystem weiterleitet. Dann nutet die Anlage mit maximal 1100 Hüben pro Minute – schneller als ein Maschinengewehr – die Ronden, die auf einem per Servomotor angetriebenen Drehteller befestigt sind: in der ersten Station die Statornuten bei gleichzeitigem Trennen der Rotorronde, in der folgenden Maschine die Fertigachslöcher und schließlich die Nuten für den Rotor. Die nicht kornorientierten Bleche für Rotor und Stator, den beiden Hauptbestandteilen eines Elektromotors, entstehen aus einer gemeinsamen Platine. Mehr als 400 Rotor- und Statorbleche werden pro Stunde vollautomatisch auf Paletten abgestapelt.

Zentral von einer Stelle gesteuert

»Aus den Blechen werden große Industriemotoren oder Generatoren gebaut, die etwa in Stahlwerken oder bei Windkraftanlagen mit Getriebe eingesetzt werden«, erklärt Nann. Die Anlage kann auch kurzfristig auf die Produktion anderer Baugrößen umgerüstet werden: Ein Wechsel der Werkzeuge, von denen Schuler ebenfalls die Grundausstattung lieferte, geht in weniger als einer halben Stunde vonstatten. Geringere Durchmesser als 1250 mm können auch mit einer höheren Hubzahl hergestellt werden, so Eva Boog, Leiterin Produktmanagement für den Bereich ›Drives and Generators‹ bei Schuler Pressen.

Gesteuert wird die Anlage zentral: per Touchscreen über ein auf Windows basierendes Visualisierungssystem. Einfach, übersichtlich und bedienerfreundlich können die Nutzer dort Parameter wie etwa Hub, Hubzahl, Presskraft und Schaufelweg eingeben. Auch das Steuerungssystem ist eine hauseigene Entwicklung von Schuler.

»Das Geheimnis dieser Maschinen ist, dass sie über eine extreme Steifigkeit verfügen, die für die hohen Genauigkeiten der Endprodukte erforderlich ist«, erklärt Axel Nann. Angesichts einer Presskraft von immerhin 4000 kN kommt der Steifigkeit, die sowohl am Pressentisch als auch am Stößel die Durchbiegung minimiert, eine bedeutende Rolle zu.

Rund anderthalb Jahre dauerte es von der Bestellung der Anlage bis zur Auslieferung. Der Linear-Nutautomat wurde am Schuler-Standort Weingarten gebaut, die Platinen-Schneidpresse in Erfurt. Innerhalb von zehn Wochen installierten die Mitarbeiter aus Weingarten in Kooperation mit den Mitarbeiten des chinesischen Standorts Dalian die Anlage Mitte des vergangenen Jahres vor Ort.

www.schulergroup.com

Ausgabe:
bbr 01/2012
Unternehmen:
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