25. JULI 2016

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166 Jahre Sägen und Lagern


50 Jahre/Unternehmen

Die Sägetechnik im Wandel der Zeit dokumentiert wie kaum eine andere mechanische Bearbeitung die Entwicklung und die Umbrüche der Industriegesellschaft. Erfindungen und neue Technologien, Stagnation über zig Jahre, explosionsartige Entwicklung in der Neuzeit ...

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts waren viele Regionen Deutschlands von ländlichen Strukturen geprägt. In den Ballungszentren gab es zwar größere Industriebetriebe, der typische Mittelstand jedoch fehlte. Natürlich gab es auch damals findige Menschen, und was daraus im Lauf der Jahre werden kann, verdeutlicht eindrucksvoll das sich bis heute im Familienbesitz befindende Unternehmen Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG.

Seine Gründung geht auf das Jahr 1844 zurück. Damals betätigte sich Karl Stolzer zunächst als Zimmermann und begann in einer ›mechanischen Werkstatt‹ mit der Herstellung von ›Maschinen in Holzbauweise und mit eisenbeschlagenen Teilen‹. Entwickelt und gefertigt wurden komplette Mehl-, Öl- und Sägemühlen, Wasserräder und Transmissionsanlagen. Mit dem Bau von Sägemühlen und später von Sägewerken wurde der Grundstein für das heutige internationale Geschäft mit Metallsägemaschinen, automatischen Lagersystemen sowie Material-Handling-Einrichtungen gelegt. Mit dem Tod des Gründers Karl Stolzer im Jahr 1891 ging der Betrieb an seinen Sohn Carl Stolzer über. Dieser besuchte die ersten Jahrgänge der noch jungen Maschinenbauschule Esslingen und widmete sich fortan dem Bau von Walzenvollgattern zum Sägen von Holz. Nach dem Tod von Carl Stolzer übernahmen die Söhne Karl und Friedrich den Betrieb und teilten die Geschäftsbereiche untereinander auf, wobei Friedrich für die Walzenvollgatter und Sägemaschinen verantwortlich zeichnete.

Friedrich Stolzer führte das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahr 1941. Ihm folgte seine Frau Anna Stolzer, die den Betrieb während der Ausbildungszeit der Söhne Friedrich und Paul leitete. Mit dem Eintritt der Brüder erfolgte die neue Ausrichtung in das Geschäft Metallsägen. 1952 wurde zur Hannover Messe erstmals eine Metallbügelsägemaschine nach dem patentierten ›Verfahren der bogenförmig stoßenden Schnittbewegung‹ präsentiert. Mit den Bügelsägemaschinen trat Kasto einen Siegeszug um die Welt an und wandelte sich über die Folgejahre zum leistungsstarken Hersteller von Werkzeugmaschinen. Ende der 60er-Jahre wurde klar, dass allein dem Bügelsägeverfahren kaum Zukunft beschieden ist, denn es kamen neue Materialien auf und die Stückzahlanforderungen änderten sich. Es wurden Ein- und Doppelblatt-Kreissägemaschinen für die Serienfertigung gebaut und mit dem Einstieg in die Serien- und Massenschnitt-Produktion sah man die Notwendigkeit, die Langgutlagerung und das Materialhandling zu mechanisieren.

Anfang der 70er-Jahre entstand das erste vollautomatische Langgutlager. Schon diese Anlage verfügte über ein Portal-Regalbediengerät für Handling und Transport von selbsttragend konzipierten Kassetten. Außerdem waren in das Lagerzentrum zwei Produktionskreissägemaschinen voll integriert. Für den Bedarf des wachsenden Mittelstandes gab es zudem automatische Materialmagazine, aus denen die Kreissägemaschinen beschickt wurden. 1980 entstand das erste hochflexible kombinierte Lager- und Sägezentrum, das in der Lage war, Einzelstücke, kleine und mittelgroße Serien direkt aus dem Lager heraus schnell und wirtschaftlich herzustellen.

Markt- und Technologieführer

Mit dem Aufkommen der Bimetallsägebänder ergab sich eine leistungsorientierte Alternative zu Bügel- und Kreissägen, weshalb eine Baureihe an Bandsägemaschinen entstand. Kasto bietet als einziger Hersteller alle drei Sägeverfahren und kann jeweils optimale Lösungen offerieren. Bis heute wurden weltweit über 130000 Metallsägemaschinen geliefert. Produziert wird ausschließlich in Deutschland, im Stammwerk Achern-Gamshurst und in Schalkau/Thüringen.

Das Unternehmen Kasto hat aktuell rund 680 Beschäftigte. Davon sind traditionell gut 10 Prozent Auszubildende. In der fünften Generation führen die Cousins Armin und Hans-Jürgen Stolzer den Betrieb, der in den vergangenen 15 Jahren durch die Entwicklung von hoch leistungsfähigen Bandsägemaschinen der Baureihe ›Kastotec‹ sowie ein breites Programm an Langgut- und Blechlagersystemen und Materialflusseinrichtungen seine Marktführerschaft unterstrich.

Ein sehr wichtiges Standbein stellt die automatisierte Lager- und Handhabungstechnik für Langgut, Abschnitte und Reststücke, Bleche und Flachprodukte oder auch andere Güter dar. Weltweit deutlich über 1400 installierte automatische Lagersysteme sowie kombinierte Langgutlager- und Sägezentren zeugen vom Know-how und der Kompetenz für die rationell-wirtschaftliche Sägebearbeitung und das Handling von Metallen aller Arten und Dimensionen. Das stets nach vorne gerichtete Traditionsunternehmen nennt über 140 internationale Patente sein Eigen und setzt in der Metallsägetechnik wie beim Lagern und Handhaben von Metall die Maßstäbe. Den Anforderungen des modernen Metallhandels, der sich vom Lieferanten für Stangenmaterial zum Dienstleister von JIT-benötigten Metallabschnitten wandelt, setzt Kasto praxis- und zukunftsgerechte Lösungen entgegen. So gibt es für jede Sägemaschine und für jeden Lagertyp Ausrüstungsoptionen, deren Automatisierungsgrad dem Bedarf angepasst wird. Für die Sägemaschinen sind ›zufuhrseitig‹ von einfachen Rollenbahnen über vollautomatische Magazin-Beschickungseinrichtungen bis hin zur kompletten Einbindung in Lagersysteme vielgestaltige Möglichkeiten anzuführen. Hinsichtlich der Abfuhr der Abschnitte gilt dasselbe.

Natürlich gibt es neben Abfuhrrollenbahnen auch die Abschnittsortierung in Behälter oder auf Paletten mit Aufsetzrahmen, Roboter- und Handlingsysteme zum Abnehmen, Markieren und Sortieren der Abschnitte und es können Zwischenschritte wie etwa Reinigen, Entgraten oder Materialprüfung realisiert werden. Die bekannt hohe Qualität der Kasto-Produkte basiert auf einem hohen Eigenfertigungsgrad, der die Steuerungen für die Maschinen und Lagertechnik sowie die Hard- und Software bis hin zur ausgeklügelten Lagerverwaltungssoftware einschließt.

Das gilt natürlich erst recht, wenn es um vollautomatische Langgut- oder Blechlagersysteme geht, die es als Lagertürme oder auch als High-End-Hochregallager in Wabenbauweise mit Tausenden Kassettenplätzen gibt. In jedem Fall ist ein pragmatischer Automatisierungsgrad vonnöten, denn die Zeiten des personalintensiven Lagerns und Zuschneidens von Metall sind für immer vorbei.

www.kasto.de

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