25. AUGUST 2016

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Kleine Blech Geschichten


50 Jahre BBR/Die Geschich

Arbeitsteilung, Städte, Klassenkampf – das musste organisiert werden: Eine gesellschaftliche Revolution war in Gang gekommen – innerhalb weniger Jahrzehnte. Der Wohlstand nahm dank besserer Werkzeuge und intensiverem Handel rasch zu. Die Folgen sind bekannt: Die ersten Hochkulturen ›vor den Toren Europas‹ entstanden. Man beachte die Doppeldeutigkeit des Wortes ›Toren‹ in diesem Zusammenhang! Denn dort schlug man nach wie vor mit Faustkeilen um sich. Besser gesagt: Man wetzte sie. Aber nicht mehr lange, denn Daluisvotrenta, später als ›Ötzi‹ bekannt, hatte 3300 v. Chr. schon ein Beil aus 99 Prozent Kupfer bei sich.

Die erste thermische Verbindungstechnik, das Hartlöten, war im ganzen Nahen Osten verbreitet, nachdem es schon um 3000 v. Chr. zumindest den Sumerern bekannt war. Bereits um 2000 v. Chr. dürften die Griechen das Weichlöten beherrscht haben. 1400 v. Chr. ist das Feuerschweißen von Eisen in Kleinasien gebräuchlich, das heute nur noch von Kunstschmieden angewandt wird. Blütezeit des Feuerschweißens war das Mittelalter, obwohl die Methode erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Autogenschweißen ersetzt werden konnte.

Mit großem Tamtam wurde die Bronzezeit auch im Mitteleuropa eingeläutet … Unsinn, denn Glocken gab es ja noch nicht – zumindest nicht gleich. Denn zuerst wurden auch bei uns Waffen und andere Gebrauchsgegenstände aus Bronze hergestellt – bevor man sich mittels daraus gefertigter Glocken vor entsprechend gerüsteten Truppen warnte. Ein wenig Bronzezeit ist immer noch: Glocken werden auch heute noch aus Bronze gegossen – im Gegensatz zu Kanonen. Alles in allem war die Bronzezeit nach archäologischen Funden und deren Interpretation aber ein vergleichsweise friedliches Jahrtausend – im Gegensatz zur Eisenzeit. Doch bald gibt es Geld!.

Die kleinasiatischen Hethiter drangsalierten ihre Nachbarn mit Eisenwaffen. Boten die bronzenen Lamellen-, Schuppen- und Plattenpanzer auf Ledergrund schon ebenfalls bronzenen Speer- und Pfeilspitzen nur mäßigen Widerstand, konnten sie gegen eherne Waffen so gut wie nichts ausrichten. Einen gewissen Schutz bot der Glockenpanzer, wie ihn die Griechen, aber auch die Gallier kannten, aber der war sehr schwer und sperrig. Die Hethiter weiteten ihr Reich enorm aus, bis ins heutige Israel, wo sie mit den Ägyptern zusammenrumpelten. Als die Nachbarn – und damit Feinde – der Hethiter um 1200 v. Chr. mit dem Eisen vertraut wurden, war es mit deren Dominanz bald Sense.

Der berühmteste Vertreter der frühen Eisenzeit war zugleich der unrühmlichste: der Palästinenser Goliath. Er wird im Alten Testament als Riese beschrieben, gerüstet mit ehernem Helm, Schuppenpanzer und ebensolchen Bein- und Armschienen – sicher nicht als Einziger. Gegen die eisernen Waffen und Rüstungen der Philister hatten die bronzebewehrten Israeliten nicht den Hauch einer Chance. Die konnten sich bekanntlich nur mit List und Tücke behaupten. Um diese Zeit dringt die Eisenverhüttung und -bearbeitung allmählich auch nach Europa vor.

Die Bearbeitung des Eisens wird in Mitteleuropa bekannt. Meister darin werden die Kelten – in Frankreich als Gallier, in Irland als Gälen, in Spanien als Galizier und in Kleinasien als Galater bekannt. Keine 1000 Jahre später gibt es all diese Völker nicht mehr, und ihre Sprache, nur noch in Randgebieten Europas gesprochen, steht kurz vor dem Aussterben: Gälisch. Die Handwerkskunst der Gallier verdient heute noch Bewunderung – manche arbeiteten auf Zehntel genau –, als Eisenschmelzer waren sie nach heutigen Maßstäben aber Nieten: Nur 10 % des vorhandenen Eisens holten sie aus dem Rasenerz, ein oberflächlich zugängliches, in Europa verbreitetes verfestigtes Sediment, das durchaus 40 Prozent Eisenerz enthalten kann.

Ihre Rennöfen brachten mit 1100 bis 1300 °C nicht genug Hitze. Sie waren meist an die Wetterseite von Hängen gebaut und wurden vom Wind, aber auch einfacher Konvektion angefacht. Rennöfen, deshalb auch Windöfen genannt, wurden noch bis ins 18. Jahrhundert benutzt und brachten eine jährliche Ausbeute von 60 bis 120 Tonnen Roheisen bei einem Verbrauch von gut 2 kg Holzkohle für 100 kg Eisen. Ab dem 13. Jahrhundert kamen wasserkraftgetriebene Blasebälge auf, die 10 m hohe Öfen auf Temperatur (bis 1600 °C) bringen konnten. Zunächst war dieses ›Saueisen‹ extrem kohlenstoffhaltig und entsprechend spröde. Doch bereits im 14. Jahrhundert hatte man das Problem im Griff und konnte schmiedbares Eisen gewinnen. Um 700 v. Chr. entstanden auch die ältesten uns bekannten Münzen Europas.

Die hohe Nachfrage durch die Rüstungsindustrie machte die Schmiede zu den wichtigsten Handwerkern – so wichtig, dass sie sich bald spezialisieren mussten: Grobschmiede, Plattner, Blechner, Flaschner kamen im Laufe der Jahrhunderte auf. Die wichtigste aktive Waffe des Erzzeitalters war das Schwert; wichtiger war aber die passive Bewaffnung: Rüstung und Schilde. Für die passive Bewaffnung wurde auch weit mehr Material benötigt: Je nach Epoche und Funktion des Trägers konnte sie mehr als 30 kg wiegen, im Hochmittelalter auch das Doppelte. Je nach Rang, Funktion und Wohlstand des Trägers waren verschiedene Formen des Brustpanzers verfügbar: leichte Lamellenpanzer auf Lederbasis, deutlich robustere, aber auch schwerere Schuppenpanzer, und schließlich die aus großen, körpergerecht geformten Plattenpanzer, wie wir sie aus diversen Ritterschmonzetten kennen.

Der hohe Verbrauch an Metall zog – obwohl der Wirkungsgrad der Hochöfen gestiegen war – auch einen hohen Holzverbrauch nach sich, der neben dem Schiffsbau zum Kahlschlag führte, sodass es im Mittelalter auch in Mitteleuropa kaum noch Wälder gab (erst der 30-jährige Krieg brachte eine Erholung). Die Wälder Südeuropas werden sich wohl nie mehr erholen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Koks zur Eisengewinnung eingesetzt. Da waren eiserne Rüstungen aber längst nur noch Deko. Im 17. Jahrhundert ging ihre Zeit endgültig zu Ende, denn gegen die immer leistungsfähigeren Schusswaffen halfen sie nur noch bedingt.

Das Herstellen einer Ritterrüstung war eine Kunst, die schon in der Antike und erst recht im ständisch geprägten Mittelalter auf verschiedene Handwerker verteilt war, die eifersüchtig darauf achteten, dass kein anderer seine Kompetenzen überschritt. Der Grobschmied fertigte zunächst von Hand, später in tier- oder wassergetriebenen Hammerwerken hergestellte Platten, die er dem Plattner übergab. Dieser brachte sie auf Maß und formte sie aus. Der Plattner sorgte für den richtigen Kompromiss aus Wehrhaftigkeit und Gewicht, was zu sehr unterschiedlichen Blechstärken (1 bis 3 mm) innerhalb einer Rüstung führte. Der Schlosser schließlich fügte die passgenauen Teile zusammen. Eine maßgefertigte Rüstung konnte mehrere Jahreslöhne kosten. Erst im 16. Jahrhundert kamen massengefertigte Landsknechtharnische auf.

Im Hochmittelalter unterschied man mehr als zwei Dutzend Schmiedeberufe – Spengler, Klempner, Flaschner noch nicht mitgerechnet. Beispiele gefällig? Hammerschmied, Hufschmied, Goldschmied, Rotschmied, Kupferschmied, Nagelschmied, Messerschmied, Schwertfeger, Pfannenschmied, Sporer … Der Spengler (die Berufsbezeichnung existiert mindestens seit dem 14. Jahrhundert) war ursprünglich Hersteller von Spangen; später war er für Schwarzblech zuständig – im Gegensatz zum Flaschner, der für Weißblech zuständig war; die beiden Berufszweige trennten sich im 15. Jahrhundert, als sich die Überziehung von Schwarzblech mit Zinn ausbreitete. Der Klempner dagegen war nur für Blecharbeiten an und in Gebäuden zuständig (Dachrinnen, Entwässerungen, Lüftungen, Essen …). 1771 wurden die drei Berufsgruppen wieder zum Spenglerhandwerk zusammengeführt, womit ein lange währender Streit beendet war.

Waren früher Bleche (althdt. Bleh = glänzend) großflächige, dünne Metallkörper, die geschmiedet wurden, sind sie heute streng genommen ausschließlich Walzwerkprodukte. Wann zum ersten Mal Blech gewalzt wurde, lässt sich nicht genau feststellen. Um 1485 hat Leonardo da Vinci die Skizze eines Bleiwalzwerks angefertigt. 1522 wurde ein kleines Walzwerk für die Pariser Münze gebaut, und Anfang des 17. Jahrhunderts waren Walzwerke für Blei und Zinn keine Seltenheit mehr. Diese Walzen wurden noch mit Muskelkraft angetrieben. Für das Walzen von Eisen war jedoch Wasserkraft nötig. Spätestens um 1530 wurden in Nürnberg Eisenstäbe flachgewalzt. Das Produkt waren aber flache Stäbe und noch keine flächigen Stäbe. ›Richtige‹ Feinblechwalzwerke entstanden wohl erst um 1725, sie waren zunächst wasser-, später (ab etwa 1800) dampfbetrieben. Ab etwa 1850 verdrängen gewalzte Bleche geschmiedete.

Neue Technologien ermöglichen eine bessere Ressourcenausbeute und höhere Stahlqualitäten: 1788 der ›Puddelprozess‹ (Henry Cort), 1856 die Bessemerbirne (Henry Bessemer), 1863 der Martinofen (die französischen Brüder Martin). Die industrielle Waffenproduktion in Frankreich beginnt und erreicht zwischen 1792 und 1815 unter Napoleon einen Rekordwert, der erst im 1. Weltkrieg übertroffen wird. Auch die Rohrherstellung wird von der Waffentechnik getrieben: Seit dem 14. Jahrhundert gibt es Schusswaffen. Davor wurden Rohre vor allem für Wasserrohre und Musikinstrumente genutzt – und diese oft, um im Kriegsfall Signale zu erzeugen und weiterzugeben.

Das Autogenschweißen (Gasschmelzschweißen) mit Wasserstoff und Luft wird erfunden. Schon 1802 hatte der Russe Petrow den Lichtbogen untersucht, der technisch aber noch lange nicht verwertet werden konnte. 1877 wird von Thomson das Widerstandsschweißen erfunden. Etliche technische Erfindungen und chemische Verfahren Ende das 19. Jahrhunderts – 1889 Druckminderer (Dräger), 1892 und 1897 Calciumcarbid beziehungsweise Acetylen, 1898 Luftzerlegung (Linde), 1900 Gleichdruckbrenner für Wasserstoff, 1901 Injektorbrenner für Acetylen (Dräger) verbesserten und erleichterten das Autogenschweißen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Brennschneiden entwickelt.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die ersten zweifach wirkenden Tiefziehpressen eingesetzt. Erst zu diesem Zeitpunkt standen entsprechende Stahlqualitäten und Blechdickentoleranzen zur Verfügung. Hauptanwendungsgebiet wurden Karosserieteile für Automobile.

Der Russe Bernados erfand das Lichtbogenschweißen, an dem er seit 1855 gearbeitet hatte und das er 1885 zum Patent anmelden konnte. Ein anderer Russe, Slawjanow, hatte 1890 die Idee, den Zusatzwerkstoff, also den Schweißdraht, zugleich als Elektrode zu verwenden, was das Elektroschweißen erheblich vereinfacht. 1907 durch Kjellberg und 1912 durch Strohmeyer wurden umhüllte Elektroden eingeführt.

Das Wolfram-Inertgas-Schweißen (WIG) wurde erfunden und zwei Jahre später das Metall-Inertgas-Schweißen (MIG). 1951 folgte das Plasmaschweißen und 1953 das Metallaktivgas-Schweißen (MAG). Es geht Schlag auf Schlag in den 50ern und frühen 60ern: 1956 wurden das Reibschweißen und 1957 das Ultraschallschweißen erfunden. Der erste Schweißroboter wurde 1960 in Halle vorgestellt und die ersten Laserschweißversuche wurden 1961 angestellt.

Die erste ›BÄNDER BLECHE ROHRE‹ erscheint.

Zum ersten Mal bearbeiteten Menschen – in Anatolien – nachweislich brauchbares Metall: Kupfer. Es floss wohl zufällig aus erzhaltigen Steinen, die ein besonders heißes Holzkohle-Lagerfeuer begrenzten, denn 1100 °C mussten es schon sein. Sehr schnell kamen die jungsteinzeitlichen Menschen darauf, dass das flüssige Metall beim Schmelzen die Form der Umgebung annahm und dass man eine solche Umgebung zum Beispiel aus Ton gezielt herstellen konnte: Das Gießen war erfunden. Und da so mancher Guss misslang, schlug so mancher Neolithiker vor Wut mit einem Mordsstein und Schmackes auf das missratene Stück. Da war es platt – und das Schmieden erfunden. Das Schmieden blieb für 8800 Jahre die Blechherstellungsmethode der Wahl.

Mit dem weichen Kupfer konnte man nicht allzu viel anfangen (ebenso wenig wie mit Gold) – für Werkzeuge war es in der Regel zu weich, dem guten alten Flint oft unterlegen, weshalb manche Paläonthologen die Kupferzeit der Jungsteinzeit zuordnen. Immerhin glänzte das Metall schön und zierte bald so manche Dame – oder was man damals dafür hielt. Man konnte außerdem dünne Nadeln – auch zur Sicherheit – und erste Scheren daraus formen, was mit Stein und Knochen nicht so gut oder gar nicht ging. Und man konnte hölzerne Hakenpflüge mit einer Verschleißschutzkante versehen – vielleicht der erste Blecheinsatz. Ob man damals schon Baseballschläger, auch Keulen genannt, mit Kupfernieten optimierte, ist nicht bekannt. Und ebenso unbekannt ist, ob sich das Wort ›Kupfer‹ von ›Zypern‹ ableitet oder umgekehrt.

Die Kupferzeit währte aber in den meisten Weltgegenden nur wenige Jahrhunderte. In Mitteleuropa gab es überhaupt keine Kupferzeit – zumindest wurde nichts gefunden. Wohl zufällig geriet hin und wieder Zinn in das Kupfer. Jedenfalls fanden die Vorfahren der Palästinenser als erste heraus, dass eine Legierung aus Kupfer und 7 bis 10 Prozent Zinn viel widerstandsfähiger und härter war als reines Kupfer – sich aber ebenfalls gießen und schmieden ließ. Die Bronze war erfunden. Ab 2700 v. Chr. ist sie in Ägypten nachgewiesen, also noch etwas vor den Pyramiden, in Mitteleuropa 2200 und in Nordeuropa 1800 v. Chr., als man in Mesopotamien kurz schon vor der Eisenverhüttung stand.

Bronze ließ sich – im Gegensatz zum ›friedlichen‹ Kupfer – nicht nur zu Pflugscharen, sondern auch zu Schwertern schmieden, und zu Schilden und Panzerungen. Damit machte der Krieg gegen Steinzeitmenschen entschieden mehr Spaß. Die Bronze förderte aber nicht nur das Kriegswesen, sondern auch den Handel (wie immer in diesem Zusammenhang) und den Städtebau. Zwar gab es Städte schon seit Jahrtausenden, aber sie waren wohl seltene Ausnahmen – etwa an Kreuzungspunkten von Handelswegen. Die wurden nun oft zu Handelsstraßen, denn Kupfer und Zinn ›wuchsen‹ selten am gleichen Ort. Es musste zusammen, was zusammengehört.

Und auseinander, was nicht zusammenpasste: Die Bronze revolutionierte das Handwerk; die Spezialisierung schritt rasch voran – was wiederum den Handel verstärkte. Da Bronze extrem teuer war, konnten sie sich nur wenige Begüterte leisten. Und da der Besitz der überlegenen Bronzewaffen zu mehr Macht und Wohlstand führte – schließlich konnte man nun nach dem Motto ›Eigentum ist Diebstahl‹ seine weniger begüterten Nachbarn beliebig erpressen und ausrauben –, entstand eine neue Oberschicht, eine Kriegerkaste. Die war auch nötig, um die Minen, die dort Beschäftigten und die Handelswege zu beschützen. Dafür wurden ›natürlich‹ auch Schutzgelder kassiert. Reichten die nicht, überfiel man halt die Nachbarschaft. Um sich gegen solche Übergriffe zu schützen, rotteten sich die Menschen in größeren, stark befestigten Siedlungen zusammen.

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