5 t Edelstahlcoils bis 12 mm Banddicke sollten abgewickelt, plangerichtet und die Säbeligkeit beseitigt werden. Die Bandkante sollte entgratet, arrondiert und nach dem Ablängen einer nachgeschalteten Stapelanlage zugeführt werden.
Bei solchen Banddicken und Materialzugfestigkeiten werden schon an die Abwickelhaspel wesentlich erhöhte Anforderungen in puncto Sicherheit und der Beherrschung der Kräfte gestellt. Ohne Niederhalterollen würde beim Auftrennen der Haltebänder der Coil wie eine Uhrfeder aufspringen und große Schäden an Mensch und Maschine verursachen. Die Innenspreizung des Coils verhindert ebenfalls die Gefahr des Aufspringens. Seitliches Ablaufen der Coilwindungen verhindern sechs hydraulisch betätigte konische Bandseitenführungsrollen.
Außerdem ist ein Coilladestuhl mit Kippsicherungen vorgesehen, der ein gefahrloses Auflegen des Coils ermöglicht. Durch eine Bandeinführvorrichtung mit hydraulisch betätigter Überleitplattform und Anknickrolle wird der Bandanfang ohne manuellen Eingriff in die Anlage eingefädelt. Durch Rotation der Haspel zusammen mit der angetriebenen Andrückrolle von oben wird der Bandanfang in die hydraulisch betätigten Abzugswalzen geführt. Durch Schließen der Walzen wird der Bandanfang geklemmt und über Drucktaster durch die Anlage im Handbetrieb (Einfädelbetrieb) gefahren. Zunächst wird der Bandanfang in die erste, bereits motorisch voreingestellte Richtmaschine gefahren.
Zum Richten von zwei Materialdickebereichen ist die Anlage mit zwei Richtmaschinen ausgerüstet: die erste mit 13 Walzen Durchmesser 140 mm für 5,0 bis 12,0 mm; die zweite mit 13 Walzen Durchmesser 70 mm für 1,0 bis 5 mm. Sämtliche Richtwalzen sind über Gelenkwellen angetrieben und mit Stützrollen gegen Durchbiegung ausgerüstet. Sämtliche Lager werden über eine automatische Fettschmierung versorgt.
Am Richtmaschinen-Ein- und -Ausgang ist eine doppelte einstellbare Bandseitenführung montiert, um einen mittigen Bandlauf zu gewährleisten. Der Mittellauf ist wichtig für die nachfolgende Vertikalrichtmaschine mit elf Rollen zum Richten der Säbeligkeit. Sie ist ausgelegt für Bandbreiten bis 80 mm und Banddicken ab 4 bis 5 mm (in Relation zur Bandbreite). Die Bedienung erfolgt über zwei Handräder im Blocksystem. Ab 80 mm Bandbreite wird das Gerät motorisch aus dem Arbeitsbereich gefahren.
Das Herzstück der Kolk-Anlage ist die Kantenarrondieranlage mit vier Arrondierstationen und vier Glättwalzenstationen zum Glätten des ›Hundeknochens‹, der durch den seitlichen Druck der Arrondierrollen am Band entstehen kann. Der Schnittgrat vom Längsteilen muss weggewalzt werden. Die ›Schnitt-Bruchkante‹ wird ebenfalls geglättet, sodass die spanabhebende Bearbeitung meist entfallen kann. Alle vier Arrondierstationen tragen eingestochene Profile in den Arrondierrollen, die jedoch, und darin besteht das Know-how, über vier Abstufungsstationen zum gewünschten Endradius führen; das heißt, dass jeder Rollensatz eine etwas andere Rillenform hat.
Die schwimmend angelegten Arrondierstationen sind hydraulisch beaufschlagt und haben den Vorteil, dass bei Bandbreitenabweichungen des Bandes keine Unterbrechung des Arrondierradius stattfindet. Jede Arrondierstation ist individuell druckgeregelt. Die Arrondierrollen sind aus hochverschleißfestem Spezialstahl hergestellt und haben zwei eingestochene Rillen, sodass die Rollen umgedreht werden können. Entweder ist das Profil für zwei verschiedene Banddicken eingestochen oder die Standzeit wird bei gleicher Banddicke verdoppelt. Der gewünschte Radius für das Material ist kundenabhängig, es können auch zwei verschiedene Radien an der Ober- und Unterseite des Bandes eingebracht werden. Für die verschiedenen Banddicken ist jeweils ein Satz Arrondierrollen erforderlich. Ein Werkzeugwechsel ist in wenigen Minuten durchführbar.
Am Ausgang der Arrondieranlage befindet sich eine Bandseitenführung, die das Material mittig führt, um einen rechtwinkligen Schnitt in der Schere zu gewährleisten. Ein weiterer Zugwalzensatz ist nach der Seitenführung montiert. Am Ausgang befindet sich auch das Messrad mit hochauflösendem Inkrementalgeber, das die exakte Länge der abgelängten Stäbe und Platinen mit großer Wiederholgenauigkeit garantiert.
In die Anlage ist eine Kaschiermaschine zum kratzfreien Stapeln der Platinen integriert. Die Maschine ist für die Kaschierung mit Folie von oben und mit Papier von der Unterseite ausgelegt. Damit das Papier an der Unterseite haftet, muss es mittels Heizung getrocknet und durch ein Ionisierungsgerät statisch aufgeladen werden.
Die nächste Station ist die ›Fliegende Schere‹, bestehend aus einem Maschinenuntergestell, vier Kugelrollwagen und einem auf geschliffenen Schienen verfahrbaren Scherenkopf.
Der Verfahrantrieb besteht aus einem hochdynamischen Servomotor und einer präzisen Kugelrollspindel. Die komplette Anlage ist für eine Bandgeschwindigkeit von 40 m/min ausgelegt. Die Schnittgeschwindigkeit der Schere beträgt 1,0 s für einen Doppelhub. Die Messer sind schnell zu wechseln und sind mit vier Schnittkanten ausgelegt. Die Schnittspaltverstellung erfolgt von außen über eine Feingewindespindel und exakte Parallelführungen.
Die komplette, Siemens-gesteuerte Bandverarbeitungsanlage ist auf kontinuierlichen Betrieb ausgelegt, um die bei Start-Stopp-Betrieb möglichen Markierungen auf dem Band zu vermeiden.
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Zahlen & Fakten
Coilgewicht: 5 Tonnen
Bandbreite: 250 mm
Banddicke: bis 12 mm
Coil O.D.: 1800 mm
Coil I.D.: 508/610 mm
Material: Edelstahl
Zugfestigkeit: 950 N/mm²
Bandgeschwindigkeit: bis 40 m/min